Uwe G. verdeckt sein Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem Aktenordner. Der 64-Jährige hat in der Untersuchungshaft 30 Kilo abgenommen, die langen weißen Haare hat er zum Pferdeschwanz gebunden. Rechts sein Verteidiger Albert Balmert.
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Uwe G. verdeckt sein Gesicht zu Prozessbeginn hinter einem Aktenordner. Der 64-Jährige hat in der Untersuchungshaft 30 Kilo abgenommen, die langen weißen Haare hat er zum Pferdeschwanz gebunden. Rechts sein Verteidiger Albert Balmert.

Kinderporno-Bande „Elysium“

64-Jähriger soll Kinder missbraucht haben: „Jungs und Mädels waren gleichsam sein Zielobjekt“

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Die Limburger Kammer ordnet weiterhin Sicherungsverwahrung gegen ein 64-jähriges Führungsmitglied der Kinderporno-Bande „Elysium“ an.

  • In Limburg steht ein 64 Jahre alter Mann vor Gericht.
  • Er soll mehrere Kinder massiv sexuell missbraucht haben und war Teil der Kinderporno-Bande „Elysium“.
  • Der Angeklagete greift vor Gericht die Staatsanwältin an.

Limburg – Uwe G. bleibt nach der Verbüßung seiner Freiheitsstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und anderer Delikte in Sicherungsverwahrung. Der 64-Jährige, eines der F��hrungsmitglieder der in Bad Camberg aufgeflogenen Kinderporno-Bande „Elysium“, hatte im Revisionsverfahren erwartungsgemäß keinen Erfolg.

Prozess in Limburg: „Man will mich halt wegsperren, darum geht es“

Die 2. große Jugendkammer des Landgerichts reduzierte die Gesamtfreiheitsstrafe für den Mann aus Landsberg am Lech gestern Nachmittag lediglich um drei Monate auf neuneinhalb Jahre und ordnete ebenfalls Sicherungsverwahrung an.

Der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch hob in der Urteilsbegründung den schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in sieben Fällen hervor. Außerdem listete er die Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie die „bandenmäßige öffentliche Zugänglichmachung, die Drittbesitzverschaffung und das Herstellen kinderpornografischer Schriften in zahlreichen Fällen auf. „Nein, nein“, sagte der Angeklagte kopfschüttelnd auf den Hinweis Janischs, er könne auch gegen dieses Urteil Rechtsmittel einlegen. „Man will mich halt wegsperren, darum geht es.“

Prozess um sexuellen Missbrauch in Limburg: G. greift Staatsanwältin an

Zuvor hatte G. wie schon im Hauptverfahren ausführlich und weinerlich über seine Situation lamentiert. Gestern ging er einen Schritt weiter und warf der Staatsanwältin vor, „mit ihrer perversen Fantasie“ Dinge erfunden und Beweismittel in den Ermittlungsakten manipuliert zu haben. „Die Reihenfolge der Bilderserie ist 100 Prozent gefälscht“, behauptete G. etwa. „Ich habe dem Mädchen die Schlaganzughose nicht aus-, sondern angezogen“.

Er sieht überall nur Gegner; auch einen seinen beiden Verteidiger griff er an (nicht den Limburger Albert Balmert, der ihn auch gestern vertrat). "Der hat lieber mit der Staatsanwältin Kaffee getrunken statt mit mir zu sprechen. Das ist alles hier eine große Scheiße", sagte G.

Vor fast genau zwei Jahren, am 2. August 2018, hatte er erstmals den Schwurgerichtssaal des Landgerichts betreten. Im bislang größten Prozess um Kinderpornografie in Deutschland gegen die Führungsriege der Internet-Plattform „Elysium“ stand G. jedoch zunächst nicht im Mittelpunkt. Einer der beiden Hauptbeschuldigten war der damals 40-jährige Familienvater Frank M. aus Bad Camberg, in dessen Autowerkstatt der Server für die kriminellen Taten im Darknet stand.

„Elysium“-Prozess in Limburg: „Es hat sich nichts verändert, was zu einer neuen Bewertung führen könnte“

M. wurde am 7. März 2019 zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt - unter anderem wegen Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch sowie der Herstellung und des Besitzes kinderpornografischer Schriften. Für noch längere Zeit schickte die Kammer G. ins Gefängnis, weil er sich an Kleinkindern vergangen hatte.

Gestern ging es nur um einen „ganz kleinen Bereich“ des Urteils, wie Janisch eingangs erläuterte. Die festgestellten Delikte waren nicht mehr Gegenstand der Verhandlung. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (BGH) hatte die Revision aufgrund von formalen Rechtsfehlern zugelassen. Die obersten Richter hoben drei letztlich unbedeutende Einzelstrafen und damit die Gesamtfreiheitsstrafe für G. auf; dadurch entfielen auch die formellen Voraussetzungen der Sicherungsverwahrung.

Die Kammer folgte in allen Punkten dem Plädoyer von Dr. Julia Bussweiler von der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt. Verteidiger Albert Balmert schätzte seine Möglichkeiten realistisch ein, sprach von einem „sehr geringen Spielraum“ und verzichtete auf einen eigenen Antrag. „Es hat sich nichts verändert, was zu einer neuen Bewertung führen könnte“, sagte Janisch.

Prozess um sexuellen Missbrauch in Limburg: „Jungs und Mädels waren gleichsam sein Zielobjekt“

Der psychiatrische Gutachter Dr. Rolf Speier bewertete G. als voll schuldfähig und bezeichnete ihn als „Kern-Pädophilen mit bisexueller Orientierung“. „Jungs und Mädels waren gleichsam sein Zielobjekt“, erklärte der Sachverständige. Dies erhöhe die ungünstige Prognose für G. ebenso wie die Tatsache, dass dieser bei Frauen keine sexuelle Befriedigung finden könne. „Vor diesem Hintergrund kann man von einer Rückfallwahrscheinlichkeit von etwa 84 Prozent ausgehen“, so Speier.

Staatsanwaltschaft und Gericht leiteten daraus einen Hang zu weiteren Straftaten ab. Eine einschlägige Verurteilung vor 30 Jahren fiel ebenfalls ins Gewicht. „Sie haben mehrere Kinder massiv missbraucht“, hielt Bussweiler G. vor. (Joachim Heidersdorf)

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