Der Sprecher der Bürgerinitiative in Offheim, Florian Brechtel, steht an einem Feld, das bis zu der Stromleitung im Hintergrund zum Naherholungsgebiet werden soll.
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Der Sprecher der Bürgerinitiative in Offheim, Florian Brechtel, steht an einem Feld, das bis zu der Stromleitung im Hintergrund zum Naherholungsgebiet werden soll.

Interview

Limburg: Die Wirtschaft fördern, nicht nur einzelne Unternehmen

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Der Sprecher der Bürgerinitiative, Florian Brechtel, über seine Kritik an neuen Gewerbeflächen im Ort

Offheim -Die von der Stadt Limburg in Aussicht gestellte Fläche für ein Naherholungsgebiet in Offheim direkt am Sportplatz reicht der Bürgerinitiative nicht aus; sie sei zu klein. Das erklärt deren Sprecher Florian Brechtel im Gespräch mit dieser Zeitung. NNP-Redakteur Stefan Dickmann sprach mit ihm über die Sorge, der Dehrner Weg könne zu einer offiziellen Abkürzung in die Ortsmitte werden und über seine Rolle im Wirtschaftsrat der CDU.

Wie will Ihre Bürgerinitiative die Erweiterung des Gewerbegebiets "Nördlich der Kapellenstraße" in Offheim noch verhindern?

FLORIAN BRECHTEL: Ich gebe zu, dass das sehr schwer wird. Wir sind als Bürgerinitiative nicht naiv. Wir wissen, dass in den vergangenen Jahren schon Fakten geschaffen worden sind, und die Stadt auf der vorgesehenen Erweiterungsfläche, die noch von der Landwirtschaft genutzt wird, 85 Prozent aller Grundstücke erworben hat. Unsere Strategie muss es also sein, den Druck aufrecht zu erhalten und uns für ein maximales Mitspracherecht der Bürger in Offheim einzusetzen, die zu Recht der Meinung sind, dass wir hier schon jetzt viel zu viel Gewerbe haben - vor allem, wenn man uns mit den anderen Limburger Stadtteilen vergleicht. Weder Dietkirchen noch Ahlbach, weder Eschhofen noch Lindenholzhausen, weder Linter noch Staffel mussten bislang mehr Gewerbeflächen zur Verfügung stellen als Offheim. Das ist nicht in Ordnung.

Zum Ausgleich für die Gewerbeflächen soll Offheim ein Naherholungsgebiet bekommen. Sind Sie mit den vorgelegten Plänen nicht zufrieden?

Mit dem Konzept, Flächen zum Verweilen und zur Freizeitgestaltung sowie zum Spazierengehen und Radfahren zu schaffen, sind wir natürlich einverstanden. Aber mit der Lage und der Größe des Naherholungsgebiets sind wir nicht zufrieden. Die Stadt macht es sich aus unserer Sicht zu leicht. Die vorgesehenen 6,5 Hektar zwischen dem Sportplatz und der Stromtrasse können doch ohnehin nicht bebaut werden. Der Stadt geht es vor allem darum, mit dem neuen Naherholungsgebiet eine gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichfläche zu bekommen für die Erweiterung des Gewerbegebiets. Es geht also eben nicht darum, eine Naherholung für das schon vorhandene Gewerbe zu schaffen. Dessen sollte sich jeder bewusst sein.

Schlagen Sie einen anderen Standort für die Naherholung in Offheim vor?

Es wäre schön, wenn es dafür noch Alternativflächen gäbe, aber Offheim ist schon von Gewerbeflächen umzingelt. Nein, das geplante Naherholungsgebiet kann nur noch am Sportplatz entstehen, aber es muss deutlich größer und Richtung B 49 erweitert werden. Und zwar auch, um dadurch einen Puffer zum Gewerbegebiet zu schaffen. Wir werden vielleicht nicht in Gänze verhindern können, dass sich dort noch mehr Unternehmen ansiedeln, aber es dürfen nicht so viele sein, wie die Stadt es gerne hätte. Die wichtige Luftschneise auf der vorgesehenen Erweiterungsfläche ist für uns ein Thema, die Feldlerche, der Vogel des Jahres 2019 des Nabu, lebt dort. Insofern schließen wir eine Klage gegen den Bebauungsplan als letztes Mittel nicht aus.

Sie sind doch selbst Unternehmer. Wer, wenn nicht Sie, sollte Verständnis für die Schaffung von Gewerbeflächen haben?

Die Bürgerinitiative und ich haben überhaupt nichts gegen wirtschaftliches Wachstum. Ich kann jeden Landwirt verstehen, der seine Flächen für gutes Geld verkauft, weil er an seine Familie denkt. Und ich weiß sehr wohl, dass die infrage kommenden Gewerbeflächen in Offheim direkt an der B 49 Filetstücke sind, über die sich jeder Unternehmer freut. Aber ich erwarte von einer Stadt wie Limburg eine Wirtschaftsförderung und keine Unternehmensförderung. Egal, wer bislang Bürgermeister war, es läuft in Limburg so: Ein Unternehmen will sich in Limburg ansiedeln, und dann wird alles dafür getan, im Zweifelsfall werden neue Gewerbeflächen ausgewiesen. Eine Stadt sollte aber auch Nein sagen können und dürfen und sich gut überlegen, welche Unternehmen sie ansiedeln möchte.

Wenn es zu der Erweiterung kommt, soll an der B 49 eine neue Auf- und Zufahrt zum Gewerbegebiet "Nördlich der Kapellenstraße" kommen. Das würde die stark befahrene Kapellenstraße entlasten. Das müsste doch in Ihrem Sinne sein.

Ja und nein. Denn wir fragen uns als Bürgerinitiative schon, was dann mit dem Dehrner Weg passiert, der durch die neue Abfahrt wieder verkehrlich aufgewertet werden könnte, was aber verhindert werden muss. Der Dehrner Weg war einmal eine Kreisstraße, aber mittlerweile hat er nur noch den Status eines Wirtschaftswegs. Trotzdem fahren nach einer aktuellen Verkehrszählung dort jeden Tag 1000 Fahrzeuge, und Fußgänger werden dort mitunter von Autofahrern beschimpft, was ein Unding ist. Vor dem Bau einer neuen Offheimer Abfahrt von der B 49 ins Gewerbegebiet muss genau untersucht werden, welche Auswirkungen das auf den gesamten Verkehr in Offheim hat. Der Dehrner Weg darf keine offizielle Abkürzung in Richtung Ortsmitte von Offheim werden.

Sie sind Mitglied im erweiterten Vorstand des CDU-Wirtschaftsrats, der sich mehrfach für die Erweiterung des Gewerbe-gebiets "Nördlich der Kapellenstraße" ausgesprochen hat. Warum hören Ihre Mitstreiter nicht auf Sie?

Ich muss Sie korrigieren. Seit der Jahreshauptversammlung vor einigen Tagen bin ich nicht mehr im erweiterten Vorstand, obwohl ich dafür kandidiert habe. Ich bin abgewählt worden. Ich bleibe aber Mitglied im Wirtschaftsrat, werde dort weiterhin versuchen, ein Korrektiv zu sein und werde weiter dagegenhalten. Wenn ein Unternehmer in Limburg in einem Gewerbegebiet arbeitet, früh morgens ins Büro fährt und am späten Abend wieder nach Hause, wo er im Grünen wohnt mit einem Ausblick auf eine Pferdekoppel, gönne ich ihm das von Herzen, aber ich wohne in Offheim und habe da nun einmal eine andere Betroffenheit. Ich sehe einfach, wie die Gewerbeflächen immer weiter an die Wohnbebauung heranrücken. Das muss endlich aufhören.

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