1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Limburg: Die Sonnenuhr zählt die heiteren Stunden nur

Erstellt:

Kommentare

Dieses Bild zeigt den Brückenturm 1910, der damals - ebenso wie der Dom - noch nicht verputzt war. Bei den Gebäuden links neben dem Turm handelte es sich um die Burkhardt'sche Mühle, eine Knochen-, Loh- und Mineralmühle. Auf der Brücke ragt rechts neben einer mächtigen Silberpappel der Turm des ehemaligen Schlachthofs heraus.
Dieses Bild zeigt den Brückenturm 1910, der damals - ebenso wie der Dom - noch nicht verputzt war. Bei den Gebäuden links neben dem Turm handelte es sich um die Burkhardt'sche Mühle, eine Knochen-, Loh- und Mineralmühle. Auf der Brücke ragt rechts neben einer mächtigen Silberpappel der Turm des ehemaligen Schlachthofs heraus. © Stadtarchiv Limburg

Vielleicht bekommt der Turm während der Brückensanierung einen neuen Anstrich.

Limburg -Die Alte Lahnbrücke in Limburg wird von Montag an saniert und für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Schon vorher hat unser vergleichender Rückblick auf den Limburger Brückenturm Mitte der 1930er Jahre und heute zahlreiche Leserinnen und Leser beschäftigt. Ein Mitbürger fragte nach der Sonnenuhr, die sich auf der Südseite des Bauwerks auf etwa zehn Metern Höhe zwischen den beiden unteren Fenstern befindet. Laut Mitteilung aus dem Stadtarchiv stammt diese aus dem Jahr 1543. Damals wurde der Turm gründlich erneuert und zur heutigen Größe aufgestockt.

In jener Zeit war der Brückenturm fast 200 Jahre alt. "Vor ihm, zwischen dem ersten und zweiten Brückenpfeiler befand sich eine aufziehbare hölzerne Zugbrücke, die selbst wiederum mit einem Palisadenzaun nebst Tor gesichert war. Die Sicherung der Brücke und des Turmes war so gut, dass sie in den Fehden des 14. und 15. Jahrhunderts nie eingenommen worden sind", berichtet Monika Jung, Mitarbeiterin des Stadtarchivs, auf Anfrage.

Im Gegensatz zu einer Horizontalsonnenuhr handelt es sich am Brückenturm um eine vertikale Ausführung mit senkrechtem Zifferblatt. Es ist keine Ganztagesuhr. Von der Sonne beschienen zeigt sie maximal elf Stunden an. Solche Zeitmesser wie am Brückenturm dienten zumeist der Verschönerung freier Gebäudewände, sind aber im Laufe der Jahrhunderte aus der Mode gekommen.

Wehrturm, Fruchtspeicher

und Gefängnis

Mit der Erneuerung 1543 wurde auf der Süd- und Nordseite des Brückenturms das Isenburger Limburger Stadtwappen angebracht. Es zeigt einen weiß-rot geschachteten Doppelbalken, bestreut oben und unten mit je sieben hellen Schindeln. Als der Turm nicht mehr als Wehrturm gebraucht wurde, verpachtete ihn die Stadt ab 1660 als Fruchtspeicher. Von 1835 bis 1907 befanden sich in dem Gebäude das Amtsgefängnis und die Wohnung des Amtsdieners. Als die Stadt das Amtsgefängnis und eine Wohnung für den Amtsdiener einrichtete, entstand aus dem vormals steilen Dach das heutige flache Walmdach mit kleinem Dreiecksgiebel.

Häftlinge erreichten einst über 25 Steinstufen das Kittchen. "Drei Zellen mit original erhaltenen Türen sind rein historisch und denkmalgeschützt", sagt Altlandrat Dr. Manfred Fluck, der den seit 2004 leerstehenden Brückenturm 2013 von der Stadt auf 99 Jahre in Erbpacht übernommen und hinter den dicken Mauern zwei Etagen zu Wohnzwecken umgebaut sowie einen seitlich gelegenen Aufzug eingebaut hat.

In einer Zelle des ehemaligen Gefängnisses, in der es weder Licht noch Wasser, wohl aber einen gusseisernen Kanonenofen gab, sind noch der Ofen und die original Schlafpritsche erhalten, auf der Gefangene auf Strohsäcken und mit Fußfesseln nächtigten. Zwei Häftlinge verewigten sich durch einritzten ins Pritschenholz. "Atam Uncelbach" ist dort zu lesen und "Florian Rumpf aus Hasselbach 1867 hat 11 Tage".

Für die Stadt die

größte Einnahmequelle

Der Turm der Alten Lahnbrücke atmet Geschichte und ist sagenumwoben. Bereits im Jahr 1341 rügte König Ludwig der Bayer die Stadt, weil sie ohne seine Genehmigung einen Brückenzoll erhoben hatte. Erst 1357 gewährte Kaiser Karl IV. der Stadt das Zollrecht. Für mehr als ein halbes Jahrtausend bildete dieser Zoll für Limburg eine erhebliche, lange Zeit sogar die größte Einnahmequelle.

"Die Brücke war wesentlich am Reichtum der Stadt und ihrer Bürger beteiligt. Über sie führten fast alle wichtigen Straßen der Region und die Fernstraße Antwerpen - Byzanz", berichtet der Chronist Eugen Stille. Erst 1905, als in Staffel eine Lahnbrücke mit kostenfreier Benutzung erbaut worden war, wurde der Brückenzoll an der Alten Lahnbrücke aufgehoben. Die Lahntal-Eisenbahnstrecke tat das übrige.

Die Alte Lahnbrücke und der Brückenturm bilden eine bauliche Einheit. Lange Jahre war der Kreis als Baulastträger für die Unterhaltung des denkmalgeschützten Ensembles zuständig. Mit der Änderung des Hessischen Straßengesetzes ging die Verantwortung am 1. September 2009 auf die Stadt Limburg über, die nun vom 11. April an - voraussichtlich bis Ende November - für 1,3 Millionen Euro mit der Sanierung der Brücke befasst ist. Manfred Fluck, der Herr des Brückenturms, erwägt eine farbliche Neugestaltung der Außenfassade.

Parallelen zum Jahr 1966 tun sich auf. Als die Alte Lahnbrücke damals für mehrere Tage gesperrt wurde, nahm das die Stadt zum Anlass, das Bauwerk für 26 200 Mark zu verputzen und mit einem weißen Anstrich zu versehen. Zu diesem Zweck war der Turm bis zum März des Folgejahres eingerüstet. Die vor 55 Jahren erledigten Arbeiten beinhalteten auch die Renovierung der Sonnenuhr, die als Schmuckstück fein herausgearbeitet wurde.

Damit die Sonnenuhr korrekt anzeigt, was die Stunde geschlagen hat, wurde eigens eine ehrenamtlich tätige Kommission berufen, die mit der Konkurrenz am Handgelenk jeweils die vollen Stunden mit Strichen an der Wand anzeichnete, wonach ein Künstler römische Ziffern für das Auge weithin sichtbar mit Farbe fixierte. Seitdem zählt die Uhr von IX (9 Uhr) bis VII (19 Uhr) die Stunden über dem bunt herausgeholten Wappen. Die letzte Renovierung des Turmes fand 1982/83 statt. Dieter Fluck

Auch interessant

Kommentare