Vor dem umgebauten Krankenwagen, mit dem Schwerstkranke transportiert werden, um ihnen ihren letzten Wunsch zu erfüllen, stehen: (von links) der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn, der künftige Lions-Präsident Limburg-Domstadt, Stephan Schmidt, der amtierende Lions-Präsident Dirk Joeres, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich als Schirmherr der Aktion, der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, Manfred Michel, sowie dessen Stellvertreter Helmut Petri und vom Palliativnetzwerk Limburg-Weilburg Vorsitzender Peter Jefremow.
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Vor dem umgebauten Krankenwagen, mit dem Schwerstkranke transportiert werden, um ihnen ihren letzten Wunsch zu erfüllen, stehen: (von links) der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn, der künftige Lions-Präsident Limburg-Domstadt, Stephan Schmidt, der amtierende Lions-Präsident Dirk Joeres, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich als Schirmherr der Aktion, der Vorsitzende des DRK-Kreisverbands, Manfred Michel, sowie dessen Stellvertreter Helmut Petri und vom Palliativnetzwerk Limburg-Weilburg Vorsitzender Peter Jefremow.

Soziales Engagement

Limburg: Mit diesem Wagen werden letzte Wünsche wahr

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Lions Club und Deutsches Rotes Kreuz starten Aktion für Schwerstkranke.

Limburg -Am Ende eines langen Lebens sind die Wünsche klein, aber die Gefühle groß, die ein erfüllter Wunsch bei Menschen auslöst, die den Tod direkt vor Augen haben, weil sie unheilbar krank sind. Sie wollen zum Beispiel noch einmal auf der Parkbank an der Lahn sitzen, weil sie symbolisch für den Beginn ihrer Ehe steht. Oder sie wollen noch einmal zu Hause mit ihrer Modelleisenbahn spielen, die sie sich über Jahrzehnte mit viel Liebe und Leidenschaft aufgebaut haben. Und manchmal wollen sie einfach nur noch einmal in den Supermarkt, weil er für das alltägliche Leben steht, das bald zu Ende geht.

Christiane Stahl, die Leiterin des Hospizes Anavena, nennt im Gespräch mit dieser Zeitung diese letzten Wünsche von Menschen, die bald sterben werden. Sie ist gestern zum Deutschen Roten Kreuz (DRK) nach Limburg gekommen, weil der Lions Club Limburg-Domstadt dort sein gemeinsames Projekt mit dem DRK "Wünsche werden wahr" vorgestellt hat. Es soll am 1. Juli starten.

Das für die Betroffenen kostenfreie Angebot richtet sich an Menschen, die entweder im Hospiz leben, auf einer Palliativstation untergebracht sind, in einem Pflege- oder Altenheim wohnen oder ihre letzten Lebenswochen zu Hause verbringen. Diese unheilbar kranken Menschen können ihre letzten Wünsche unter www.wuensche-werden-wahr.com im Internet äußern. Das DRK Limburg und der Lions Club organisieren dann "zeitnah" - das Ziel ist nach den Worten des Zweiten DRK-Kreisvorsitzenden Helmut Petri innerhalb einer Woche - eine Fahrt mit einem umgebauten Krankenwagen zu einen Ort, den diese Menschen unbedingt noch einmal sehen wollen. Aber auch Besuche von Verwandten, von Kulturveranstaltungen, zu Sehenswürdigkeiten oder ein Ausflug sind möglich.

Budget über 55 000 Euro

für drei Jahre

Laut Mitteilung sollen jedes Jahr rund 40 sterbenskranke Menschen dieses Angebot wahrnehmen können. Von zwei Fahrten im Monat geht - Stand heute - Petri aus. Ob es mehr werden können - eine Fahrt pro Woche - hänge zum einen von genügend Personalkapazitäten und zum anderen von der Finanzierung ab. Für die ersten drei Jahre plant der Lions Club nach eigenen Angaben mit einem Budget von rund 55 000 Euro. "Wir freuen uns über weitere Spenden", sagte Lions-Präsident Dirk Joeres. Petri warb für ehrenamtliches Engagement. Das DRK schule interessierte Menschen, damit sie als Helfer im "Wünsche werden wahr"-Wagen mitfahren.

Damit der Transport sicher und möglichst angenehm ist, werden Ziele im Umkreis von bis zu 250 Kilometern angefahren. Das Angebot beschränkt sich nach Petris Angaben auf Menschen, die im Landkreis Limburg-Weilburg wohnen. Es ist, wie Joeres, erklärte, zunächst auf drei Jahre beschränkt, kann aber, bei einem entsprechenden Erfolg und einer gesicherten Finanzierung auch verlängert werden.

Die Betroffenen dürfen im Krankenwagen eine Begleitperson mitnehmen. Die Schwerstkranken können in dem "Wünsche werden wahr"-Wagen sowohl liegend als auch sitzend transportiert werden. Sie können während der Fahrt - anders als in einem normalen Krankenwagen - aus dem Fenster hinaussehen. Hinten haben noch zwei weitere Personen Platz - bei Bedarf ein Arzt sowie ein Helfer des DRK. Vorne neben dem Fahrer kann die Begleitperson Platz nehmen.

Lions-Präsident Joeres machte gestern deutlich, dass es in Hessen seines Wissens nur zwei weitere Fahrzeuge gebe, die ein ähnliches Angebot bieten können. "Mit Geld kann man vieles kaufen, aber nicht alles", sagte er. Die Wünsche sterbenskranker Menschen seien etwas Besonderes. "Die Qualität einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit dem Tod umgeht", sagte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU). Der in Limburg geborene und in Hadamar zur Schule gegangene Politiker ist Schirmherr des gemeinsamen Projekts von Lions und DRK.

Großes Lob für das Projekt gab es von Ex-Landrat Manfred Michel in seiner Funktion als Vorsitzender des DRK-Kreisverbands, Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD, "Ein tolles Zeichen der Mitmenschlichkeit") und dem Vorsitzenden des Palliativnetzwerks Limburg-Weilburg, Peter Jefremow ("Einmalig für die Region").

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