Mit einer Corona-Prämie bedankten sich Johann (links) und Johannes Schäfer im Pandemie-Jahr bei den Mitarbeitern. Übrigens: Der Firmenschriftzug ist noch die Handschrift vom Großvater.
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Mit einer Corona-Prämie bedankten sich Johann (links) und Johannes Schäfer im Pandemie-Jahr bei den Mitarbeitern. Übrigens: Der Firmenschriftzug ist noch die Handschrift vom Großvater.

Firmenjubiläum

Limburg: Den Unternehmergeist vom Großvater geerbt

Johann Schäfer machte sich 1920 selbstständig - Heute betreibt "Schäfer Dein Bäcker" 135 Geschäfte

Limburg - 2020 sollte ein Jahr voller Höhepunkte werden: Abschluss der Bauarbeiten am ICE-Gewerbegebiet, Eröffnung der neuen Zentrale mit Backstube und Backstuben-Café - und nicht zuletzt ein großes Geburtstagsfest mit kreativen Ideen bis zum Ende des Jahres mit dem Anlass "100 Jahre Schäfer Dein Bäcker". Das große Fest fiel der Pandemie zum Opfer. Statt zu feiern, hatten die Unternehmer Vater Johannes und Sohn Johann Schäfer alle Hände voll zu tun, gemeinsam mit ihren rund 1400 Mitarbeitern den Umzug und Weiterbetrieb des Unternehmens zu stemmen, sodass trotz der enormen Probleme kein Mitarbeiter wegen Corona entlassen werden musste.

Trotz der schweren Zeit und hohen Auflagen sehen die beiden Bäckermeister vertrauensvoll in die Zukunft. Ihre Kraft, die Zuversicht und die Philosophie haben sie vom Firmengründer geerbt. Auch der Großvater von Johannes Schäfer, ebenfalls ein Johann, dessen Vater Anton im Oberdorf in Elz bereits eine kleine Bäckerei führte, krempelte die Ärmel hoch und machte sich 1920 selbstständig - und das, obwohl er erst ein Jahr zuvor aus der Kriegsgefangenschaft gekommen war. Der 15. August 1920 wurde zu einem denkwürdigen Datum. An diesem Tag heiratete er die Elzerin Berta Friedrich und eröffnete mit ihr in der Rathausstraße 2 sein eigenes Geschäft.

In jener Zeit hieß das Opa-Hans-Brot noch Rundbrot. Zudem gab es Langbrote und Weißbrote. Das Rundbrot kostete 55 Pfennig, das Brötchen vier Pfennig. Auch die beliebten Wasserwecken und Kuchen reichte die wegen ihres großen Herzens überall beliebte und fleißige Berta damals schon über die Ladentheke. Bald war sie nicht mehr allein. Zur Familie gesellten sich drei Mädchen und zwei Buben. Für Margret, Berta Elisabeth und Maria war die Mitarbeit im Laden ganz selbstverständlich, der kleine Karl und der ältere Hans halfen in der Backstube. Vor allem Hans hatte eine kreative Hand für Backwaren, Kuchen und Torten. Für die Bäckergesellen wurde im Haus mitgekocht - es war eine gute Gemeinschaft.

Im letzten Moment in den Keller

Am 7. Januar 1945 hätte das Glück allerdings fast ein abruptes Ende gefunden: Als die Bomben über Elz fielen, fiel auch das Schäferhaus in sich zusammen. Die Familie und die Nachbarn retteten sich in den Keller. Mit dem letzten Schutt, der die Öffnung dann auch verschloss, rutschte Hans, damals 16-jährig, im allerletzten Moment hinterher.

Bald darauf trat er in die väterlichen Fußstapfen. Er wurde Bäcker- und Konditormeister und war vielseitig engagiert. Der Familienbetrieb entwickelte sich zusehends. 1954 eröffnete in Elz das unvergessene "Café Schäfer" auf drei Etagen. 100 Sitzplätze gab es und sogar ein Klavier. 1966 übernahm Hans Schäfer mit Ehefrau Josefine das Unternehmen. Unter seiner Regie wurden zwei kleine Filialen, eine in Limburg, eine in Offheim eröffnet.

Vater und Sohn arbeiten Hand in Hand

Ihr Sohn, Johannes Schäfer und seine damalige Frau Susanne übernahmen 1995 als vierte Bäcker-Generation das Familienunternehmen. Der junge Bäckermeister, Konditor und Betriebswirt im Handwerk modernisierte den Familienbetrieb. "Schäfer Dein Bäcker" machte sich in den kommenden Jahren im Großraum Koblenz, Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt ebenfalls einen guten Namen. Heute betreibt "Schäfer Dein Bäcker" 135 Bäckereifachgeschäfte zwischen Westerburg im Norden und Pfung-stadt im Süden. 2005 zog die Firma in den Elbboden 5-7 nach Limburg und in diesem Frühjahr in den Neubau im ICE-Gebiet.

Mit Sohn Johann, der das Handwerk von der Pike auf gelernt hat, hat Johannes Schäfer seit einigen Jahren einen umsichtigen und begeisterten Partner an seiner Seite. Vater und Sohn haben den Neubau gemeinsam geplant, mit ihnen sind 225 Mitarbeiter in den Neubau gezogen. "Schäfer Dein Bäcker" sorgt also nicht nur für die Brot- und Brötchenspezialitäten auf etlichen Tischen, sondern ist auch der größte Arbeitgeber der Region. Anton Schäfer wäre stolz zu sehen, was die fünfte Bäcker-Generation mit Herzblut, Fleiß, echtem Handwerk und guten Rezepten erreicht hat.

Im Jubiläumsjahr ist Schäfer Dein Bäcker eine der modernsten Handwerksbäckereien Europas. Im 14 000 Quadratmeter großen modernen Gebäude sind Verwaltung, Logistik und Technik, Empfang sowie die Kinder- und Eventbäckerei untergebracht und umschließen die beiden Herzstücke des Gebäudes: Die Backstube und das Backstuben-Café mit seinem großzügigen Außenbereich und über 90 kostenfreien Parkplätzen.

Auch wenn das große Fest ausfallen musste: Im Jubiläumsjahr hat "Schäfer Dein Bäcker trotzdem große Lasten gestemmt und viel Positives erfahren. Der Betrieb wurde kürzlich von "Backtechnik europe" wegen des besonderen Konzepts als "Produktion des Jahres" ausgezeichnet. Hervorgehoben wurden die herausragende Komissionierungs-Logistik, die hohe Qualität, das konsequente soziale Engagement und die in allen Positionen übertarifliche Bezahlung sowie die präzise Organisation trotz Expansion. Und auch in anderen Beziehungen erfuhr Inhaber Johannes Schäfer im Corona-Jahr großes Glück. Genau 100 Jahre nach der Firmengründung, am Hochzeitstag der Großeltern, sagte er auf dem Standesamt Diez "Ja" zu seiner Sabine. Anette in Concas

Firmengründer Johann Schäfer (links) mit seinem Sohn Hans und dem damals vierjährigen heutigen Inhaber Johannes Schäfer.

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