Brigitte Meyer hat sich während der Pandemie einen Zweitjob gesucht. Doch nun ist die Dornburgerin froh, endlich wieder mit ihrer Losbude auf Tour zu sein.
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Brigitte Meyer hat sich während der Pandemie einen Zweitjob gesucht. Doch nun ist die Dornburgerin froh, endlich wieder mit ihrer Losbude auf Tour zu sein.

Der Rummel ist eröffnet

Limburg: Endlich wieder optimistische Schausteller

  • VonRobin Klöppel
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Zum Auftakt des Oktoberfests herrscht gute Stimmung - Ohne Hilfen wären viele pleitegegangen

Limburg -Schausteller ist kein normaler Beruf wie jeder andere, sondern für die heimischen Vertreter dieser Zunft Berufung. Von daher haben sie trotz der beiden schweren letzten Corona-Jahre nicht aufgegeben, sondern sich Einnahmealternativen gesucht und verbunden mit staatlicher Überbrückungshilfe über Wasser gehalten. Jetzt sind die Gäste wieder heiß auf den Rummel und sorgen für Umsatz, so dass die Schausteller positiv ins Jahr 2022 blicken. Wir haben uns mit einigen Vertretern aus der Region gestern Nachmittag zum Auftakt des Limburger Oktoberfests unterhalten.

Carmen von Fischke aus Limburg berichtet, dass durch die Pandemie die Situation für viele Kollegen existenzbedrohend gewesen sei. Die meisten hätten das Beste aus der Situation gemacht, doch es habe auch Kollegen gegeben, die sich beruflich komplett umorientiert hätten. Was aktuell fehlten, seien zuverlässige Mitarbeiter, denn viele seien in der Zwischenzeit in andere Jobs gewechselt und nicht mehr zurückgekehrt.

Die Familie von Fischke hat auch überlegt, wie sie zusätzliche Einnahmen generieren kann, hat sich in der Limburger City unbefristet ein Ladengeschäft angemietet, wo sie Süßwaren verkauft. "Von Mai bis August haben wir damit draufgelegt", sagt von Fischke offen. Ab diesem Zeitpunkt sei es dann aber gelungen, ins Plus zu kommen.

Die Kassen vor der Winterpause füllen

Andere Kollegen hätten sich mit ihren Imbisswagen feste Plätze gesucht oder seien auf sogenannte Pop-Up-Plätze ausgewichen, abgegrenzte Rummelplätze vor allem in größeren Städten, wo sie dann hätten mehrere Wochen mit ihren Buden und Fahrgeschäften bleiben können. Für manchen habe sich das durchaus gelohnt. "Aber ohne die Coronahilfen von Land und Bund würde es viele Betriebe jetzt wohl nicht mehr geben", sagt von Fischke. Sie hofft, nun, dass der Weihnachtsmarkt in Limburg die Kassen noch ein wenig für die Winterpause auffüllt.

Herbert Meyer, Inhaber des Autoscooters und Enkel des Oktoberfest-Initiators Julius Meyer, erzählt: "2019 war das Oktoberfest für uns die letzte Veranstaltung und jetzt ist es unsere erste." Die Feier zum 150-jährigen Firmenbestehen sei leider vergangenes Jahr ausgefallen. "Wir haben mit einem Imbissstand Schadensbegrenzung betrieben, uns mit Überbrückungshilfen über Wasser gehalten", verrät er.

Meyer sagt, dass er zuversichtlich sei, dass es auf dem Oktoberfest dieses Wochenende mehr Umsatz als normal gebe, weil viele Bürger nach der langen Pause heiß aufs Ausgehen seien. "Ich denke nicht, dass wir uns für kommendes Jahr noch Sorgen machen müssen", prognostiziert Meyer. Bereits vor einer Woche in Niederbrechen habe er mehr Umsatz gemacht als sonst auf dieser Kirmes.

Für Brigitte Meyer aus Dornburg ist es mit ihrer Losbude für 2021 mittlerweile schon der fünfte Platz. Die junge Frau hat sich zwischenzeitlich einen Zweitjob im Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus gesucht, wo sie mit Krankentransporten wichtiges Geld verdiene. "Aber Schaustellerin zu sein, das ist mein Leben und dauerhaft kann ich wohl nicht auf zwei Hochzeiten tanzen", sagt sie. In Elz und Niederbrechen habe die Losbude wieder guten Umsatz gemacht, freut sie sich. Sie sagt: "Natürlich hatte ich Existenzängste und wusste vorübergehend nicht, wie es weitergehen soll". Aber draußen auf den Kirmesplätzen zu sein, das sei nun einmal ihr Leben. Sie sei glücklich, wenn sie anderen mit Gewinnen eine Freude machen könne.

"Es war schlimm, daheim zu sitzen"

Bernd Stein aus Eschhofen sagt, dass es auch für ihn schlimm war, ohne Einnahmen daheim zu sitzen. Er hätte sich gewünscht, dass die Limburger Kommunalpolitik die Schausteller mehr unterstützt, etwa ihnen die Gelegenheit gegeben hätte, mit ihren Verkaufsständen in der City zu stehen. Für Limburg habe er viel weniger Süßigkeiten eingekauft, weil das sein letzter Rummel für dieses Jahr sei und er Angst gehabt habe, viel wegschmeißen zu müssen, falls es schlecht laufen sollte.

Stein hat den Eindruck, dass die Bürger wieder kommen wollten, aber wie sich das alles entwickele, müsse man abwarten. Auch er hofft am Ende der Saison, dass das Oktoberfest und der Limburger Weihnachtsmarkt noch gute Einnahmen bringen. Gedanken ans Aufgeben hat Bernd Stein nie verschwendet: "Meine Eltern haben den Krieg überlebt, dann werde ich auch Corona noch überleben", sagt er kämpferisch.

Sascha Tippelt aus Gückingen war kreativ, um frisches Geld in die Kasse zu kriegen. Er hat Süßwaren übers Internet verkauft, mit dem Imbiss vor der Markthalle und mit einem Süßwarenstand am Globus-Markt in Limburg gestanden. "Das und die Soforthilfe haben uns die nötigen Einnahmen gebracht. Wir sind am Ende besser durch die Coronazeit gekommen, als wir vorher dachten." Tippelt berichtet, er sei als Schausteller geboren und könne nichts anderes. "Das ist mein Leben, ich sitze hier gerne", sagt der Inhaber des Hollywood-Star-Fluggeschäftes: "Ich bin guter Dinge, dass 2022 die Feste wieder normal für uns laufen werden".

Wann der Rummel geöffnet ist

Für den Besuch auf dem Rummel des Limburger Oktoberfests ist kein Impf- oder Testnachweis nötig. Geöffnet ist am Samstag von 14 bis 23 Uhr, am Sonntag und Montag jeweils von 11 bis 23 Uhr und am Dienstag von 15 bis 21 Uhr . Am letzten Tag ist traditionell Familientag mit vielen Vergünstigungen.

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