Sie galten jahrelang als Flaggschiffe des Stadtlinienverkehrs: Die ab 2007 verkehrenden fünf modernen schadstoffarmen Niederflurbusse in den Farben und dem Wappen Limburgs.
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Sie galten jahrelang als Flaggschiffe des Stadtlinienverkehrs: Die ab 2007 verkehrenden fünf modernen schadstoffarmen Niederflurbusse in den Farben und dem Wappen Limburgs.

Geburtsstunde des Stadtlinienverkehrs

Limburg: Ein halbes Jahrhundert Stadtlinie

Am 1. Oktober vor 50 Jahren ging der erste Bus auf Fahrt - Die Zukunft könnte elektrisch sein

Limburg -Der 1. Oktober 1971 war in Limburg ein wichtiges Datum für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). An diesem Tag schlug die Geburtsstunde des neuen Stadtlinienverkehrs. Seitdem ist ein halbes Jahrhundert vergangen. Bis dahin gab es einen Busverkehr, der hauptsächlich aus Kindergartenfahrten und Fahrten bestand, die samstags und mittwochs zu den Markttagen führten.

Bürgermeister Josef Kohlmaier (CDU) schickte vor 50 Jahren morgens um 8 Uhr den ersten Linienbus auf die Reise. Er sagte damals, der Stadtlinienverkehr sei einerseits ein echtes Bedürfnis der Bevölkerung und zum anderen der Versuch, die Innenstadt vom Individualverkehr zu entlasten.

Zwei Linien waren eingerichtet. Die Linie 1 fuhr stündlich in die Brückenvorstadt und nach Blumenrod, die Linie 2 im Stundentakt ins Galmerviertel, zum Grenzweg und ans St.-Vincenz-Krankenhaus. Ausgangs- und Mittelpunkt war die Hospitalstraße am früheren Brüderhaus. An den ersten beiden Tagen konnten sich die Nutzer zum Nulltarif durch die Stadt chauffieren lassen. Danach kostete die Fahrt pro Teilstrecke 50 Pfennig. Es wurden Zehner- und Monatskarten zu gestaffelten Preisen für die jeweiligen Altersgruppen, für Schüler, Soldaten, Zivildienstleistende, Rentner und so weiter eingeführt.

Von Anfang an ein Zuschussgeschäft

Von Anbeginn waren sich die Verantwortlichen im Rathaus darüber im Klaren, dass die Stadtlinie ein Zuschussbetrieb sein würde. Deshalb musste ein wirtschaftlich vertretbarer Rahmen gefunden werden. Die gute Resonanz der Bevölkerung bestätigte die Notwendigkeit dieser Einrichtung.

Zur Jungfernfahrt waren fast ausschließlich CDU-Mandatsträger eingestiegen. Die SPD hatte sich damals gegen die Einführung der Stadtlinie ausgesprochen und die Bildung einer "Limburger Verkehrsgemeinschaft" gefordert. Ihrer Ansicht nach hätte die Stadt dadurch einen wesentlichen Teil der Subventionen einsparen und die Bürger wirtschaftlicher bedient werden können. Die CDU bezeichnete die Vorstellungen der SPD als "Fata Morgana" und "Utopien".

In den fünf Jahrzehnten bis heute wurde die Stadtlinie weiter ausgebaut, auch wenn sie lange Zeit nicht die Funktion erfüllen konnte, die allein ihrem Namen nach zukam. Doch das lag nicht am guten Willen der städtischen Körperschaften, sondern hing mit der verzwickten Gesetzgebung und den Konzessionsbestimmungen zusammen.

1990 wurde der "Eigenbetrieb Stadtlinie" ins Leben gerufen, neun Jahre später um den Betriebszweig "Parkeinrichtungen" erweitert. Ab sofort war die Stadtlinie für den Betrieb der Parkhäuser und Parkeinrichtungen in Limburg zuständig und war an der Main-Kraftwerke AG und der Energieversorgung Limburg GmbH beteiligt (heute nur noch an der EVL). Es wurde die RMV-Mobilitätszentrale eröffnet, 2003 der "integrierte Stadtbusverkehr" in die Stadtteile gestartet.

Einige Male wurden nach Ausschreibungen die Betreiber gewechselt, neue, modernere Busse angeschafft, erstmals 1988, sodann 2007. Vor 14 Jahren verkündete die Stadt voller Stolz, dass die neuen Niederflurbusse bereits die zwei Jahre später in Kraft tretende Euro-Norm 5 erfüllen. Die zukünftigen Grenzen für giftige Stickoxide würden dank katalytischer Abgasnachbehandlung dauerhaft um mehr als 50 Prozent unterschritten. Heute wären diese Busse von einem möglichen Dieselfahrverbot betroffen.

Weniger Abgase, mehr Haltestellen

Um das Busfahren in Limburg attraktiver zu machen, wurden immer neue Konzepte erarbeitet. Ab August 2014 rollten fünf neue Stadtlinienbusse auf einer verbesserten Linienführung durch Limburg und fuhren 20 zusätzliche Haltestellen an. Sie waren behindertenfreundlich, fuhren noch schadstoffärmer, erfüllten die Abgasnorm "Euro 6". Ähnlich wie ihre Vorgänger war auch ihr Erscheinungsbild den Farben des Limburger Stadtwappens blau, rot angepasst. Sie zeigten die Silhouette der Stadt und galten als beispielhaft für die Zeitenwende im ÖPNV.

2020 sind erneut sechs fabrikneue Busse an den Start gegangen. Sie bieten weitere Vorteile und entsprechen der Schadstoffklasse "Euro 6 d", die seit September 2019 für alle Neufahrzeuge gilt. Verbrauchten die vorher eingesetzten Busse rund 46 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer, begnügen sich die neuen mit weniger als 40 Liter und stoßen erneut weniger Schadstoffe aus.

Und das soll nicht das Ende sein. Da die Leistung der aktuell verfügbaren Batterien noch nicht ausreicht, um den Streckenplan der Stadtlinienbusse ohne Zwischenladen zu bewältigen, wird laut Mitteilung aus dem Rathaus bei einer Neuausschreibung 2025 geprüft, inwieweit alternative Antriebe, etwa elektrische, in den Kriterienkatalog aufgenommen werden können.

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