Karl-Heinz Nink war als Fahrer über 500 Mal ehrenamtlich für "Essen auf Rädern" in Limburg unterwegs.
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Karl-Heinz Nink war als Fahrer über 500 Mal ehrenamtlich für "Essen auf Rädern" in Limburg unterwegs.

Ehrenamtliches Engagement

Limburg: "Der Kontakt mit den Kunden war immer bereichernd"

  • VonRobin Klöppel
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Karl-Heinz Nink war über 20 Jahre lang für "Essen auf Rädern" tätig - Jetzt überlässt er es Jüngeren

Limburg -Wer Gutes tut, bekommt oft auch viel Dankbarkeit der Menschen zurück. So wie Karl-Heinz Nink, der über 20 Jahre lang ehrenamtlich "Essen auf Rädern" für das Limburger Wichernstift ausgefahren und erst jetzt mit 83 Jahren aufgehört hat. 504 Mal war er unterwegs, um älteren Menschen aus Limburg und Umgebung ein warmes Mittagessen vorbeizubringen. Das tat er meist an den Wochenenden, wenn andere keine Lust dazu hatten.

Die letzten sieben Jahre bildete er mit Christel Müller aus Nauheim, wie er sagt, ein eingespieltes Team. "Ich hätte es noch ein bisschen weitermachen können", betont der Görgeshäuser, der über 50 Jahre lang als Musiker bei den Elzer Musikanten spielte und früher nebenbei Tanzmusik gemacht hat. Doch mittlerweile täten ihm am Tag nach dem Dienst die Beine weh, "und irgendwann muss es auch mal gut sein".

Im Jahr 2000 hat der frühere Kraftfahrer mit "Essen auf Rädern" angefangen. "Da bin ich in Rente gegangen. Vorher hatte ich einfach nicht die Zeit dazu, mich ehrenamtlich zu betätigen", sagt er. Seine Freunde Heinz Nau und Josef Schäfer aus Görgeshausen, die damals für das Wichernstift "Essen auf Rädern" fuhren, haben ihm die Tätigkeit schmackhaft gemacht. Zunächst fuhr Karl-Heinz Nink mit wechselnden Partnern zwischen 30 und 35 Essen nur in der Kernstadt aus. Zuletzt waren es circa 50 Essen auf seiner Tour, die ihn und seine Partnerin durch die West- und Brückenvorstadt, nach Staffel, Offheim, Dietkirchen, Dehrn, Steeden, Schadeck, Runkel, Ennerich und Eschhofen führten.

Viel Elend gesehen

Während Nink meist fuhr, hat Müller die Essen in die Wohnungen gebracht. Wenn mehrere Essen in einer Wohnanlage beziehungsweise Straße auszuliefern waren, hat Nink auch welche weggebracht. "Für viele ältere Menschen ist das der einzige soziale Kontakt am Tag", berichtet der gelernte Maschinenschlosser. Es gebe Senioren, die nicht mal mehr an die Türe kommen könnten. In solchen Fällen haben die Ausfahrer Wohnungsschlüssel. "Da bekommt man viel Elend mit", erzählt der 83-Jährige. Um 11.30 Uhr sind Christel Müller und er immer in Limburg losgefahren und waren oft drei Stunden lang unterwegs. Als Belohnung gab es dann für sie eine warme Suppe im Wichernstift.

Nink berichtet, dass die Nachfrage nach "Essen auf Rädern" die letzten Jahre sehr gestiegen sei. Obwohl noch andere Dienste in Limburg mobilen Mittagstisch anbieten würden, gebe es alleine beim Wichernstift mittlerweile täglich drei Touren mit jeweils circa 50 Essen. Die Zahl kann von Tag zu Tag variieren, weil nicht jeder täglich mit Essen beliefert werden will. In manchen Orten gebe es nicht mal mehr ein Geschäft, wo sich ältere Leute ohne Auto selbst Lebensmittel kaufen könnten.

Karl-Heinz Nink erzählt: "Wir hatten das Essen in Warmhalteboxen und im Auto eine Standheizung. Von daher war das Essen am Ende der Tour noch wärmer als am Anfang." Eher sei es ein Problem gewesen, dass viele das Essen gerne zur selben Uhrzeit gehabt hätten. "Doch wir können ja nicht überall um 12 Uhr sein", sagt der ehemalige Fahrer.

Der Görgeshäuser hat seine Tätigkeit gerne gemacht: "Man hat als Rentner was zu tun". Der Kontakt mit den Kunden sei für ihn immer sehr bereichernd gewesen. Und man sei dadurch auch in Orte gekommen, in denen man vorher noch nie gewesen sei. "Essen auf Rädern" hat sich, wie Nink berichtet, im Laufe der Zeit geändert. Bevor das Essen im Seniorenzentrum Wichernstift von Mission Leben selbst zubereitet worden sei, habe er das Essen noch im Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus abholen müssen. Früher hätten die Kunden noch vier verschiedene Essen zur Auswahl gehabt. In Coronazeiten sei die Auswahl auf zwei verschiedene Essen am Tag beschränkt, das zweite Angebot sei dabei stets vegetarisch. Und auch die Essgewohnheiten der Senioren haben sich geändert. Je nachdem, welches Gericht angeboten wird, können mittlerweile laut Nink schon mal 50 Prozent der Essen die vegetarisch Variante sein.

Nink bedauert, dass es immer weniger Menschen gebe, die bereit seien, sich ehrenamtlich zu engagieren. Gerade für die Wochenenden und Feiertage würden im Wichernstift noch Ausfahrer gesucht. Und wo isst Karl-Heinz Nink selbst zu Mittag? "Ich gehe oft zu einer meiner Töchter im Ort", so der Rentner. Die gebe ihm dann immer gleich noch was für den nächsten Tag mit. Ansonsten kann Nink immer noch alleine für sich sorgen. Langweilig wird es Karl-Heinz Nink bei drei Kindern und Enkeln nicht. Es gibt auch immer Nachbarn, die Hilfe von ihm brauchen. Wer Interesse hat, in Ninks Fußstapfen zu treten und künftig Essen auszufahren, kann sich im Wichernstift an Caroline Glaab, (0 64 31) 94 75 21, E-Mail: c.glaab@mission-leben.de, wenden.

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