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Lehrerin Charlotte Weber zeigt die neuen CO2-Ampeln, die an der Goetheschule im Einsatz sind. Im Hintergrund sitzen die Schüler der 7 b des Realschulzweigs. Die andere Hälfte ihrer Mitschüler wurde diese Woche von zu Hause aus unterrichtet.

CO2-Ampeln an der Goetheschule

Limburg: Wie Corona den Alltag im Klassenzimmer prägt

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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  • Petra Hackert
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Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf das Schulleben. An der Goetheschule in Limburg zeigt sich das auch an neuen CO2-Ampeln in den Klassenzimmern.

Limburg - Damit möglichst alle Schüler während der Corona-Pandemie ihre Schule besuchen können, ist stetiges Lüften des Klassenraums ein wichtiger Bestandteil des Hygienekonzepts. Die Goetheschule in Limburg, eine Haupt- und Realschule, hat sich deshalb schon vor mehreren Wochen entschieden, auf eigene Kosten sieben Kohlenstoffdioxid-Messgeräte für die Klassenräume anzuschaffen, um damit vor allem den jüngeren Schülern (5. und 6. Klasse) zeigen zu können, wann es wieder Zeit ist, während des Unterrichts zu lüften.

Intern heißen die seit dem 5. November in der Goetheschule eingesetzten Geräte schlicht "CO2 -Ampel". Bei "dicker Luft" im Klassenraum leuchtet die Ampel gelb, also wenn der Anteil an Kohlenstoffdioxid als Bestandteil dessen, was wir Menschen ausatmen, langsam zu hoch ist. Das ist für den "Ampel- und Fensterdienst" - zwei zuvor ausgewählte Schüler - das Zeichen, die Fenster zu öffnen. Das kann an der Goetheschule bei voller Belegung des Klassenzimmers (gilt derzeit für alle 5. und 6. Klassen im Landkreis) bereits nach zehn Minuten der Fall sein. Von offizieller Seite aus wird Lüften übrigens nur alle 20 Minuten empfohlen.

Getrennte Bereiche auf dem Schulhof

"Diese Ampeln ersparen uns Diskussionen mit den Schülern", sagt Schulleiterin Melanie Jansing. "Sie können so den Sinn des regelmäßigen Lüftens besser verstehen." Sie hatte schon nach den Sommerferien die Idee, diese Geräte anzuschaffen und fragte beim Schulträger, dem Landkreis, nach, ob solche Geräte zur Verfügung gestellt würden. "Doch zu diesem Zeitpunkt hatte dort noch keiner etwas von CO2-Ampeln gehört. Also haben wir sie von unserem Budget gekauft." Inzwischen empfiehlt das Land Hessen die Anschaffung von CO2-Ampeln (auf Kosten des Landes).

Welche Auswirkungen hat der Corona-Alltag - am Beispiel der Goetheschule in Limburg - noch?

  • Getrennte Pausenbereiche: Jede Klasse hat ihren eigenen zugewiesenen Platz auf dem Schulgelände.
  • Einbahnstraßen-Konzept: Markierungen auf dem Boden zeigen die jeweils erlaubte Geh-Richtung an.
  • Hygiene: In jedem Eingangsbereich sind Spender mit Desinfektionsmitteln installiert. In allen Klassenräumen stehen zudem Seife und Handpapiertücher zur Verfügung.
  • Digitales Lernen: Das betrifft momentan verstärkt die Schüler ab der siebten Klasse: Die Klassen sind in jeweils zwei Lerngruppen eingeteilt und werden wochenweise abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet. Damit alle Schüler am digitalen Unterricht teilnehmen können, hatte die Goetheschule 43 Tablets bestellt (die der Schulträger zahlt) - eingetroffen sind bislang nur 17. "Wir gehen davon aus, dass die fehlenden Tablets nächste Woche geliefert werden", sagt Jansing. Diese Geräte sind für die Schüler gedacht, die entweder keinen PC oder kein Tablet zu Hause haben oder aber diese Geräte mit ihren schulpflichtigen Geschwistern teilen müssen.
  • E-Mail-Adressen: Alle Eltern verfügen über eine eigene Schul-E-Mail-Adresse. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation in Corona-Zeiten: Die Eltern können im Internet auf der Lernplattform auch selbst einsehen, welche Tages- und Hausaufgaben ihr Kind erledigen muss.
  • Arbeitsgruppen (AG): Die finden derzeit nach Schulende nicht mehr statt. Doch gerade auf die Fußball-AG, die Film- oder auch die Kunst- und Kreativ-AG sowie weitere freiwillige Angebote nach Schulschluss hätten sich die Schüler nach den Sommerferien besonders gefreut, berichtet Lehrerin Charlotte Weber.

Sorge bereitet Schulleiterin Jansing sich möglicherweise abzeichnende neue Standards im Umgang mit einem positiven Corona-Fall eines Schülers (an der Goetheschule gab es bislang einen). Noch sei es so geregelt, dass dann die ganze Klasse zwei Wochen in Quarantäne müsse, was Jansing für sehr sinnvoll hält. Doch in Frankfurt und Offenbach werde nur noch der jeweils positiv getestete Schüler in Quarantäne geschickt - aus ihrer Sicht viel zu riskant, vor allem, weil weitere Corona-Fälle zu einer komplette Schulschließung führen könnten. Doch gerade das sollte unbedingt vermieden werden: "Wir leisten Beziehungsarbeit an der Schule", sagt sie. "Die fällt im Distanzunterricht weg. Da entgleiten ihnen die Kinder."

Belüftungsgeräte werden nicht empfohlen

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt, Abstand, Lüften, Masken tragen wird immer wichtiger. Die Schulen denken über weitere Schritte nach, die Situation zu verbessern. Dabei kommen auch mobile Belüftungsgeräte ins Gespräch. Der Landkreises Limburg-Weilburg als Schulträger empfiehlt deren Einsatz zurzeit nicht.

"Die Wirksamkeit dieser Geräte für den Schulbetrieb ist nicht ausreichend nachgewiesen", erläutert der Sprecher des Kreises Jan Kieserg und beruft sich dabei auch das Robert-Koch-Institut und das Umweltbundesamt. Daher stelle der Landkreis als Schulträger derzeit keine Überlegungen an, um derartige mobile Lüftungsgeräte anzuschaffen.

"Der Kreis hat allerdings insgesamt 200 CO2-Melder angeschafft, um diese an den Schulen zu verteilen", berichtet Kreissprecher Kieserg. Die Limburger Goetheschule habe bereits sieben CO2-Melder aus dem Schulbudget besorgt, werde vom Kreis aber auch noch welche erhalten. Ziel ist, die Luftqualität in den Unterrichtsräumen zu beurteilen und ab einer bestimmten Belastung an die erforderliche Lüftung der Unterrichtsräume zu erinnern.

Drei Schulen im Kreis sind geschlossen, 350 Schüler im Distanzunterricht

Drei Schulen sind im Landkreis Limburg-Weilburg sind in dieser Woche wegen Corona geschlossen und werden aller Voraussicht nach in der nächste Woche wieder öffnen: Die Amanaschule Aumenau, die Atzelschule Bad Camberg sowie die Schule im Emsbachtal Brechen, erläutert der Sprecher des Staatlichen Schulamts Dirk Fredl. Darüber hinaus seien rund 350 Schülerinnen und Schüler einzelner Klassen in den Schulen des Landkreises im Distanzunterricht. Hinzu kommt das Wechselmodell, das der Kreis Limburg-Weilburg wegen der hohen Inzidenz ab Jahrgangsstufe 7 angeordnet hat, so dass im Wechsel jeweils nur die Hälfte der Klasse beschult wird, wenn die Mindestabstände nicht eingehalten werden können.

Einzelne Klassen an folgenden Schulen seien derzeit im Distanzunterricht:

  • Herzenbergschule Hadamar Jahrgangsstufe 1
  • Freiherr vom Stein Schule Dauborn Klassen 2, 3, 5 und 7
  • Goetheschule Limburg Klasse 7
  • Theodor-Heuss Schule Limburg Klasse 7 und Intensivklasse
  • Erich-Kästner-Schule Limburg Klassen in Jahrgangsstufe 1 und 2
  • Leo-Sternberg-Schule Limburg Klasse 5
  • Mittelpunktschule Goldener Grund eine Klasse in Jahrgangsstufe 4
  • Grundschule Staffel eine Klasse in Jahrgangsstufe 2
  • Schule auf dem Falkenpflug Löhnberg eine Klasse (nicht spezifiziert)
  • Karl-Schapper-Schule Weinbach eine Klasse in Jahrgangsstufe 1
  • Pestalozzischule Weilburg eine Klasse in Jahrgangsstufe 3
  • Senckenbergschule Villmar eine Klasse in Jahrgangsstufe 10
  • Marienschule Limburg eine fünfte Klasse
  • Gymnasium Philippinum Weilburg Klassen in 5,6 und 9
  • Fürst-Johann-Ludwig Schule Hadamar Q1, Jahrgangsstufe 9 (derzeit im Praktikum)
  • Gesamtschule Weilmünster Klassen in den Jahrgangsstufen 2, 5, 8
  • Adolf-Reichwein-Schule Limburg sechs Klassen in verschiedenen Schulformen (HBFS, FS, Berufsschule)
  • Friedrich-Dessauer-Schule Limburg sechs Klassen in verschiedenen Schulformen
  • Peter-Paul-Cahensly-Schule Limburg fünf Klassen in verschiedenen Schulformen
  • Wilhelm-Knapp-Schule Weilburg 2 Klassen in verschiedenen Schulformen

Auch im Privaten an die Abstands- und Hygieneregeln halten

"Die Anordnungen des Gesundheitsamtes, die bislang bei einzelnen Klassen vorgenommen worden sind und die zum Distanzunterricht geführt haben, sind in weiten Teilen noch auf die Zeit vor Einführung des Wechselmodells ab Stufe 7 und des verpflichtenden Tragens von Mund-Nase-Bedeckungen im Unterricht ab Stufe 5 zurückzuführen", erläutert Fredl. "Wir gehen daher davon aus, dass sich allein aus diesen Gründen die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die komplett in den Distanzunterricht gehen müssen, zumindest in den weiterführenden Schulen zukünftig reduzieren dürfte." Wichtig sei natürlich auch, dass die Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht getrennt werden, nicht in privaten Zusammenhängen miteinander ohne Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln engeren Kontakt haben. (Stefan Dickmann und Petra Hackert)

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