Finanzdezernent Thomas Frings (links) und Dr. Herbert Braun, Vorsitzender des Diözesankirchensteuerrats.
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Finanzdezernent Thomas Frings (links) und Dr. Herbert Braun, Vorsitzender des Diözesankirchensteuerrats.

Die Kirche muss sparen

Limburg: "Ein ,Weiter so' kann es nicht geben"

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Erstmals muss das Bistum ein Minus im Haushaltsjahr ausgleichen

Limburg -Die katholische Kirche muss sparen. Das gilt auch für das Bistum Limburg. Die Zahl der Katholiken schrumpft von Jahr zu Jahr durch stetige Austritte und weil jedes Jahr mehr Katholiken sterben als neue getauft werden. Zwar hatte das Bistum Limburg im Geschäftsjahr 2020 weniger Aufwendungen, aber auch deutlich weniger Einnahmen, was vor allem am Rückgang der Kirchensteuereinnahmen lag. Die Folge: Zum ersten Mal in seiner Geschichte wies der Etat des Bistums ein Defizit in Höhe von 14,8 Millionen Euro aus, wie aus dem aktuellen Jahresbericht des Bistums Limburg für 2020 hervorgeht.

Dieses Defizit konnte zwar ausgeglichen werden durch Reserven, teilt das Bistum weiter mit. Aber jedes Jahr wird und soll das so nicht funktionieren. Domkapitular Wolfgang Rösch, Generalvikar des Bischofs von Limburg, findet jedenfalls angesichts der Finanzlage deutliche Worte, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. "Wir müssen Prioritäten bei der Finanzplanung setzen", sagt er. "Ein ,Weiter so' kann es nicht geben. Wir müssen pastorale Schwerpunkte setzen und beraten, was künftig nicht mehr geleistet werden kann."

Im knapp 140 Seiten starken Jahresbericht sind die Abschlüsse der drei diözesanen Körperschaften öffentlichen Rechts - Bistum Limburg, Bischöflicher Stuhl und Limburger Domkapitel - sowie der "Schulstiftung des Bistums Limburg" aufgeführt. Zudem blickt der Jahresbericht 2020 auf das weltkirchliche Engagement des Bistums zurück.

Wie das Bistum Limburg weiter mitteilt, ist der Bischöfliche Stuhl mit 1,9 Millionen Euro "weiterhin defizitär". Dieser Fehlbetrag sei durch Rücklagen auf ein Minus von 1,1 Millionen Euro reduziert worden. "Die Jahresabschlüsse des Limburger Domkapitels und der Schulstiftung des Bistums Limburg weisen gegenüber dem Vorjahr keine Besonderheiten auf", erklärt der Finanzdezernent des Bistums Limburg, Thomas Frings. Mit Blick auf die Schulstiftung hätten erneut rund 920 000 Euro für die vielfältige Arbeit in den Schulen in Trägerschaft des Bistums bereitgestellt werden können.

Und das sind weitere Erkenntnisse aus dem Jahresbericht:

Katholiken: Das Bistum Limburg schrumpft, wenn es um die Menschen geht, die sich zum Katholizismus bekennen. Das Bistum ist noch verantwortlich für rund 580 000 Katholiken (Stand Ende 2020) - ein Jahr zuvor waren es noch gut 593 000 Katholiken. Die Zahl der Austritte war dabei jedoch etwas rückläufig: Knapp 8200 Menschen im Bistum Limburg kehrten ihrer Kirche 2020 den Rücken, 2019 waren es noch mehr als 9400. Zu dieser generellen Entwicklung kommt der demographische Wandel: Es sterben mehr Katholiken als dass neue getauft werden. Gab es 2019 noch gut 3500 Taufen im Bistum, waren es 2020 nur noch knapp 2100.

Mitarbeiter: Das Bistum Limburg (und das Domkapitel) beschäftigen fast 1900 Mitarbeiter. Dazu kommen gut 7400 Mitarbeiter in den Kirchengemeinden.

Immobilien: Insgesamt 1522 kirchliche Immobilien im Bistum Limburg werden im Jahresbericht aufgelistet.

Verteilung Kirchensteuereinnahmen: Knapp 222 Millionen Euro nahm das Bistum Limburg im Jahr 2020 durch die Kirchensteuer ein. Der größte Anteil dieser Summe floss mit 41,9 Prozent in die "Seelsorge", gefolgt vom Bereich "Leitung und Verwaltung" mit einem Anteil von 16,4 Prozent. 13,1 Prozent dieser Summe waren vorgesehen für den "Zukunftssicherungs- und Infrastrukturfonds", 10,5 Prozent entfielen auf den Bereich "Familie und Generationen", 7,9 Prozent auf "soziale und caritative Aufgaben", 7,1 Prozent auf Bildung, Kunst und Kultur und 3,1 Prozent auf "Weltkirche und Gemeinschaftsaufgaben".

Weniger Dienstreisen: Wenn bestimmte Termine nicht zwingend in Präsenz stattfinden müssen, entlastet das den Reiseetat. Das gilt auch für das Bistum. Virtuelle Zusammenkünfte seien seit 2020 selbstverständlich und deshalb Dienstreisen seltener geworden, teilt der Finanzdezernent im Jahresbericht mit. Der Haushaltsansatz für Reisekosten sei deshalb im vergangenen Jahr um 30 Prozent reduziert worden, die dadurch frei werdenden Mittel würden für die weitere Digitalisierung im Bistum eingesetzt.

Zukunftsfonds: Weil die Kirchenaustritte und der demographische Wandel verstärkt finanziell ihre Spuren in der katholischen Kirche hinterlassen, ist im Jahr 2018 im Bistum Limburg ein "Zukunftssicherungs- und Infrastrukturfonds" aufgestellt worden mit einer Einlage von nunmehr 23,6 Millionen Euro. Mit dieser stetig wachsenden Rücklage sollen notwendige Projekte im Bistum und in den Kirchengemeinden finanziert werden.

Weltkirche: Das Bistum Limburg hat mehrere Bistumspartnerschaften in Asien, Afrika und Europa. Diese werden finanziell gefördert und durch Freiwillige unterstützt, die ein Soziales Jahr in den Diözesen absolvieren. Im Jahr 2019 wurden laut Finanzbericht 131 kirchliche Projekte im Ausland gefördert, im Jahr 2020 waren es 128. Die Fördersumme hat sich insgesamt erhöht von knapp 1,8 Millionen auf knapp zwei Millionen Euro. Knapp ein Drittel dieser Summe floss in Projekte in Europa, deutlich mehr Unterstützung gab es 2020 für Projekte in Asien.

Ausblick: "Die größten finanziellen Risiken für das Bistum Limburg bestehen in der Entwicklung der Kirchensteuererträge, die 77 Prozent der Gesamterträge ausmachen", schreibt Finanzdezernent Thomas Frings im Jahresbericht. Weil sich das Bistum jedoch noch in einer stabilen wirtschaftlichen Ausgangssituation befinde, sei es in der Lage, "notwendige Veränderungen anzustoßen und umzusetzen".

Weitere Informationen

Der Jahresbericht 2020 in digitaler Form findet sich unter www.finanzen.bistumlimburg.de.

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