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Limburg darf bald kein Glyphosat mehr einsetzen

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Von: Stefan Dickmann

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Eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat im Limburger Stadtgebiet läuft am 30. Juni aus.
Eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Glyphosat im Limburger Stadtgebiet läuft am 30. Juni aus. © Christian Ohde (chromorange)

Die Stadt Limburg will zur Bekämpfung von Unkraut weiterhin das umstrittene Glyphosat einsetzen und eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Das Umweltministerium in Wiesbaden winkt jedoch ab und teilt mit, der Wunsch der Stadt sei nicht mehr genehmigungsfähig. Die Kommune wird sich nach Alternativen umschauen müssen.

Die Stadt Limburg wird vom 1. Juli an kein Glyphosat mehr einsetzen dürfen. Das erklärte das Umweltministerium in Wiesbaden auf Anfrage dieser Zeitung. Die Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln „auf überwiegend gepflasterten Flächen“ sei dann nicht mehr genehmigungsfähig, teilte eine Sprecherin mit.

Die Stadt setzt das Glyphosat zur Bekämpfung von Unkraut ein, zum Beispiel am Bahnhofsplatz, auf den Domtreppen, am Mühlberg, im Schlosshof und am Brückenturm. Aber auch der Einsatz in städtischen Grünanlagen wie sämtlichen Friedhöfen einschließlich des Domfriedhofs und im Stadtpark Blumenrod ist nach Angaben des Umweltministeriums künftig nicht mehr möglich.

Die Stadt setzt nach eigenen Angaben jedes Jahr 23 Liter des umstrittenen Pflanzenschutzmittels ein, das stark verdünnt versprüht wird und im Verdacht steht, gesundheitsschädlich zu sein. Der Einsatz geschieht schon jetzt mit einer Ausnahmegenehmigung, die am 30. Juni ausläuft.

Die zuständige Behörde werde den Antragsteller über „alternative Methoden“ zur Bekämpfung von Unkraut durch mechanische oder thermische Beseitigung informieren, teilt die Sprecherin des Umweltministeriums mit. „Für den Anwender ist bei alternativen Verfahren der Unkrautkontrolle häufig mit einem steigenden Kosten- und Zeitaufwand gegenüber einer chemischen Anwendung zu rechnen.“

Dessen ist sich die Stadt sehr wohl bewusst. In einer Vorlage des Magistrats an die Stadtverordneten hatte der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) schon 2015 erklärt, warum aus Sicht der Stadt der Einsatz von Glyphosat notwendig ist: Weil es kostengünstig und effektiv ist. Andernfalls könne der erwartete Pflegestandard nicht eingehalten werden – oder die Stadt müsse mehr Geld ausgeben für mehr Personal oder eine zu beauftragende Firma.

Deutlich billiger

Am Beispiel der Friedhöfe machte Stanke damals deutlich, „wie sich der Verzicht auf Glyphosat betriebswirtschaftlich auswirken würde“. Bei rund 57 000 Quadratmeter Wegefläche koste eine jährliche Behandlung des Unkrauts „nach herkömmlicher Art“ bei sechs Anwendungen und einem Quadratmeter-Preis von rund zwei Euro insgesamt 114 000 Euro. Bei einer Behandlung mit Glyphosat entstünden für die gleichen Fläche nur Kosten in Höhe von etwa 16 000 Euro. Der Differenzbetrag von rund 100 000 Euro entspreche einem zusätzlichen Personalbedarf von zwei Mitarbeitern „allein für den Bereich aller Friedhöfe“.

Mehr Personal notwendig

Sollte der Beschluss der Stadtverordneten von 2001 zur Ausbringung glyphosathaltiger Mittel revidiert werden, „muss deutlich darauf hingewiesen werden, dass die derzeitigen Pflegestandards mit dem zur Verfügung stehenden Personal nicht gehalten werden können“, schrieb Stanke. Andernfalls müsse das Personal aufgestockt werden oder zusätzliche Haushaltsmittel bereitgestellt werden, um Firmen beauftragen zu können. Oder aber die Stadtverordneten seien bereit, über eine „Herabstufung der Pflegeansprüche“ nachzudenken. All diese Alternativen scheinen im Sommer auf die Stadt zuzukommen. Ein Sprecher des Regierungspräsidiums Gießen bestätigte, vom 1. Juli an sei der Einsatz von Glyphosat nur noch in begründeten Ausnahmefällen erlaubt, etwa in Gleisanlagen oder beim Denkmalschutz.

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