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Limburg: Das sind die wahren Superhelden

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Von: Sabine Rauch

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Ob beim Blumengießen, Einkaufen oder bei der Körperpflege: Laura Arnold meistert den Alltag mit den Klienten der Lebenshilfe.
Ob beim Blumengießen, Einkaufen oder bei der Körperpflege: Laura Arnold meistert den Alltag mit den Klienten der Lebenshilfe. © nn

Seit 15 Jahren Ausbildung zum Heilerziehungspfleger an der Adolf-Reichwein-Schule

Limburg -Er kann sich noch gut erinnern, wie aufregend es damals war. Schon allein, weil er und seine Mitschüler (und die Lehrer) erst kurz vor Schuljahresbeginn erfahren haben, dass es überhaupt losgehen kann. Weil alles für alle neu war, auch für die Lehrer, und weil er und seine Mitschüler so unterschiedlich waren. "Wir waren ein verdammt bunter Haufen", sagte Daniel Patz. 22 Studierende waren sie 2006, die ersten ihrer Art an der Adolf-Reichwein-Schule. Wer damals Heilerziehungspfleger (oder kurz HEP) werden wollte, hatte noch zwei Tage Schule und drei Tage Praxis - oder umgekehrt.

Das ist inzwischen anders: Erst die Schule, dann die Praxis. Überhaupt hat sich einiges geändert in den vergangenen 15 Jahren. Aber eines ist gleich geblieben: Heilerziehungspfleger ist ein ganz wunderbarer Beruf. Oder besser noch: eine Berufung, sagte Ralf Abel, der Leiter der Adolf-Reichwein-Schule in seiner Begrüßung der Gäste, die zur Geburtstagsfeier in die Schule gekommen waren. Er dankte den Kooperationspartner, ohne die die Ausbildung so gar nicht möglich wäre: der Lebenshilfe Limburg Diez und der Vitos Teilhabe. Und er dankte seinem Vorgänger im Amt, Dr. Heinrich May, für seine Hartnäckigkeit und überhaupt den Impuls, die Fachrichtung HEP an der Schule für Sozialwesen anzubieten.

Ein Beruf mit Zukunft

"Es ist sein Verdienst, dass wir Geburtstag feiern können." Zu den Gratulanten gehörte auch Markus Topitsch, der stellvertretende Leiter des staatlichen Schulamtes. Er sprach von einem Beruf mit Zukunft und verglich die Heilerziehungspfleger mit Helden: "Sie legen großen Mut und edlen Charakter an den Tag", gäben Wärme, Zuwendung, Unterstützung, seien geduldig, empathisch und freundlich und brächten eine große körperliche und emotionale Belastbarkeit mit. Und darauf seien Menschen mit Beeinträchtigung angewiesen. "Sie sind die wahren Superhelden im gesellschaftlichen Alltag."

Umschulungen durchs Arbeitsamt

Und davon gibt es nicht genug. Im ersten Jahrgang waren es noch 22, zwischendurch waren es auch mal nur zehn, im Schnitt verlassen jedes Jahr 15 bis 25 HEPs die Schule. Und das seien einfach zu wenige, der Bedarf werde schon allein wegen des Bundesteilhabegesetzes steigen, sagte Markus Topitsch. Claudia Andersen, Abteilungsleiterin der Fachschule für Sozialwesen an der Adolf-Reichwein-Schule, berichtete, dass schon einiges getan worden sei, um den Beruf attraktiver zu machen.

Dank der Änderung der Prüfungsordnung sind Erzieher und Heilerziehungspfleger inzwischen gleichberechtigt - zumindest was die Anrechnung auf den Fachkräfte-Schlüssel angeht. Sie können längst auch außerhalb von Einrichtungen der Behindertenhilfe eingesetzt werden. Und die Adolf-Reichwein-Schule tue noch mehr. Im vergangenen Jahr hatte sie sich für eine vollschulische Ausbildungs-Variante entschieden: Zwei Jahre Schule, ein Jahr Anerkennungsjahr - so wie bei den Erziehern. Das bedeutet, dass nun auch Umschulungen durchs Arbeitsamt möglich sind und dass die Absolventen auch die Hochschulreife haben. "Wir hoffen, dass das Interesse größer wird", sagt Claudia Andersen. Denn die Nachfrage nach HEPs werde ganz sicher steigen, nach ihrer ganz eigenen Grundhaltung und

Professionalität. Die wird zum Beispiel bei Vitos Teilhabe gebraucht oder bei der Lebenshilfe Diez - überall dort, wo Menschen mit Beeinträchtigungen ihren Platz und Unterstützung finden und Superhelden gebraucht werden. Elisabeth Gerheim, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Limburg Diez stellte die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten vor - von der Frühförderung bis zu den Werkstätten; Daniel Patz berichtete von seiner Arbeit bei Vitos Teilhabe. Worum es eigentlich immer gehen sollte, fasste Ralf Abel mit einem Zitat des Pädagogen Rolf Niemann zusammen: "Das Anderssein der anderen als Bereicherung des eigenen Seins begreifen; sich verstehen, sich verständigen, miteinander vertraut werden, darin liegt die Zukunft der Menschheit."

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