Umwelt

Limburg: Eppenau wird kein Landschaftsschutzgebiet

  • Stefan Dickmann
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Regierungspräsidium ist skeptisch - Es gibt andere Schutzmöglichkeiten

Limburg -Die Eppenau wird kein Landschaftsschutzgebiet. Das für eine solche Ausweisung zuständige Regierungspräsidium (RP) in Gießen zeigt sich in einer Stellungnahme an die Stadt Limburg dermaßen skeptisch, dass die Genehmigung eines solchen Antrags sehr unwahrscheinlich sein dürfte.

Die FDP hatte in der Stadtverordnetenversammlung eine solche Ausweisung angeregt, und zwar auf Initiative des Stadtältesten Leo Vanecek, ehemaliges Fraktionsmitglied der Grünen und früherer Vorsitzender des Umweltausschusses.

Der beim RP zuständige Dezernent räumt einem Antrag auf Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes allerdings "keine ausgemachten Realisierungschancen ein", wie aus seiner Stellungnahme hervorgeht.

Er begründet dies auch damit, dass die Eppenau für einen solchen Status viel zu klein sei. Zwar seien Landschaftsschutzgebiete grundsätzlich nicht an eine Flächengröße gebunden, "aber die verbliebenen Landschaftsschutzgebiete in Hessen haben in der Regel eine Größe von mehreren Tausend Hektar". Die Eppenau sei auch "kein Landschaftsraum mit besonderer Landschaftsbildfunktion, zumindest nicht mit Bezug auf regionaler Ebene", und die Biotopausstattung reiche "sehr wahrscheinlich" nicht aus.

"Kein geeignetes Schutzinstrument"

So sei der im Antrag der FDP genannte "Zweiblättrige Blaustern" vermutlich kein natürliches Vorkommen, sondern habe seinen Ursprung in den nicht weit entfernten Haus- und Kleingärten. Der Kasselbach und seine Nebenbiotope seien durch das Bundesnaturschutzgesetz ohnehin geschützt und würden keine höhere Wertigkeit durch ein Landschaftsschutzgebiet erhalten.

Ein Landschaftsschutzgebiet sei grundsätzlich "kein geeignetes Schutzinstrument", "wenn es darum geht, Siedlungen, Industrie- oder Infrastrukturmaßnahmen zu verhindern". Denn die Schutzgebietsverordnung arbeite "nicht mit klaren Verboten", sondern lediglich "mit Genehmigungsvorbehalten". Resigniert stellte der Dezernent fest: "Die Erfahrung der letzten 30 Jahre hat gezeigt, dass kein Landschaftsschutzgebiet von geplanten (politisch gewollten) Bau- oder Infrastrukturmaßnahmen verschont geblieben ist."

Zwar sei die Eppenau sicher, wenn auch lokal sehr begrenzt, "ein bedeutender Erholungsraum für die Limburger Bürger und der Kasselbach oder Linterbach ist sehr wahrscheinlich auch ein ökologisches Kleinod, was erhalten werden sollte", aber der Dezernent des RP zweifelt an, ob für einen wirksamen Schutz der Eppenau die Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet sinnvoll ist.

Um "einzelne Objekte" in der Eppenau mit einem höheren als dem gesetzlichen Schutz auszustatten, könne zum Beispiel geprüft werden, ob die Ausweisung als "Geschützter Landschaftsbestandteil" nach dem Bundesnaturschutzgesetz in Betracht kommt, regt der Dezernent des RP an. Dies wäre dann Aufgabe der Unteren Naturschutzbehörde, die beim Landkreis angesiedelt ist.

Aus seiner Sicht ist es grundsätzlich sinnvoller, in der Eppenau "eher einen öffentlichen Stadtpark einzurichten". Dies begründet der Vertreter des RP mit der hohen Anzahl an Spaziergängern; auch deshalb ist es seiner Auffassung nach ratsam, auf eine Schutzgebietsausweisung der Eppenau nach dem Bundesnaturschutzgesetz "zu verzichten".

Bachpatenschaft mit Lindgren-Schule

Wie geht es nun weiter? Die Vertreter des Umweltausschusses hatten das Schreiben des RP erst kurz vor der Sitzung zur Kenntnisnahme erhalten. Der Vorsitzende dieses Gremiums, Horst-Günter Herold (FDP), regte an, das Thema weiter zu beraten. Leo Vanecek trug mit zahlreichen Fotos noch einmal vor, warum er als Biologe die Eppenau für schützenswert hält, und hob dabei vor allem die ökologische Bedeutung des Kasselbachs hervor, um den sich Vanecek als "Bachpate" zusammen mit der Astrid-Lindgren-Schule kümmert.

Die Antragstellerin Marion Schardt-Sauer (FDP) hatte sich in der Begründung zum Antrag noch optimistisch gezeigt, dass die Eppenau Landschaftschutzgebiet werden könne, weil diese "alle drei Schutzfunktionen zugleich" erfülle. Der Kasselbach zeichne sich durch seine Mäander und von den Mäandern abgetrennten Altwasser mit ihrer besonderen Flora aus. Nur rund 250 Meter hinter der Astrid-Lindgren-Schule beginne "ein Areal mit urwaldähnlichem Charakter" mit Erlen, Weiden und einigen Ahornarten. Übrigens kann jeder Bürger einen Antrag auf die Ausweisung eines Landschaftsschutzgebiets beim RP in Gießen stellen. Es bedarf also keines besonderen politischen Beschlusses.

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