Wenn vom Sorgenkind Grabenstraße die Rede ist, dann geht es vor allem um den Abschnitt, der in Höhe der Einmündung Diezer Straße (links) beginnt. Ein zu schmaler Gehweg, nur wenig ansprechende Hausfassaden und kein Blumenschmuck schrecken viele Passanten ab.
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Wenn vom Sorgenkind Grabenstraße die Rede ist, dann geht es vor allem um den Abschnitt, der in Höhe der Einmündung Diezer Straße (links) beginnt. Ein zu schmaler Gehweg, nur wenig ansprechende Hausfassaden und kein Blumenschmuck schrecken viele Passanten ab.

Erscheinungsbild in der Kritik

Limburg: Die Grabenstraße soll aufgewertet werden

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Umfrage zeigt die Defizite der früheren Haupteinkaufsstraße der Domstadt deutlich auf.

Limburg -Viele Leerstände und ein tristes Erscheinungsbild - Teile der Grabenstraße erinnern nur noch entfernt an die einstige Haupteinkaufsstraße von Limburg. Nach einer Bürgerumfrage zum Zustand der Grabenstraße fand der Wirtschaftsförderer der Stadt, Andreas Hasenstab, deutliche Worte, als er im städtischen Wirtschaftsausschuss am Dienstagabend in der Clubebene der Stadthalle den Abschnitt ab der Einmündung Diezer Straße in Höhe des früheren Schuhhauses Lanz in Richtung Dr.-Wolff-Straße so beschrieb: "Da beginnt die dunkle Seite der Grabenstraße."

Hasenstab beschäftigt sich seit eineinhalb Jahren mit den Leerständen in der Innenstadt, wobei die Grabenstraße als größtes Sorgenkind im Mittelpunkt steht. Im Ausschuss präsentierte er die Ergebnisse einer Umfrage unter rund 2200 Bürgern, von denen nach eigenen Angaben rund 60 Prozent in Limburg wohnen. Die Beschwerden aller Befragten, von denen die große Mehrheit zwischen 26 Jahren und 65 Jahren alt ist, über den Zustand der Grabenstraße begännen ab dem Schuhhaus Lanz, verdeutlichte Hasenstab im Ausschuss.

City-Manager für

die Innenstadt geplant

Die mit Abstand schlechteste Schulnote vergaben die Befragten für die "Aufenthaltsqualität" in der Grabenstraße: Mit einer 4,6 ist die Versetzung stark gefährdet. Die "Angebotsvielfalt" (4,4) und die "Einkaufsatmosphäre" (4,3) schnitten kaum besser ab.

Dabei hat die Grabenstraße durchaus Potenzial - dank ihrer zentralen Lage und guten Erreichbarkeit sowie als Bindeglied zwischen der Alt- und Neustadt. Aber lange aufhalten will sich in dem Problemabschnitt zwischen Diezer Straße und Dr.-Wolff-Straße eben niemand.

Den mit Abstand größten Verbesserungsbedarf sehen die Befragten im Erscheinungsbild der Grabenstraße. Mehr Blumen und Pflanzen werden ebenso gewünscht wie eine höhere Sauberkeit und breitere Gehwege. Die Ansiedlung neuer Geschäfte wird ausdrücklich erhofft, auch eine Umwandlung in eine Fußgängerzone sehen viele positiv.

Wie geht es nun weiter? Nach der Sommerpause will die Verwaltung ein Konzept vorlegen, mit welchen Maßnahmen die Grabenstraße attraktiver werden kann. Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) kündigte dazu eine Bürgerinformation an und versprach, mit den Hauseigentümern weiterhin im Gespräch zu bleiben. Die hatte die Stadt schon vor einigen Jahren ins Boot holen wollen mit Hilfe eines Landesförderprogramms, aber weil eine zu große Minderheit am Ende nicht mitmachen wollte, scheiterte der Versuch, die Eigentümer zu Investitionen zu bewegen, um die Grabenstraße attraktiver zu machen. Außerdem zeichnet sich die Einstellung eines City-Managers in der Stadtverwaltung im kommenden Jahr ab. Wirtschaftsförderer Hasenstab plädiert für mindestens eine halbe Stelle in der Stadtverwaltung. "Wir müssen der Entwicklung der Innenstadt viel mehr Zeit widmen", sagte er im Ausschuss; von ihm allein sei das nebenher nicht zu schaffen. Auch der Bürgermeister plädiert für einen City-Manager. Unterstützung signalisierte in dieser Frage der Vorsitzende des Ausschusses, Dominique Huth (CDU) - CDU und SPD bilden eine Koalition und haben eine Mehrheit.

Nicht durchdringen mit seiner Kritik konnte der Fraktionssprecher der Grünen, Dr. Sebastian Schaub, als er betonte, das deutsche Wort für City-Manager sei doch Bürgermeister. Er lobte zwar die Untersuchung, aber: "Wir packen viel an, führen aber zu wenig zu Ende." So vermisse er zum Beispiel ein klares Fußgängerkonzept in der Innenstadt und warb dafür, die Stadt im Hinblick auf den Verkehr "neu zu denken". Sowohl der Bürgermeister als auch SPD-Fraktionschef Peter Rompf wiesen zum einen diese Kritik zurück und zum anderen auf den Masterplan Mobilität hin - mit seinen zahlreichen konkreten Vorschlägen zur Förderung des Fußgängerverkehrs.

Neumarkt wichtiger

als Graupfortstraße

Die Stadtverwaltung und die Stadtverordneten haben aber nicht nur die Grabenstraße im Blick: Auch der Neumarkt soll aufgewertet werden. Aus dem Fördertopf "Aktive Kernbereiche", mit dem die Neugestaltung der Fußgängerzone finanziert worden war, stünden noch 1,5 Millionen Euro zur Verfügung, sagte der Bürgermeister. Damit könnten sowohl kurzfristige Maßnahmen wie zum Beispiel mehr Sitzbänke auf dem Neumarkt finanziert werden als auch mittelfristige Maßnahmen wie der Umbau des Kiosks und der Modernisierung der Toilettenanlage auf dem Neumarkt und dem daneben liegenden Imbiss.

Der ursprüngliche Plan der Stadt - allerdings noch vor der Pandemie - mit den Fördergeldern "Aktive Kernbereiche" noch vor dem Neumarkt die Graupfortstraße umzugestalten, werde von der Stadt nicht mehr verfolgt, teilte Hahn im Ausschuss mit.

Die Stadt bemühe sich zur Stärkung der Innenstadt zusätzlich um Fördergelder aus dem neuem Landesprogramm "Zukunft Innenstadt" und strebe auch Unterstützung durch das vom Bundeswirtschaftsministerium aufgelegte Programm "Smart Cities" an, mit dem die Digitalisierung in den Innenstädten vorangetrieben werden soll.

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