Noch im Morgengrauen: Wer den frühen Bus zur Fürst-Johann-Ludwig-Schule nimmt, hat meist noch Glück und muss sich den Platz nicht mit allzu vielen Kindern teilen. Später kann es sehr eng werden.
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Noch im Morgengrauen: Wer den frühen Bus zur Fürst-Johann-Ludwig-Schule nimmt, hat meist noch Glück und muss sich den Platz nicht mit allzu vielen Kindern teilen. Später kann es sehr eng werden.

Eltern klagen über Zustände

Schulweg in Corona-Zeiten: „Die Busse sind eine Gefahrenquelle“

Dass beim Schülertransport im Kreis Limburg-Weilburg in Zeiten von Corona etwas passieren muss, bestreitet eigentlich niemand. Welches das geeignete Mittel ist, um übervolle Busse zu vermeiden, scheint nicht so klar zu sein.

  • Schüler und Lehrer müssen sich innerhalb der Schule an strenge Hygieneregeln halten.
  • In Schulbussen gelten die Corona-Regeln jedoch nicht.
  • Eltern im Kreis Limburg-Weilburg klagen über die Zustände.

Limburg-Weilburg – Im Hessischen Schulgesetz ist es geregelt: Die Kommunen, beziehungsweise die Landkreise, sind für die Schülerbeförderung zuständig. Das macht der Landkreis Limburg-Weilburg auch, und es funktioniert eigentlich. Normalerweise. Aber in Zeiten wie diesen offenbar nicht optimal, sagen einige Eltern. Und auch einige Lehrer: „Es sind nicht alle Busse voll. Aber einige sind so voll, dass es unter derzeitigen Bedingungen zu voll ist“, sagt der Leiter der Fürst- Johann-Ludwig-Schule, der größten Schule im Landkreis, Peter Laux.

Corona in Limburg-Weilburg: Durchmischung vermeiden

1560 Schüler kommen jeden Morgen zu der Gesamtschule in Hadamar. Und die meisten fahren mit dem Bus. Natürlich tragen sie alle einen Mund-Nasen-Schutz, aber Abstandhalten ist in den Linienbussen nicht möglich. Und es ist auch gar keine Vorschrift. Die Hygieneregeln gelten nicht im Nahverkehr.

Nicht nur einige Eltern fragen sich, warum in den Bussen und Zügen, mit denen ihre Kinder jeden Morgen und jeden Mittag fahren, nicht dieselben Regeln gelten wie in den Schulen - wo nicht nur Masken Pflicht sind, zumindest dann, wenn die Kinder ihre Plätze verlassen, sondern auch Abstandsregeln gelten und jede Durchmischung vermieden werden soll.

„Dass in Zeiten von Corona in den Bussen vier Schüler pro Quadratmeter erlaubt sind, ist kaum zu glauben“, sagt Björn Jung, der Vorsitzende des Kreiselternbeirates. Die Busse seien eine Gefahrenquelle. Und: „Es ist unsinnig, dass in der Schule Hygieneregeln gelten und der Transport dorthin ohne Regeln stattfindet.“

Corona in Limburg: „Was bei den Schulen geht, hängt von vielen Faktoren ab“

Warum das trotzdem so ist, und warum in den vergangenen fünf Wochen nichts dagegen getan worden sei, habe ihm aber noch niemand erklären können oder erklären wollen. Jedenfalls niemand von der Kreisverwaltung. Anfang der Woche habe er um eine Erklärung gebeten, aber bislang keine befriedigende Antwort bekommen, sagt Björn Jung. „Wir wollten wissen, was der Schulträger plant, um die Situation zu entschärfen.“ Auf Anfrage dieser Zeitung teilte der Kreis folgendes mit: „Landrat Michael Köberle hat das Thema Schulbusverkehr permanent im Auge.“ Der Kreis habe auch schon bei hiesigen Reisebusunternehmen nach zusätzlichen Buskapazitäten gefragt, und für kommenden Dienstag habe der Landrat zu einem Gesprächstermin „mit allen Beteiligten des schulischen Ablaufs“ eingeladen. Ansonsten verweist Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises, auf eine gemeinsame Sitzung des Schul- und des Verkehrsausschusses am 1. Oktober.

Zusätzliche Busse, die jene Haltestellen anfahren, an denen die meisten Schüler zusteigen - auch dann, wenn der Bus eigentlich schon ziemlich voll ist - wären die Lösung, die die Eltern bevorzugen würden. Das wäre am einfachsten umsetzbar, aber es koste natürlich Geld.

„Was bei den Schulen geht, hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Dirk Fredl, der Sprecher des Schulamtes. Veränderte Schulanfangszeiten, wie sie einige Kreistagspolitiker in der jüngsten Sitzung des Kreistages angedacht hatten, um die Schülerbeförderung zu entzerren, seien jedenfalls keine Lösung für alle Schulen. Für Grundschulen sei das durchaus eine Möglichkeit, aber die haben selten Probleme mit übervollen Linienbussen. Und: „Wer später anfängt, muss auch länger arbeiten“, sagt Dirk Fredl. Das müsse man bedenken und auch organisieren.

Limburg-Weilburg: Optimierung des Nahverkehrs ist in der Corona-Krise möglich

Peter Laux formuliert es anders: „Unsere Schule ist extrem vernetzt, da kann man nicht so einfach eingreifen.“ Der Buslinien-Verkehr sei ein fein austariertes System. Aber es gebe durchaus noch Optimierungsmöglichkeiten. Wo die sind, wollen jetzt Eltern und Lehrer herausfinden. Matthias Roßbach, der stellvertretende Schulleiter, steht jeden Morgen vor der Schule und schaut, wie viele Schüler aus welchem Bus aussteigen und sieht auch, dass inzwischen sehr viele Kinder von ihren Eltern gebracht werden. Zum Beispiel in Elz werden Eltern anders aktiv: Sie haben sich bereiterklärt, jeden Morgen zu zählen, wie viele Schüler in welchen Bus einsteigen; denn gerade in Elz sind einigen Eltern einige Busse viel zu voll.

Bis zu den Herbstferien wollen wir einen „qualifizierten Eindruck“ haben, sagt Peter Laux. Aber eines ist schon jetzt klar: Voll sind immer die späten Busse - die, mit denen man gerade noch rechtzeitig an der Schule ankommt. Wer eine halbe Stunde früher aufsteht, hat mehr Platz. „Es gibt noch Optimierungsmöglichkeiten ohne zusätzliche Kosten“, sagt Peter Laux.

Corona im Kreis Limburg-Weilburg: Rückmeldungen des Gesundheitsamtes oft „verunsichernd“

Allerdings müsste man erst einmal wissen, wo es die gibt, sagt Björn Jung. Und: Es sei doch eigentlich Aufgabe des Schulträgers, also des Kreises, die Hotspots zu ermitteln, die Schüler zu zählen, die überfüllten Busse zu benennen und nach Alternativen zu suchen. Und das dann auch mitzuteilen. „Eltern brauchen eine klare Kommunikation“, sagt Björn Jung. Nicht nur in Corona-Zeiten, aber da besonders. Mit den Schulen und dem Schulamt funktioniere die Kommunikation prima, mit dem Schulträger leider nicht immer. Zum Beispiel, als die Eltern wissen wollten, wie es im Herbst und Winter an den Schulen weitergehen soll, wenn nicht mehr den ganzen Tag einfach quer gelüftet werden kann, wenn die Erkältungszeit beginnt.

Auch die Rückmeldungen des Gesundheitsamtes seien oft „verunsichernd“. Warum werde bei einem Corona-Infizierten in der einen Schule eine Klasse unter Quarantäne gestellt oder gar die ganze Schule und in der anderen niemand? Wo haben sich die Schüler infiziert, vielleicht im Bus? „Hier wären Informationen über die Kontaktverfolgung wichtig“, ansonsten leiste man Verschwörungstheorien Vorschub, sagt Jung. Viele Eltern hätten Angst. „Aber das Signal fehlt, das Signal, dass man uns ernst nimmt.“ (red)

Von Bad Homburg bis Neu-Anspach sind Eltern in Sorge: In überfüllten Schulbussen ist Corona-Schutz quasi unmöglich, beklagen sie. Der Kreis greift die Beschwerden auf. Nun droht Zoff mit dem Kultusministerium.

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