Eckhart und Manuel Schäfer genießen Limburg in Sonnenstühlen.
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Eckhart und Manuel Schäfer genießen Limburg in Sonnenstühlen.

Ein Stück Normalität

Nach Lockdown kehrt das Leben in Limburg zurück – doch manchen steigt die Hitze zu Kopf

  • VonRobin Klöppel
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Nach dem monatelangen Lockdown brechen sich Sommergefühle Bahn. Viele Lokale öffnen ihre Türen wieder für Gäste. Einige verhalten sich jedoch daneben.

Limburg – Das Gute-Laune-Gefühl hat bei vielen Menschen nach über einem Jahr Corona-Entbehrungen bei aktuell hochsommerlichem Wetter in der Limburger Innenstadt wieder Einzug gehalten. Zum Einkaufen war es am Samstag um die Mittagszeit schon sehr heiß, doch viele Restaurants und Cafés hatten volle Tische. Hunderte Menschen strömten voller Freude zum Parkbad - und gegen Abend war draußen auch schnell wieder alles besetzt bei beliebten Zielen wie dem Biergarten des Campingplatzes oder dem Cargo Beach Club an der alten Lahnbrücke, wo man an solchen Tagen früh kommen oder reservieren sollte, um überhaupt noch Einlass zu bekommen.

Robert Band schlendert mit seinem Zwillingsbruder Hermann durch die Fußgängerzone und meint: "Wir sind froh, endlich mal wieder mit Freunden draußen sitzen zu können." Beide seien sie nun schon zweiten Mal geimpft und wollten das dann auch ausnutzen. Heute geht es ins Caffé da Gino in der Altstadt. "Das ist noch ein echter Italiener", sagt Robert Band.

Limburg nach dem Lockdown: „Das ist noch lange nicht das, was es vor Corona mal war.“

Marianne Schlesinger sitzt mit ihren Freundinnen im Café Lazzaris. Eine von ihnen sagt, dass man es mit der "Wir mussten auf alles verzichten"-Lockdown-Jammerei auch nicht übertreiben solle. Einen völlig vereinsamten Eindruck hätten die Schüler jedenfalls nicht hinterlassen, die ihr täglich im Bus, die ganze Zeit mit ihren Freunden telefonierend, begegnet seien. Marianne Schlesinger will auch nicht sagen, dass ihr weniger Kontakte in der Lockdownzeit zu schaffen gemacht hätten. Aber natürlich sei es schöner, wenn man einkaufen geht, dass man sich wieder zusammen mit den Freundinnen zwischendurch hinsetzen und gemütlich etwas trinken kann.

Coole Drinks bringen Lea, Estelle, Joana und Desirée (v. l.) Urlaubsfeeling.

Horst O. Hoppe, Vorsitzender des CityRings, sagt zu den aktuellen Geschäftsumsätzen in Limburg: "Das ist noch lange nicht das, was es vor Corona mal war." Denn als Vergleich müsse man ja das letzte normale Jahr 2019 und nicht 2020 nehmen. Durch das schöne Wetter und die wieder geöffnete Gastronomie hätten sich, so Hoppe, die Besucherzahlen in Limburg wieder etwas berappelt. Aber viele seien mit dem Besuch von Geschäften immer noch zurückhaltend.

Patrick und Astrid Vollbach aus Schadeck sehen das zum Glück für die Geschäftsbetreiber in Limburg anders. Sie haben bewusst das Ende des Lockdowns abgewartet, um wieder in der Domstadt shoppen gehen zu können. "Wir kaufen nichts im Netz und wollen gezielt heimische Geschäfte unterstützen", sagt Patrick Vollbach. Hier könne man ansehen, was man kaufen wolle und habe gute Beratung und unkomplizierten Umtausch bei Verkäufern, die einem persönlich bekannt seien.

Limburg nach dem Corona-Lockdown: "Die letzten Monate wie eine Geisterstadt"

Ein Hallo beim Kaffee: Robert und Hermann Band (von links) treffen Marianne Schlesinger.

Irgendwie scheint die Hitze auch manchem zu Kopf zu steigen. Als beim DGB-Stand auf fehlenden Wohnraum hingewiesen werden soll, müssen sich Kreisvorsitzende Viktoria Spiegelberg-Kamens und ihre Mitstreiter Zurufe wie "Geht was schaffen. Dann könnt ihr euch auch eine Wohnung leisten" gefallen lassen. Zwei Männer drohen damit, die Polizei zu holen, wenn am Stand nicht endlich Ruhe sei. An der Zufahrt zum Rathaus gerät die FDP-Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer mit einem jungen Pärchen in Konflikt, weil der in der Stadt bekannte Rapper mal eben lässig die Einfahrt zugeparkt hat. Dabei hat doch die Liberalen-Fraktionsvorsitzende die letzten Monate immer so brav im Lockdown die Kulturbranche unterstützt. Aber wenn man vor seiner Freundin cool rüberkommen will, kann man als Künstler keine Rücksicht auf FDP-Leute nehmen, die noch in ein Fraktionszimmer wollen.

Seppl Wolf, 87-jähriger Ex-Polizist, kann dagegen so schnell nichts aus der Ruhe bringen. "Ich habe mich während der Corona-Zeit mit Treffen ziemlich zurückgehalten, aber jetzt bin ich geimpft - und dann kann man wieder besser auf einander zugehen", sagt Wolf. Er freut sich auf das Treffen zum Kaffee mit seiner Schwester Irmgard Collée. Peter Schardt, Altstädter aus Überzeugung, zeigt sich froh, dass in Limburg wieder was los ist. "Ich kann ja von mir direkt auf den Fischmarkt gucken - und das war die letzten Monate wie in einer Geisterstadt." Er sei froh, jetzt wieder öfter bei "Don Camillo" draußen sitzen zu können. "Da gehöre ich ja schon zur Familie", erzählt er strahlend.

Ein Original der Limburger Altstadt: ist ebenfalls unterwegs: Peter Schardt.

Anja Nebgen sitzt alleine am Stand des Bauern Heckelmann aus Mensfelden. Die Stammkunden kämen an solchen Tagen früher, erzählt die Limburgerin. Aber der Umsatz am Wochenmarkt sei an heißen Tagen geringer, weil sich die Leute lieber in die Restaurants setzten. Sie könne verstehen, dass die Leute nach dem Lockdown wieder Lust haben, sich bewirten zu lassen, aber dann kauften sie eben für daheim auch weniger Spargel. Eckhart Schäfer aus Weilburg ist gegen Abend das erste Mal in seinem Leben zusammen mit Ehefrau Manuela im Cargo Beachclub. Sie haben bei diesem "Bombenwetter" einen Tagesausflug an die Lahn gemacht. "Schöne Location hier. Da werden wir wieder herkommen", sagt Schäfer beim Chillen im Sonnenstuhl. Die Freundinnen Lea, Estelle, Joana und Desirée aus Niederselters sind gerne immer mal wieder hier. Den Sand an den Füßen zu spüren, das Plätschern des Wassers am Rand in der Somme genießen, das sei "einfach ein tolles Urlaubsfeeling", denkt Desirée Sandner. (Robin Klöppel)

Mit der Aufhebung des strengen Lockdowns gibt es keine Ausgangssperren mehr und die Gastronomie darf weitestgehend öffnen. Erfahren Sie hier, was genau in Limburg trotz Corona erlaubt ist.

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