Blick in der Fleischgasse auf den Aufbau des Dom Hotels in Limburg. 
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Blick in der Fleischgasse auf den Aufbau des Dom Hotels in Limburg.

„Limburg ist kein Museum“

Heftige Kritik an den Plänen fürs Dom Hotel in Limburg – jetzt spricht der Architekt

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Für seinen Entwurf für einen Aufbau des Dom Hotels in der Altstadt von Limburg hat Architekt André Kramm viel Kritik erhalten. Im Gespräch erklärt er sich. 

  • Limburg: Kritik an Plänen zum Aufbau des Dom Hotels
  • Architekt André Kramm verteidigt im Interview seinen Entwurf
  • Veränderung in der Altstadt von Limburg umstritten

Limburg - Für die Neugestaltung der WERKStadt und andere denkmalgeschützte Projekte hat der Limburger Architekt André Kramm zahlreiche Auszeichnungen bekommen. Für seinen Entwurf für den Aufbau des Dom Hotels in der Altstadt ist er jedoch heftig kritisiert worden. Zum Abschluss der Arbeiten hat Joachim Heidersdorf mit ihm über das Vorhaben gesprochen.

Ist der Architekt mit dem Ergebnis zufrieden?

Ja, für uns ist das Ergebnis, besser gesagt der Zwischenstand "Fertigstellung der Fassade" in der Fleischgasse, natürlich kein Zufallsprodukt. Kein Schnellschuss, wie unterstellt, oder eine leichtfertige Verbeugung vor den Wünschen des Auftraggebers, wie kolportiert. Wir wussten, was wir wollten. Es ist aus unserer Sicht auch kein Anschlag auf die Altstadt. Es ist ein legitimer Entwurfsansatz für das Bauen im historischen Kontext. Wir freuen auf die Eröffnung des Dom Hotels, denn ein Aspekt, der bisher kaum Beachtung gefunden hat, wird dann offensichtlich: Der Ausblick auf den Dom, das Schloss und einen Teil der Altstadt wird für den Hotelgast ein ganz besonderes Erlebnis sein. Ein Mehrwert für Limburg.

Pläne für das Dom Hotel in Limburg werden heftig kritisiert

Wie stecken Sie die heftige Kritik renommierter Kollegen und Denkmalpfleger weg?

Ein Architekt formuliert mit seinen Gebäuden in der Öffentlichkeit eine Haltung. Sachliche Kritik regt mich an und es gilt auszuhalten, wenn andere es anders sehen. Nachdenklich zu bleiben und die Sicht des anderen als eine mögliche zu respektieren, ist mein Credo. Die eigene Position als das einzige Maß aller Dinge zu manifestieren, kann in einem freiheitlich-demokratischen Dialog, der auch die Baukultur prägen sollte, nicht gewünscht sein - das gilt gleichermaßen für Architekt, Denkmalpfleger und Kritiker. Kritischer Dialog ist nach meinem Selbstverständnis unabdingbar für eine demokratische Gesellschaft. Ich bin dankbar und erfreut über die große Aufmerksamkeit, die unser Entwurf auslöst. Wenn das, was wir tun, gleichgültig wäre, würde es mich nachdenklich stimmen. Egal sollte Architektur nie sein.

Das Objekt wurde von Kritikern als "Container" oder "Schuhkarton" bezeichnet, das schmerzt doch - oder?

Natürlich; und vor allem, weil die Vorwürfe der Kollegen aus meiner Sicht unberechtigt sind.

Warum?

Architektur, und dies gilt gerade für einen historischen Kontext, kann nicht beliebig sein. Die Entscheidung, das Dom Hotel auf die gewählte Weise zu erweitern, war eine architektonische und auf den größtmöglichen Erhalt der Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes von Jacob Fachinger aus dem Jahr 1907 ausgerichtet. Das zu erhaltende Gebäude von Jacob Fachinger als Ausgangspunkt ist in seiner Typologie und Gestaltung ein Kind des 19. Jahrhunderts. Limburg ist mit seinen eng bebauten Gassen zumeist von giebelständigen Häusern auf schmalen Parzellen geprägt. Der Baukörper des Dom Hotels in der Fleischgasse ist hier bereits Anfang des 20. Jahrhunderts als bewusste Gegenposition zur typisch mittelalterlichen Stadt baulich formuliert worden.

Dom Hotel in Limburg: Es soll altstadtgerecht bleiben

Gibt es dafür Belege?

Dr. Hildegard Schirmacher, langjährige Beraterin der Stadt Limburg zur Sanierung der Altstadt sowie bundesweit anerkannte und ausgewiesene Expertin zum Thema Bauen im historischen Kontext, hat in einer Untersuchung zur Fleischgasse und ihrer Bebauung 1994 folgende Formulierung gewählt: "Der große Hofbau des Dom Hotels aus dem 19. Jahrhundert verleiht der Gasse einen zwiespältigen Eindruck, er stört, obwohl durch Lisenen gegliedert, alleine durch seine Masse und durch seine schnurgerade Bauflucht. Eine gewisse Öde, Unbelebtheit geht von ihm aus."

Das hätten Sie nun korrigieren können.

Jacob Fachingers Bau unverfälscht erkennbar zu belassen und, wie er damals, heute eine Antwort mit Mitteln der zeitgenössischen Architektur zu finden, ist die Grundhaltung unserer architektonischen Lösung. Wir haben uns nicht dafür entschieden, den Gebäudekomplex in Schiefer zu verkleiden, so dass er nicht gesehen wird. Wir haben uns nicht dafür entschieden, die Fenster in die Achse der Fenster des darunterlegenden Geschosses zu setzen und sie altstadtgerecht mit kleinteiligen Sprosseneinteilungen zu versehen.

Welcher Gedanke steckt hinter der Fassade?

Die Fassade ist mit einer bronzefarbenen, rautenförmigen Verkleidung gewählt, die je nach Lichteinwirkung unterschiedliche Farben zeigt. Die Verkleidung ist bewusst als Umhüllung auch in der Untersicht um die Kanten gebogen. Wir haben bewusst den Baukörper als Abschluss des Straßenraums über die Traufe des alten Mansardendachs geschoben. Dies verdichtet die Fleischgasse und folgt der Tatsache, dass eine mittelalterliche Stadt sich gerade durch ihre Enge manifestiert.

Ärger um Pläne für das Dom Hotel in Limburg

Ahnten Sie nicht, was das auslösen würde?

Doch. Wir waren uns bewusst, dass dieser konträrere Ansatz auf den ersten Blick weniger Zuspruch finden würde, trotzdem haben wir uns für die nicht historisierende Antwort entschieden. Der bewusste Kontrast zum Bau Fachingers und den giebelständigen Häusern in der Nachbarschaft lässt Mittelalter, frühes 20. Jahrhundert und 21. Jahrhundert in einen Dialog treten. Unterschiede werden deutlich, Gebäude zeigen im wahrsten Sinne ihr zeitgemäßes Antlitz. Geschichte bleibt erkennbar.

Und das Erbe ist egal?

Die Debatte unter der Überschrift "Anschlag auf die Altstadt" ist der verständliche Wunsch, auch zukünftig das Erbe der Altstadt Limburg und ihre erfolgte Sanierung als bedeutendes nationales Kulturdenkmal zu bewahren. Wir teilen diesen Ansatz, sehen aber unseren Umbau des Dom Hotels als einen ebenso legitimen wie bereichernden Beitrag einer Debatte, wie die Altstadt auch zukünftig gestaltet werden soll.

Und wie sollte das geschehen?

Jede Bauaufgabe, gerade im historischen Kontext, erfordert eine individuelle Lösung; dies war in der Limburger Altstadt in der Vergangenheit so und wird auch zukünftig so bleiben. Wir sind offen für Debatten zur Baukultur. In einer demokratisch aufgeklärt geprägten Gesellschaft fühlen wir uns verpflichtet, im Dialog die Stadt als Lebensraum und Erlebnisort gemeinsam weiter zu entwickeln. Die Stadt, unsere Stadt Limburg, lebt und ist lebendig in ihrer Vielfalt. Eine Stadt wird zum Museum, wenn sie sich auf eine Epoche reduziert.

Von Joachim Heidersdorf

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