Solche Gruppen von Wanderern sieht man immer seltener auf den IVV-Veranstaltungen.
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Solche Gruppen von Wanderern sieht man immer seltener auf den IVV-Veranstaltungen.

Immer weniger Wanderer

Limburg: Die Corona-Pandemie setzt Volkswanderern zu

  • VonRobin Klöppel
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Nur noch 500 Aktive gingen am Wochenende beim TuS mit

Dietkirchen -Die Corona-Pandemie hat den ohnehin schon seit Jahren durch stark abnehmende Teilnehmerzahlen gebeutelten Veranstaltern von Volkswandertagen gar nicht gutgetan. Das war am Wochenende bei den Volkswandertagen der Wanderfreunde des TuS Dietkirchen deutlich zu sehen, wo gerade mal um die 500 Aktive auf die Strecken über sieben und elf Kilometer gingen. Das sind weniger als die Hälfte als bei Wanderungen des TuS in den letzten Jahren vor der Pandemie. "Wir sind trotzdem zufrieden", sagte gestern TuS-Abteilungsleiter Karl-Heinz Flach. Immerhin seien 130 Wanderer mehr gekommen als im September 2020.

Da der Start- und Zielbereich auf dem TuS-Vereinsgelände liege, habe der Verein keine hohen Kosten und immer noch einen Gewinn. Dennoch stimmt es ein wenig traurig, wenn man die großen Bemühungen von Flach und seinen 40 Helfern und auf der anderen Seite das geringe Interesse der jungen Generationen sieht. Corona hat sich bei den Volkswanderern als "Brandbeschleuniger" eines Abwärtstrends erwiesen. Denn von den älteren Stammwanderern blieben viele immer noch weg, so Flach.

Ja, jüngere Generationen gehen durchaus auch begeistert wandern, wahrscheinlich seit Beginn der Pandemie, als viele andere Freizeitmöglichkeiten erst einmal wegfielen, noch mehr als früher. Doch offenbar gehen sie mit ihren Familien und Freunden lieber eine der vielen ausgeschilderten Strecken auf eigene Faust, statt sich einem Verein anzuschließen. Dabei hat Volkswandern durchaus auch seine Vorteile gegenüber dem individuellen Wandern, wie Gespräche mit Teilnehmern ergeben. Vor allem, dass man hier über die Jahre viele neue Freunde kennenlernt.

Die Wanderfreunde des TuS Dietkirchen hatten auch wieder alles hervorragend organisiert, was auch Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und TuS-Vorsitzender Ulrich Schmitt sehr lobten. Es gab sehr schöne Strecken an der Lahn entlang Richtung Dehrn und eine längere Route über Steeden, den Ennericher Wald und dann über Eschhofen und die Fußgängerbrücke nach Dietkirchen zurück. Im Zielbereich am TuS-Sportplatz angekommen, lohnte es sich, bei Essen und Trinken zu volkstümlichen Preisen ein Stündchen draußen oder im Zelt zu Verweilen und die Kontakte mit Kollegen zu pflegen.

Von daher kann man Menschen aus Limburg und dem Umland, die gerne wandern, nur empfehlen, bei den nächsten Volkswandertagen dem TuS Dietkirchen mal eine Chance zu geben. Man muss ja deswegen nicht gleich in den Verein eintreten und jede Woche volkswandern gehen, wie es der harte Kern vom alten Schlag immer noch macht - und selbst wenn er dafür fast zwei Stunden mit dem Auto nach Limburg fahren muss.

Christoph Rieger beispielsweise ist extra aus Bad Orb nach Dietkirchen gekommen, wie er sagt. 1979 habe ihn sein Patenonkel mit 14 Jahren das erste Mal mit zum Wandern genommen. 2400 Wanderungen hat er mittlerweile bestritten, dabei um die 45 000 Kilometer gewandert. Seine längste Einzelstrecke waren mal 80 Kilometer beim Kennedy-Marsch in den Niederlanden. Warum er Volkswanderungen bevorzugt? "Man trifft Bekannte unterwegs", sagt Christoph Rieger. Zum anderen sei es schön, dass man unterwegs an den Kontrollstellen überall was zu essen und zu trinken kriege, was er nicht habe, wenn er alleine mit seiner Lebensgefährtin wandern gehe.

Neue Gegenden kennenlernen

Karl Debus von den Natur- und Wanderfreunden Hahnstätten kommt immer, wenn in der Umgebung Wanderungen angeboten werden. Lange Autofahren mag er nicht mehr, aber wenn es Bustouren zu Wanderungen gibt, sind er und seine Frau Karin gerne dabei. "Das Schöne ist, beim Wandern mal neue Gegenden kennenzulernen", sagt Karl Debus. Der zweite Aspekt bei Volkswanderungen sei die Geselligkeit, weil man auf jeder Veranstaltung bekannte Gesichter treffe. Der Kördorfer Martin Holzhäuser von den Wanderfreunden Einrich sieht das ähnlich. Er fährt mit seinem Frau Carmen zu fast jeder erreichbaren Veranstaltung, die angeboten wird, teilweise bis nach Franken und ins Saarland. Dietkirchen ist aber erst seine zweite Wanderung seit Corona-Ausbruch. Die Wegeführung in Dietkirchen habe ihm sehr gefallen, berichtet Holzhäuser. Warum Volkswandern? "Man lernt da Leute aus ganz Deutschland kennen und trifft sie immer wieder".

Karl-Heinz Flach ging es ähnlich. Nachdem er mit Freunden 1984 bei einer Volkswanderung in Bad Marienberg war, saß die Gruppe anschließend noch bei ein paar Bierchen zusammen. Dabei wurde der Entschluss gefasst, in Dietkirchen eine Wanderabteilung im TuS zu gründen. Mittlerweile gab es in Dietkirchen 83 Wanderungen. "Die Wanderer sind eine gute Werbung für unseren Verein", weiß TuS-Vorsitzender Schmitt.

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