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Marlies Schweitzer.

Elf Jahre im Dienst von "donum vitae"

Limburg: Sie hilft Frauen in Not und trotzt Widerständen

  • vonPetra Hackert
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Marlies Schweitzer hat als Vorsitzende von „donum vitae“ Weichen gestellt.

Limburg – Sie sieht sich erst an zweiter Stelle. "Die Beraterinnen leisten die eigentliche Arbeit, und die Ehrenamtlichen, die uns unterstützen", sagt Marlies Schweitzer. Sie gehört auch zu den Ehrenamtlichen. Elf Jahre stand die Staffelerin als Vorsitzende an der Spitze des Vereins "donum vitae" Limburg. Im Januar 2003 gegründet, um Frauen in Not zu helfen, dort anzuknüpfen, wo der damalige Bischof Franz Kamphaus nicht mehr weiterkam.

Kamphaus war zu diesem Zeitpunkt bereits die Ausnahme. Alle anderen 27 katholischen Bischöfe in Deutschland waren 2001 aus der gesetzlichen Schwangeren-Konfliktberatung ausgestiegen, einer Weisung Papst Johannes Pauls II. folgend. Der Bischof von Limburg wollte diese Beratung aufrechterhalten. Seine Auseinandersetzung mit Rom führte zu überregionalen Schlagzeilen. Das wichtigste Argument aus der Domstadt: Man wolle die Frauen in einer extremen Situation nicht im Stich lassen, sondern diese notwendige Beratung leisten.

Dass die Bescheinigung über eben diese Schwangerschaftskonfliktberatung ein Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Abtreibung sein kann, war Kern des innerkirchlichen Streits. Auch Franz Kamphaus musste nachgeben, mehr als ein Jahr später als seine deutschen Bischofskollegen. Daraus erwuchs "donum vitae" (Geschenk des Lebens), ein katholischer Laienverein, der die Konfliktberatung leistete und auch Beratungsscheine ausstellte, die zu einer straffreien Abtreibung berechtigen.

"Das ist nur ein Teil unserer Arbeit", sagt Marlies Schweitzer heute. Aber ein wesentlicher, der seinerzeit zu Debatten führte - und breiter Unterstützung. Der damaligen Limburger Vorsitzenden Elvira Sahl und ihrem Team habe man viel zu verdanken. Marlies Schweitzer begann sechs Jahre später, diese Arbeit fortzusetzen, die auf soliden Füßen stand.

Doch noch einmal zurück zum donum-vitae-Gründungsjahr 2003. Schweitzer, Leiterin der Staffeler Grundschule, war Vizepräsidentin der Diözesanversammlung und wurde zur Eröffnung eingeladen. Sie ging hin, um sich zu informieren und trat ein, um das Richtige zu tun. "Egal, ob Du dann exkommuniziert wirst", sagt sie heute mit einem Schmunzeln. So weit ging es nicht, doch es gab Einschränkungen. Gerade hatte sie eine Ausbildung zur Kommunionhelferin gemacht - und legte es ad acta. Das durfte sie nicht mehr. Aber "donum vitae" war wichtiger. Sie ging sogar in den Vorstand, übernahm 2009 den Vorsitz.

Enormen Zuwachs an Mitgliedern

Heutzutage ist es leichter geworden. "2018 überraschte uns alle die Aussage des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx, dass die deutschen Bischöfe die Arbeit von ,donum vitae' zum Schutz des ungeborenen Lebens anerkennen, dass nur die Wege verschieden sind", sagt Schweitzer. Eine Auffassung, die auch sein Nachfolger, der Limburger Bischof Georg Bätzing teile. Dazwischen war der Weg eine Zeitlang steiniger. Tebartz.

Franz-Peter Tebartz-van Elst: Als Vorsitzende von "donum vitae" hatte Marlies Schweizer keine guten Erfahrungen mit diesem Bischof. "Sogar das Wort Mord fiel", erinnert sich die 79-Jährige. Ihre Beraterinnen hätten sehr darunter gelitten, auf diese Weise diffamiert zu werden. "Manche haben sich gar nicht mehr getraut, zu sagen, wo sie arbeiten." Aber: In der Stunde der Bedrängnis wachse die Kraft. "Wir haben Stand gehalten. Mehr noch: Wir hatten plötzlich einen enormen Zuspruch an Mitgliedern und Spenden." Viele sahen, was falsch lief und entschieden sich, die Arbeit von "donum vitae" zu unterstützen. Das habe gut getan.

Von anderen Menschen lernen

"Die Beraterinnen beschäftigen sich mit der Situation der Frauen, fragen nach Hintergründen, suchen nach Lösungen. Das Ganze ist ergebnisoffen", sagt Marlies Schweitzer. 2016 kam die Beratung von geflüchteten Frauen hinzu, durch ein Bundesprojekt gefördert. Diese Förderung ist ausgelaufen, die Beratung geht weiter. In vielen Lebenslagen leiste "donum vitae" mittlerweile sehr geschätzte Unterstützung, angefangen von Babysprechstunden, Angeboten für Mütter und Väter wie das Elternfrühstück bis hin zu Aufklärung, Familienplanung, der eigenen Website für Jugendliche.

Neben der zentralen Stelle in Limburg gibt es eine Dépendance in Bad Camberg in enger Zusammenarbeit mit dem dortigen FamilienCentrum. Mittlerweile hat sich "donum vitae" einen Namen gemacht - einen sehr guten, und daran haben die Ehrenamtlichen beständig mitgewirkt.

Marlies Schweitzer ist eine von ihnen. Und sie wird dem Verein weiter verbunden bleiben. Dem neuen Vorstandsteam um die Vorsitzende Christine von Münster wünscht sie weiter Energie und Einsatzbereitschaft ("Ich weiß, dass sie das haben"). Monika Mießen, Barbara Sylla-Belok, Barbara Albrecht und Sonja Reyers gehören jetzt dem neuen Vorstand an.

Marlies Schweitzer empfand diese Arbeit auch als gute Gelegenheit, mit Menschen in Kontakt zu treten, von denen man dazulernen kann. Rita Waschbüsch, die als Bundesvorsitzende von "donum vitae" auch in Limburg auftrat, sei so jemand. Einen Zukunftswunsch hat die 79-Jährige noch: Früher unterhielt das Bistum das Mutter-Kind-Haus in Obertiefenbach, noch von Franz Kamphaus eingerichtet, um Frauen in Not eine erste Perspektive zu geben. Heute gebe es keine derartige Einrichtung mehr. Marlies Schweitzer: "So etwas fehlt in der Region." (Von Petra Hackert)

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