npl_loewe_131020
+
Investor Achim Kramb (links) und Architekt Stephan Dreier vor der aktuellen Baustelle "Goldner Löwe". Das Altstadthaus wird entkernt. fotos: lormann

Bauprojekt

Limburg: Der Kornmarkt erhält ein weiteres Juwel

  • vonBernd Lormann
    schließen

"Goldner Löwe" wird kernsaniert - Geschichte des Hauses geht bis aufs Jahr 1341 zurück

Im Haus arbeiten Handwerker mit Mund- und Nasenschutz in dichtem Staub, tonnenweise werden alte Baumaterialien in Containern entsorgt. Seit dem 1. Oktober wird fieberhaft an der Entkernung eines der ältesten Altstadthäuser gearbeitet, damit dort in etwa eineinhalb Jahren ein weiteres Juwel mit Schmuckfachwerk das mittelalterliche Ensemble am oberen Kornmarkt vervollständigt.

Bis auf das Jahr 1341 ist die Geschichte des Hauses Kornmarkt 7 in der Limburger Altstadt zurück zu verfolgen. Dendrochronologische Untersuchungen an den im Haus verbauten Hölzern bestätigten das Alter. Hauseigentümer Achim Kramb und Architekt Stephan Dreier (Niederbrechen) haben mit der Kernsanierung des Hauses begonnen.

Sowohl der Investor als auch der Architekt sammelten schon reichhaltige Erfahrungen mit der Restaurierung von Altstadtbauten. Für Achim Kramb ist es das vierte Altstadtobjekt. Erst vor wenigen Wochen hat er für die Sanierung und Restaurierung der "Wein- und Bierwirthschaft Schultes" an der Plötze sowohl den hessischen als auch den bundesdeutschen Denkmalpreis erhalten.

Das Gebäude mit der Gastwirtschaft "Goldner Löwe" ist seit dem Jahr 2014 im Besitz von Achim Kramb und wird in der Fachliteratur als altes Patrizieranwesen von hoher stadtgeschichtlicher Bedeutung ausgewiesen.

Fachwerk wird freigelegt

Das Fachwerkhaus mit hohem Erdgeschoss und weit vorspringenden zwei Obergeschossen sowie ausgebautem Dachgeschoss war verputzt. Mit der Restaurierung wird das Fachwerk wieder freigelegt. Wie in der Denkmaltopographie "Stadt Limburg" vom Landesdenkmalamt Hessen nachzulesen ist, lassen die Giebelsilhouette und die weiten Vorkragungen auf die Errichtung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts schließen. Das Institut für Bauforschung und Dokumentation hat im Zuge der Voruntersuchung herausgefunden, dass im Jahr 1581 Umbauten am Dachstuhl und an der Fassade vorgenommen wurden. Die Befensterung der Obergeschosse durch drei verhältnismäßig kleine sowie zwei Doppelfenster ließen vermuten, dass das Fachwerk noch relativ ungestört erhalten sein könnte, so der Kommentar in der Denkmaltopographie.

Aber Architekt Stephan Dreier weist darauf hin, dass große Teile des Fachwerks einschließlich der Zierhölzer im Zuge von Fenstervergrößerungen verändert wurden. Allein die Fachwerkinstandsetzung erfordere einen Kostenaufwand von rund 300 000 Euro. Im ersten Obergeschoss mit Saalgröße ist noch an der oberen Zimmerwand ein malerischer Wandfries aus dem 19. Jahrhundert vorhanden, der auch erhalten werden soll.

Mit Sicherheit stammt der sehr hohe und geräumige Keller mit Tonnengewölbe von dem mittelalterlichen Vorgängerbau. Leider könne dieser Keller, im Gegensatz zum Gewölbe im Weinhaus Schultes, nicht für die Gastronomie verwendet werden. Ein Notausgang oder zweiter Ausgang sei nicht möglich, so dass der Keller nur für private Zwecke zu nutzen sei.

Das Anwesen ist laut Denkmalamt erstmals 1339 urkundlich als Besitz des Rucker von Eschenau d.Ä. erfasst. Mit dem dendrochronologischen Gutachten wird diese Jahreszahl aber in Frage gestellt, denn das aufgeschlagene Holz wird damit auf das Jahr 1341 datiert. In der Denkmaltopographie ist weiter nachzulesen, dass der Bäckermeister Henchin Karpe das Anwesen gegen 1470 erwarb und dort eine Bäckerei einrichtete. Diese wurde von den nachfolgenden Besitzern zwar unterbrochen, aber bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts weiter betrieben. Um das Jahr 1720 dürfte das Haus von dem Vikar Johann Schmitt und seinem Bruder, dem Bäcker Matthias Schmitt, umfassend erneuert worden sein. Diese Schlussfolgerung wird daraus gezogen, weil der Vikar Schmitt im Jahre 1720 um eine neue Steuerschätzung bat. 1856 erwarben Nikolaus Kunz und seine Frau Anna Maria Hensler das Haus und richteten eine Gastwirtschaft ein, die den Namen "Zum goldenen Löwen" erhielt.

Ferienwohnung und Gästezimmer

Investor Achim Kramb möchte am oberen Ende des Kornmarktes mit dem "Goldenen Löwe" auch nach der Restaurierung die Gastronomie hoch halten. Unter dem Namen "Goldner Löwe" soll eine Traditionsgaststätte zu neuem Leben erblühen. Das im Erdgeschoss entstehende Restaurant kann aufgrund des Hallenbaus mit einer Galerie ausgestattet werden. In den beiden Obergeschossen und im Dachgeschoss sollen, ähnlich nach dem Konzept wie im Weinhaus Schultes, eine Ferienwohnung und Gästezimmer eingerichtet werden. Insgesamt stehen für die Nutzung im gesamten Haus 350 Quadratmeter zur Verfügung.

Für das Projekt "Goldener Löwe" haben Investor und Architekt Gesamtkosten von rund 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Das Land Hessen und die Bundesrepublik sind mit Förderungen aus Denkmalschutz-Programmen mit 200 000 Euro dabei, die sich Land und Bund zur Hälfte aufteilen. Damit unterstützen sie Jahrhunderte alte Bauwerke und loben das private Engagement zur Erhaltung historischer Bausubstanz. Von Bernd Lormann

So wird die Fassade in 18 Monaten aussehen. entwurf: dreier
Blick in das erste der beiden Obergeschosse des Hauses Kornmarkt 7. Dort soll eine Ferienwohnung entstehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare