Mehrere Personen sind in einem Klassenraum und beugen sich über einen Computer.
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Homeschooling in Corona-Zeiten: Esther Pikman, Attilio Forte, Miriam Hornig, Rebecca Schmidt und Christine Müller (von links) werten die Ergebnisse ihrer Umfrage aus.

Umfrage zu Homeschooling

Corona-Pandemie: Limburger Lehrer verraten, wie Homeschooling bei ihnen funktioniert

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Die Corona-Pandemie stellt die Schulen vor eine große Herausforderung. Jetzt haben Lehrer und Lehrerinnen in Limburg eine Umfrage gemacht. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

  • Homeschooling während der Corona-Pandemie stellt Schulen vor Herausforderung
  • In Limburg wollten Lehrerinnen und Lehrer wissen, was bei Homeschooling wichtig ist
  • Digitale Lernformen sollen auch zukünftig benutzt werden

Limburg – Schüler, die erst nachmittags aufstehen, Eltern, die keinen Drucker zur Verfügung stellen können, Lehrer, die nicht wissen, wie eine Videokonferenz funktioniert. Und dann noch das Problem mit der Motivation. Schule in Zeiten von Corona ist eine Herausforderung für alle - für Lehrer, Schüler und Eltern. Wie groß die Herausforderung im Homeschooling war und wie sich Schule - genauer: die Leo-Sternberg-Schule - auf die Herausforderungen, die da noch kommen könnten, vorbereiten kann, wollten einige Lehrerinnen und die Schulleitung der Leo-Sternberg-Schule genauer wissen. Und haben Lehrer, aber auch Eltern und Schüler gebeten, einen Fragebogen auszufüllen.

„Extrem repräsentativ“ sei die Umfrage nicht, sagt Rebecca Schmidt, „Aber die Kernaussagen haben sich wiederholt.“ Dass viele Eltern irgendwann nicht mehr wussten, wie sie ihre Kinder dazu bringen sollen, sich regelmäßig an den Schreibtisch zu setzen und zu arbeiten, zum Beispiel. Dass viele Lehrer sich einen intensiveren Kontakt zu ihren Schülern gewünscht hätten.

Limburger Schule während Corona-Pandemie: 35 Schüler haben sich gar nicht gemeldet

Knapp 800 Kinder und Jugendliche werden an der Leo-Sternberg-Schule unterrichtet - von der Vorklasse bis zum Mittleren Abschluss. Knapp 300 von ihnen, beziehungsweise ihre Eltern, haben den Fragebogen über Homeschooling ausgefüllt. Einige Ergebnisse sind bemerkenswert: Zum Beispiel, dass fast alle Schüler (97 Prozent), die geantwortet haben, zu Hause einen Internetzugang haben, dass aber trotzdem nur rund 75 Prozent der Schüler an den Videokonferenzen teilnahmen.

Das liege manchmal am schlechten Netz, ein paar Schüler hätten auch mal verschlafen, aber bei einigen fehlten schlicht und einfach die strukturellen Voraussetzungen, sagt Lehrerin Christine Müller. 35 Schüler hätten sich überhaupt nicht gemeldet. Wenn auch ein Anruf nichts half, bekamen sie Besuch von der Schulsozialarbeiterin oder der Schulseelsorge. Damit wenigstens sie schauen können, ob zu Hause alles in Ordnung ist. Schließlich hat Schule auch eine soziale Aufgabe.

Schule in Limburg: Nachholbedarf bei Digitalisierung - scheitert an Haltung einiger Lehrer

Und noch viel mehr: Sie scheint der Ort zu werden, an dem Kinder Struktur lernen müssen. „Kinder müssen das Lernen lernen“, sagt Attilio Forte, der Leiter der Leo-Sternberg-Schule. Und zwar nicht nur fürs Homeschooling. Wenn die Struktur fehle, wird das Lernen schwierig. „Die Zeit hat uns gezeigt, dass wir mit den SchülerInnen noch mehr an der Selbstorganisation arbeiten müssen und auch an dem Umgang mit den modernen Medien“, heißt es im Resumee. Die Vermittlung von Strukturen sei wohl der größte und auch der arbeitsintensivste Punkt.

Nachholbedarf gebe es aber auch in Sachen Digitalisierung. Ein IServ-Führerschein, wäre eine Idee, sagt Miriam Hornig, Konrektorin, und in der Schulleitung für das digitale Lernen zuständig. Einige Schüler hätten bislang nicht einmal gewusst, wie eine E-Mail auszusehen hat. Aber auch bei einigen Kollegen gebe es Nachholbedarf. „Wir müssen wegkommen vom Arbeitsblatt.“ Nicht nur in Corona-Zeiten. Das sei aber bislang an der Haltung einiger Kollegen gescheitert.

Digitales Lernen: Meist wurde Arbeitsblatt nur eingescannt - Lehrerin fordert „neue“ Wege

Dabei gebe es so viele Initiativen und Ideen zum digitalen Lernen. Zum Beispiel das digitale Arbeitsblatt. Und damit ist nicht das eingescannte Arbeitsblatt gemeint, das ausgedruckt, ausgefüllt, fotografiert und dann per Mail zurück an den Lehrer geschickt werden muss. Dabei hatte das in den vergangenen Wochen Hochkonjunktur. Auch an der Leo-Sternberg-Schule. „Wir waren breit aufgestellt“, sagt Attilio Forte:

Da gab es eingespannte Arbeitsblätter per E-Mail, eingetütete Arbeitsblätter per Post, einige arbeiteten mit dem Schulbuch, einige Lehrer nutzten eine digitale Pinnwand, es gab aber auch Videokonferenzen, ein paar Lehrer drehten Lernvideos, andere Motivationsvideos, Christine Müller und Rebecca Schmidt haben Podcasts produziert. „Wir müssen neue Wege finden, um die Schüler zu erreichen“, sagt Miriam Hornig.

Homeschooling in Limburg: Lehrer wollen digitale Fortbildung

Und das sehen inzwischen auch viele Lehrer so. Mehr als die Hälfte der Lehrer, die den Fragebogen ausgefüllt haben (immerhin 45 von insgesamt 75 Lehrern), will auch in Zukunft - auch in Zeiten des Präsenzunterrichts - digitale Lernformate nutzen. 80 Prozent der Lehrer wünschen sich eine digitale Fortbildung.

Das bedeute aber noch lange nicht, dass die Schule der Zukunft nur noch im virtuellen Raum stattfinde, sagt Esther Pikman. "Unser Beruf lebt vom persönlichen Kontakt." Und dazu gehört auch der Kontakt zu den Eltern. Und auch in diesem Punkt waren sich Lehrer, Schüler und Eltern in der Umfrage ziemlich einig: Die Kommunikation muss verbessert werden. Ideen gibt es auch schon: feste Termine mit Eltern, ihre Beteiligung an Konferenzen, Elterntreffen.

Lob gab es natürlich auch: Die Lehrer lobten die Unterstützung im Kollegium und die „vielen engagierten Eltern“.

Homeschooling in Limburg: Herausforderung - doch auch viel Lob von Eltern

Die Eltern fanden es bemerkenswert, dass die Lehrer so strukturiert waren (jedenfalls nach der ersten, doch ziemlich chaotischen Homeschooling-Woche, in der sich die Pädagogen noch auf kein einheitliches Portal einigen konnten) und dass Klassenlehrer und Fachlehrer immer in Kontakt waren; die meisten fühlten sich gut informiert.

Eine organisatorische Herausforderung war das Homeschooling trotzdem: Die Lehrer sind sich einig, dass die Arbeitsbelastung größer war als in „normalen“ Schulzeiten - und die Eltern auch.

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