Boris Stock-Kaul im Rechenzentrum in Offheim.
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Boris Stock-Kaul im Rechenzentrum in Offheim.

Corona-Krise in Limburg

Das Fort Knox von Offheim: 10.000 Server machen Home Office möglich

  • vonPetra Hackert
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In Limburg steht ein großes Rechenzentrum. Die Betreiber sagen: Wir gehören zu den Profiteuren der Corona-Krise. Ein Blick hinter die Kulissen.

  • In Limburg (Landkreis Limburg Weilburg) steht ein großes Rechenzentrum
  • Die Firma OHV-Cloud hat mehr als 10 000 Server im Stadtteil Offheim 
  • Home Office: IT-Fachleute sind Gewinner der Corona-Krise

Limburg – Bei OVH-Cloud im Limburger Stadtteil Offheim sind rund 10 000 Server für Daten weltweit im Einsatz. Tendenz stark steigend, denn in der Corona-Krise ist vielerorts Home Office angesagt. Der IT-Fachmann Boris Stock-Kaul gehört zu denen, die alles am Laufen halten.

Die Anlage in Limburg ist von außen gesichert wie Fort Knox. Direkt von der Hauptstraße zu sehen: graue Mauern, Stacheldraht. Die Einfahrt erfolgt über ein Zwei-Schranken-System. Wer den sensiblen Bereich innerhalb des Gebäudes betreten möchte, braucht einen Arbeits- oder Besucher-Ausweis. Der ist nötig, um die Personenvereinzelungsanlage zu betreten: Wer eintritt, hält diesen Ausweis an den Scanner. 

Nach dem Piepton öffnet sich die Tür. Man betritt einen kleinen Raum, der an einen Fahrstuhl erinnert. Die vordere Tür schließt sich, auf der Rückseite der Schleuse öffnet sich das Gegenstück. Hier arbeitet Boris Stock-Kaul. Der IT-Fachmann gehört zu denen, die dafür sorgen, dass alles läuft. Er ist Herr über 15 000 Server, davon 10 000 im Einsatz. Im Corona-Zeitalter wichtiger denn je.

Rechenzentrum in Limburg hat weltweit mehr als 1,5 Millionen Kunden

Die Technik muss geschützt werden - daher der streng abgesicherte Zugang. Das französische Unternehmen OVH-Cloud, für das er arbeitet, stellt weltweit Serverkapazität zur Verfügung und bedient nach eigenen Angaben mehr als 1,5 Millionen Kunden. Villeroy und Boch gehört dazu, Radiosender streamen über OVH-Server - alles von Limburg-Offheim aus. Seit ein paar Wochen wächst die Nachfrage nach diesen Kapazitäten enorm. "Wir legen im zweistelligen Bereich zu. Sonst haben wir von Offheim aus im Schnitt wöchentlich gut 100 Server zusätzlich vermietet, jetzt geschieht das täglich", sagt der Data-Center-Manager. Die magische Zahl 10 000: Vor ein paar Tagen hat das Unternehmen sie erreicht. Eigentlich wollte man das groß feiern. Doch gerade kommt man nicht dazu. Corona-Zeit.

Seit vier Jahren ist die Firma OVH-Cloud in den ehemaligen Räumlichkeiten der Limburger Vereinsdruckerei angesiedelt. Auf Limburg kamen die Franzosen durch die Nähe zu Frankfurt. "Das ist der größte Netzwerkknotenpunkt der Welt", erklärt Stock-Kaul. Für die Zentrale ist Offheim quasi Frankfurt - die Nähe zu den Schaltstellen und zum Flughafen unmittelbar. Datentechnisch ohnehin. Schreibtische, an denen nur wenige Mitarbeiter sitzen - im Monitoring-Raum sieht es anders aus als gewöhnlich.

Corona-Krise in Limburg: Home Office auch bei IT-Unternehmen aus Offheim

Auch OVH-Cloud aus Limburg-Offheim hat auf die Corona-Pandemie reagiert. "Hier arbeitet nur noch die Hälfte der Mitarbeiter gleichzeitig", sagt der 46-Jährige. Zum Teil wird die Arbeit im Home Office erledigt. Zum Teil geht das nicht. Warum, zeigt der Blick in die Serverräume. Dicht an dicht stehen die Prozessoren, durch ein ausgeklügeltes System gekühlt. Muss hier etwas ausgetauscht werden, dann geht das nicht im Home Office. Daher wird 24/7 gearbeitet: 24 Stunden, sieben Tage in der Woche in mehreren Schichten.

Zurzeit gibt es weltweit viel mehr Online-Konferenzen. Auch Freizeitangebote, für die sonst ein Besuch im Konzertsaal, bei der Dichterlesung, im Sportstudio angesagt wäre, werden über das Internet realisiert. Jeder, der im Home Office arbeitet, spürt es: Verbindungen sind teilweise langsam, weil mehr Menschen gleichzeitig zugreifen. Zusätzliche Serverkapazität wird gebraucht. OVH aus Limburg stellt sie zur Verfügung. Neu: Die Corona-Pandemie hat zur Initiative "Open Solidarity" geführt. Das Unternehmen hat sie gestartet, um Firmen, die ihre Dienste entgeltfrei für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen, Serverkapazität zu geben. Kostenfrei. "Allerdings muss das Angebot auch losgelöst von finanziellen Interessen sein", erklärt Boris Stock-Kaul.

Rechenzentrum in Limburg profitiert von Corona-Krise

14 Mitarbeiter hat er zurzeit in Limburg-Offheim zur Verfügung. Die Stimmung unter denen, die gerade in der Schicht arbeiten, ist sichtlich entspannt. In Zeiten, in denen andere Firmen Kurzarbeit anmelden, hat OVH alle Hände voll zu tun. "Wir gehören wohl zu den Profiteuren der Krise. Aber wir sind die Guten", sagt Stock-Kaul. Die Firma hat allen, die jetzt in den Außenstellen tätig sind, das Gehalt aufgestockt - nicht unerheblich, wie die Mitarbeiter sagen. Drei Uhren hängen an der Wand. Sie zeigen die Zeiten in Kanada, Deutschland und Singapur. Für einen Informatiker im Dienst zählt die Außenzeit kaum. Es sei denn, eine Pause ist angesagt, bei der man sich zusammensetzt.

Das ist jetzt anders: Die Teams arbeiten so, dass sich die Schichten nicht überschneiden. Es wird Abstand gehalten. Desinfektionsmittel gibt es genug. Schilder weisen auf das Handreinigungsgebot hin. Die IT-ler schützen sich vor dem Virus, das diesmal nicht im Computer steckt. 

Von Petra Hackert

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