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Stolpersteine für Emil, Irma und Florentine Löb vor dem Haus Koblenzer Straße 3 in Diez.

Gedenken

Limburg/Diez: Auch für Emil Löb gibt es nun einen Stolperstein

Heimatsehnsucht kostete ihn das Leben

Staffel/Diez -Ob der im Jahr 1900 in Staffel geborene jüdische Mitbürger Emil Löb jemals in seinem kurzen Leben mit so vielen weißen Rosen bedacht wurde, ist zu bezweifeln. Stolpersteine erinnern mittlerweile an ihn und seine weitläufige angeheiratete Familie in Diez. All das macht es nicht mehr gut, was den Familien jüdischen Glaubens vor etwa 85 Jahren geschehen ist. Doch das informative Gedenken während der Stolpersteinverlegung hat viele Diezer Bürger tief berührt.

Fasziniert und aufmerksam verfolgten die Anwesenden im wie Gunter Demnig im Spätsommer in der Grafenstadt die ersten Gedenksteine verlegte. Der umsichtige Arbeitskreis "Stolpersteine" des Museums- und Geschichtsverein Diez und Umgebung hatte nach jahrelanger Recherche endlich auch einen Termin von Gunter Demnig bekommen, der inzwischen in ganz Europa über 75 000 Stolpersteine verlegt hat.

Der 20. August 2020 wurde vom rührigen "Arbeitskreis Stolpersteine" bewusst ausgesucht, denn an diesem Tag vor genau 85 Jahren wurde bei einem nationalsozialistischen Pogrom das Deutsch-Israelitische Kinderheim in Diez zwangsgeräumt. Was danach geschah, hat die Bürger im Nachhinein noch geschockt. Weitere jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Diez, die Opfer der NS-Diktatur wurden, bekamen nun die ersten Gedenksteine vor ihrem letzten Wohnort. Es war erst der Anfang der Diezer Stolperstein-Verlegung, denn die dazugehörenden Recherchen beanspruchen Zeit.

Ein Viehhandel in Diez betrieben

Auch einige Staffeler Bürger hatten damals den Weg nach Diez gefunden, um dem Angehörigen der einzigen Staffeler jüdischen Familie Löb die letzte Ehre zu erweisen. Es handelt sich um Emil Löb, der mit seiner Frau Irma, geborene Löwenberg, die aus Kördorf stammte, ihrem Töchterchen Florentine und mit den Mitgliedern der großen Familie Löwenberg wohnte. Sie betrieben hier in Diez in der Koblenzer Straße 3 einen Viehhandel - ein Beruf, der damals noch Bestand hatte.

Emil Löb stammte aus Staffel, seine Familie war dort angesehen. Der Vater Raphael genannt "Felix" Löb betrieb auch einen anerkannten und von den damals noch über 30 Staffeler Bauern geschätzten Viehhandel, der in jener Zeit noch ein einträgliches Geschäft war. Seine Schwester Hedwig hatte einen florierenden und expandierenden Lebensmittelladen in der Ortsmitte, in ihrem gemeinsamen Geburtsthaus am alten Schulplatz. Doch die Zeiten änderten sich.

Emil Löb, am 27. August 1900 in Staffel geboren, zog 1931 nach Diez in das Haus seiner Braut. Emil und Irma Löb und ihre gemeinsame Tochter Florentine, geboren 1932, hatten keine gute Zeit, wie inzwischen kurz, knapp und informativ auf den Stolpersteinen beschrieben wird. Viele Wegstationen legte das junge Paar zurück. Über einige Diezer und Staffeler Adressen, Afrika, Paris und wieder zurück ereilte ihn das schlimme Schicksal 1942 in Auschwitz, wo er ermordet wurde. Seine Frau Irma scheint infolge von Kriegshandlungen schon in Frankreich verstorben zu sein. Ihr einziges Töchterchen Florentine wurde ebenso wie ihr Vater 1942 nach Auschwitz deportiert und wahrscheinlich kurz danach ermordet. Emil Löbs Sehnsucht nach der Heimat kostete ihn und seiner Tochter das Leben. Ihr Stolperstein befindet sich nun in Diez, weil dies der letzte frei gewählte Wohnort Emil Löbs ist. An seine Eltern und Geschwister wird bereits seit 2015 mit einem Stolperstein in Staffel gedacht.

Das weitere Schicksal der Familie Löb in deren Heimatort ist nachzulesen in dem Staffel-Band Nr. 3 unter "Staffeler Friedhöfe". Wilma Rücker

Emil Löb in der Uniform der Staffeler Freiwilligen Feuerwehr, ca. 1920.

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