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Limburg: Deutscher Musikrat zeichnet "Sängerdorf" aus

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Von: Stefan Dickmann

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Weit über Lindenholzhausen hinaus bekannt: Eines der letzten Konzerte der "Harmonie" vor Beginn der Pandemie war in Bregenz.
Weit über Lindenholzhausen hinaus bekannt: Eines der letzten Konzerte der "Harmonie" vor Beginn der Pandemie war in Bregenz. © Klaus-Dieter Häring

Im bundesweiten Vergleich wird der mit 20 000 Euro dotierte Zweite Preis verliehen

Lindenholzhausen -Das "Sängerdorf" Lindenholzhausen kann sich über eine besondere Auszeichnung freuen: Weil zwölf Prozent der Bevölkerung als Sängerinnen und Sänger in einem der zwölf Chöre aktiv sind, hat der Deutsche Musikrat den Stadtteil als "Landmusikort" gewürdigt. Nur zehn Kommunen in Deutschland sind in diesem Jahr mit diesem Titel bedacht worden - und Lindenholzhausen bekommt sogar den mit 20 000 Euro dotierten Zweiten Preis.

"Die Auszeichnung als Landmusikort des Jahres kann passender nicht kommen, rechtzeitig zum Jubiläum aus Anlass der ersten urkundlichen Erwähnung Lindenholzhausens vor 1250 Jahren", sagt Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) auf Anfrage. "Jetzt gibt es dort noch mehr zu feiern. Ich freue mich riesig darüber, dass es eine Auszeichnung für den ganzen Ort ist und somit über alle Vereinsgrenzen hinweg." Die Gräben unter einzelnen Chören sollen in der Vergangenheit nach Hahns Angaben durchaus vorhanden gewesen sein. "Mit dem zweiten Preis auf Bundesebene wird deutlich: Gemeinsam erreicht man mehr." Und: Die Bezeichnung ,Sängerdorf' bekommt jetzt noch einmal eine ganz andere Wertschätzung", sagt er.

Die Initiative für die Bewerbung war dabei eine Gemeinschaftsproduktion der beiden großen Gesangvereine in Lindenholzhausen - der "Cäcilia" und der "Harmonie", die schon längst besser harmonieren als dies früher noch der Fall war. Es sei der Vorsitzende der "Cäcilia", Hans Joachim Schupp, gewesen, der den vom Deutschen Musikrat ausgelobten Wettbewerb im Internet ausfindig gemacht habe, berichtet der Vorsitzende der "Harmonie", Manfred Neunzerling. Dessen Stellvertreter Josef Ben Jung erstellte schließlich für alle zwölf Chöre eine Präsentation.

"Ein charakteristisches Merkmal für Lindenholzhausen ist der Chorgesang", heißt es in der Präsentation für die Jury. "So ist bekannt, dass schon bei der Inthronisationsfeier des ersten Limburger Bischofs, Dr. Jakob Brand, am 11. 12. 1827 im St.-Georgs-Dom zu Limburg auch Musiker und Sänger aus Lindenholzhausen mitwirkten." Die Existenz des ersten Chors in Lindenholzhausen gehe zurück in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts und sei für das Jahr 1844 urkundlich belegt. "In den folgenden 178 Jahren haben die Lindenholzhäuser Chöre und ihre musikalischen Leiter das kulturelle Geschehen und das Leben in der dörflichen Gemeinschaft mit heute rund 3300 Einwohnern maßgeblich geprägt."

Schon seit den 1920er-Jahren sei die Bezeichnung "Sängerdorf" bekannt. "Man sprach in der Limburger Region damals auch von den ,Sportsängern' aus Lindenholzhausen und meinte damit die besonders gut geschulten Stimmen der Sänger."

Neue Hollesser Hymne wird gesungen

Die Lindenholzhäuser Chöre seien vielfache Teilnehmer bei hessischen und nationalen Chorwettbewerben und hätten dort viele Preise errungen. "Die Chöre betreiben eine aktive Nachwuchsförderung durch ihre Kinder- und Jugendchöre sowie durch die musikalische Früherziehung in Kooperation mit der Kreismusikschule Limburg."

Und schließlich sei Lindenholzhausen weltweit bekannt durch seine Chorfestivals, insbesondere durch das seit 40 Jahren bestehende internationale "Harmonie"-Festival und den internationalen Männerchorwettbewerb, an den bis heute mehr als 1600 Gastchöre und Folkloregruppen aus aller Welt teilgenommen hätten.

Von den rund 3300 Einwohner gehören nach Jungs Angaben annähernd 400 Frauen, Kinder und Männer in den zwölf Chören an. Die stehen übrigens zum Auftakt der viertägigen Jubiläumsfeier nachmittags am Donnerstag, 26. Mai, auf der Bühne und werden vor Beginn eines gemeinsamen, rund zweistündigen Konzerts zusammen mit Schulkindern "Ein Lied für Hollesse" singen. Den dreistrophigen Text hat Rita Rompel geschrieben und Georg Hilfrich vertont.

Der mit 30 000 Euro dotierte erste Bundespreis geht an den Ort Ötigheim, eine Gemeinde in Baden-Württemberg, deren generationenübergreifendes Angebot die Jury des Musikrats ebenfalls beeindruckt hat. Über den Dritten Preis (10 000 Euro) freut sich die Hansestadt Demmin in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Preisverleihung und Übergabe der Plakette "Landmusikort des Jahres 2022" findet nach Angaben des Deutschen Musikrats im Sommer in den jeweiligen Orten statt.

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