Fegen, fegen, immer wieder fegen: Die Nachbarn Heinz Muth (81, links) und Werner Burggraf (73) im Gartenweg in Dietkirchen ärgern sich schon seit 40 Jahren über den regelmäßigen Abwurf der vier Lindenbäume vor ihren Häusern und in ihren Gärten.
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Fegen, fegen, immer wieder fegen: Die Nachbarn Heinz Muth (81, links) und Werner Burggraf (73) im Gartenweg in Dietkirchen ärgern sich schon seit 40 Jahren über den regelmäßigen Abwurf der vier Lindenbäume vor ihren Häusern und in ihren Gärten.

Streit schwelt seit 40 Jahren

Limburg: Streit wegen vier Bäumen zwischen Anwohnern und Stadt

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
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Vier Linden im Gartenweg in Dietkirchen nerven seit 40 Jahren die Anwohnerschaft. Die Bäume machen das ganze Jahr über viel Arbeit, doch die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf.

  • Vier Linden sorgen in Limburg-Dietkirchen für Ärger.
  • Die Anwohner sind über den Abwurf der Bäume verärgert.
  • Die Stadt sieht bei den Linden keinen Handlungsbedarf.

Limburg - Lyriker lieben Linden. "Seh' ich dich wieder, du geliebter Baum", dichtete einst Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) in seinem Werk "Bei einer Linde". "Sieh, im Winde hebt den Wipfel / Ein gebeugter Lindenbaum", schrieb Theodor Fontane (1819 - 1898). Und auch Heinrich Heine (1797 - 1856) kam in seinem Schaffen nicht um diesen Baum herum: "Die Linde blühte, die Nachtigall sang. . ."

". . . da wurde sogleich den Anwohnern bang", möchte man gleich weiterdichten, zumindest, wenn man mit den Anwohnern an den vier Linden im Gartenweg in Dietkirchen spricht. Dabei geht es natürlich nicht um den lieblichen Ruf der Nachtigall, sondern darum, dass Linden Arbeit machen. Viel Arbeit. Nach ihren Angaben das ganze Jahr.

Linden in Limburg-Dietkirchen: "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr"

Eine Arbeit, die den Anwohnern, von denen bis auf einen alle inzwischen älter als 80 Jahre sind, immer schwerer fällt. "Ich habe es mal aufgeschrieben", sagt Werner Burggraf, mit seinen 73 Jahren der Jüngste der Leidensgenossen unter Linden, "zwischen Januar und März bin ich auf 29 Arbeitsstunden mit den Linden gekommen." Schon seit die Bäume vor 40 Jahren gepflanzt worden seien, rackere er sich mit den Linden vor seiner Haustür ab: "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr." Nach seiner Erinnerung stiftete einst die CDU die vier Linden als Dankeschön für eine erfolgreiche Teilnahme Dietkirchens am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden".

Schon beim Besuch im Gartenweg in Limburg fallen die Hinterlassenschaften der vier Linden auf dem Gehweg und der Straße auf. Es sind Blüten und gelbe Blätter in Hülle und Fülle, als ob im Juli schon der Herbst Einzug gehalten hätte. "Das ist jedes Jahr so", sagt Burggraf resigniert. Er zeigt auf seinen Vorgarten. "Gucken Sie sich die Bodendecker-Rosen an. Meine Pflanzen gehen durch die Linden kaputt. Es interessiert niemand."

Die Ursache dafür ist Honigtau, der als Hinterlassenschaft von Blattläusen während der Lindenblüte von den großen Kronen auf seine Pflanzen stetig tropft. Die zuckrige Flüssigkeit wirkt in Kombination mit Sonnenlicht wie ein Brennglas auf den Pflanzen.

Limburg-Dietkirchen: Stadt ist mit Zustand der Linden zufrieden

Etwas mehr Glück hat Heinz Muth. Der 81-Jährige wohnt direkt gegenüber und hat die Bäume in Limburg nicht auf seiner Seite stehen, aber sein Glück hängt von der Windrichtung ab. Also ist auch er regelmäßig damit beschäftigt, den Gehweg von Blättern, Blüten und Ästen frei zu fegen und seinen Vorgarten mühsam sauber zu halten. "Zwei Stunden später sieht es wieder wie vorher aus", sagen Muth und Burggraf und klingen wie die Nachfahren von Sisyphos, die statt einen Stein einen Berg hochzurollen dauernd unter Linden kehren müssen. "Wohin mit dem ganzen Zeug?", fragt Muth. Immerhin kämen im Schnitt sechs bis sieben Säcke pro Woche durch den Abwurf der vier Lindenbäume zusammen, schätzen die beiden Nachbarn.

Burggraf, Muth und ein weiterer Anwohner wünschen sich, dass die Linden von der Stadt regelmäßig beschnitten werden, um wenigstens etwas weniger Arbeit zu haben; dazu treibt sie die Sorge, der nächste schwere Sturm könne einen oder mehrere Bäume umstürzen lassen. Der letzte große Rückschnitt liegt laut Burggraf zehn Jahre zurück. Vor rund fünf Jahren seien die vier Linden zwar noch einmal beschnitten worden, aber nur minimal.

Limburg-Dietkirchen: Linden zu entfernen wäre „absolut aussichtslos“

Die Stadt sieht keinen Handlungsbedarf. "Die Linden in Dietkirchen ragen nach unserer Kenntnis mit ihrer Krone über den Vorgartenbereich, dabei sehen wir jedoch keine Veranlassung für einen Rückschnitt", teilt der Sprecher der Stadt Limburg, Johannes Laubach, mit. Das Thema sei schon mehrmals an die Stadt und die Stadtgärtnerei herangetragen worden, es habe dazu auch Ortstermine gegeben, unter anderem auch mit dem Ersten Stadtrat. Zwischen Werner Burggraf und dem Ersten Stadtrat Michael Stanke (CDU) hat sich in den vergangenen Jahren ein reger Briefwechsel entwickelt. Im Januar 2018 zitierte Stanke sich sogar selbst mit einer Passage, die er Burggraf schon im April 2016 geschrieben hatte: "Das Problem lässt sich ehrlich gesagt nur lösen, wenn wir die Bäume ganz entfernen würden", schreibt Stanke. "Dazu bedarf es aber der Zustimmung von politischen Gremien, die ich für absolut aussichtslos halte."

Linden in Limburg-Dietkirchen werden regelmäßig kontrolliert

Grundsätzlich ist die Stadtgärtnerei Limburg laut Laubach "froh darüber, wenn Bäume mit Standorten im bewohnten Bereich frei wachsen können, so wie das mit den Linden in Dietkirchen der Fall ist". Die vier Bäume würden regelmäßig durch den Baumkontrolleur der Stadt in Augenschein genommen. "Werden trockene Äste festgestellt, oder tragen die Bäume zu viel Last und drohen dadurch auseinanderzubrechen, wird von der Stadtgärtnerei oder einem beauftragten Unternehmen auch eingegriffen", teilt er weiter mit.

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