Das historische Foto zeigt den im Jahre 1905 eingeweihten Neubau des St.-Vincenz-Krankenhauses an der Straße Am Huttig, der bis 1972 in Betrieb war.
+
Das historische Foto zeigt den im Jahre 1905 eingeweihten Neubau des St.-Vincenz-Krankenhauses an der Straße Am Huttig, der bis 1972 in Betrieb war.

Vergessene Plätze

Limburg: Erst Krankenhaus, später "Haus der Dienste"

Am Huttig entsteht bald das dritte Gebäude im Laufe von 125 Jahren.

Limburg -Die Geschichte des Limburger St.-Vincenz-Krankenhauses ist mittlerweile 170 Jahre lang. Im Oktober 1850 wurde es von dem Arzt Dr. med. Johann Anton Busch und Stadtpfarrer Dr. Johann Baptist Diehl als St.-Vincenz-Hospital am Roßmarkt gegründet. Zur Pflege der Kranken kamen Schwestern vom Mutterhaus des heiligen Vincenz von Paul in Straßburg nach Limburg. Erste Anbauten erfolgten in den Jahren 1864 bis 1867, so dass damals bis zu 50 Kranke aufgenommen werden konnten.

Das 50-jährige Bestehen wurde am 10. Oktober 1900 mit einer Dankmesse durch Bischof Dominikus Willi, dem Domkapitel und den Spitzen der Behörden gefeiert. Am Abend gaben Mitglieder des Marienvereins eine Theatervorstellung. In den ersten 50 Jahren seines Bestehens hatte das Hospital noch keinen hauptamtlichen leitenden Arzt. Bis dahin waren dort Ärzte nebenamtlich tätig.

Doch inzwischen war das Hospital am Roßmarkt für die wachsende Domstadt zu klein geworden, so dass ein vierstöckiger Neubau geplant wurde, der weitere medizinische Abteilungen aufnehmen und neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen sollte.

half beim Neubau

So entstand auf einem ehemaligen Gartengrundstück das aus rötlichen Ziegelsteinen errichtete Gebäude, das die östliche Altstadt Am Huttig zum Eschhöfer Weg begrenzte - und diesmal ein Ort unserer Serie zu den vergessenen Plätzen ist. Es wurde in den Jahren 1903 bis 1905 nach einem vom Limburger Architekten Jakob Fachinger erstellten Plan errichtet. Der nach reiflicher Beratung gefasste Beschluss, einen Neubau zu wagen, hatte der in Weilburg verstorbene Rentner Hermann Zimmermann beflügelt. Der gebürtige Limburger machte dem Hospital für diesen Zweck eine reiche Schenkung von 25 000 Mark. Damit war bei Gesamtkosten von 130 000 Mark für ein gutes Polster gesorgt.

Im ersten Stockwerk befanden sich ein großer Saal, ein Warte-, Sprech- und ein Untersuchungszimmer sowie an der Nordseite eine Pförtnerwohnung. Im zweiten Stock waren die Männerabteilung, drei Krankensäle, zwei Isolierzimmer und sechs Zimmer für Einzelkranke, die elektrische Abteilung, ein Verbands- und ein Badezimmer. Im dritten Stock befanden sich die Frauenabteilung, zwei Krankensäle, ein Kinderzimmer und sieben Einzelzimmer, ein geräumiger Operationssaal, Verbandsraum, ein Zimmer für die Röntgenapparatur sowie das Laboratorium. Im vierten Stockwerk, dem Dachgeschoss, waren 14 Zimmer und zwei Isolierzimmer vorhanden.

Bombe getroffen

An der Süd- und Ostseite waren drei Veranden angebracht. Mit der Eröffnung des neuen Krankenhauses nahm die Aufnahme der Kranken von Jahr zu Jahr zu, so dass die für die gewöhnliche Krankenpflege bestimmten Räume schon bald fast alle ständig belegt waren. Als erster hauptamtlicher Chefarzt wurde Dr. Hans angestellt.

Bei einem Fliegerangriff am Nachmittag des 19. September 1944 wurde das St.-Vincenz-Krankenhaus in der Mitte des Hauptgebäudes von einer schweren Bombe getroffen. Im Krankenhaus waren vier Tote und sechs Verletzte zu beklagen, weitere drei Tote in der Gefangenenbaracke, die neben dem Krankenhaus für kranke und verwundete Soldaten errichtet worden war. Nach der baulichen Wiederherstellung standen 175 Betten zur Verfügung.

Am 9. August 1972 war der Umzug des St.-Vincenz-Hospitals vom Huttig/Roßmarkt in die neuen Gebäude auf dem Schafsberg beendet. 1973 wurde das stadtbildprägende, nahe er Lahn stehende Gebäude abgerissen. In der Folge errichtete das Bistum an gleicher Stelle einen Neubau, der als "Haus der Dienste" bekannt wurde und verschiedene Aufgabenbereiche der Bistumsverwaltung aufnahm.

Doch auch dieses Gebäude, das wegen seines Haupteingangs die Anschrift "Roßmarkt 12" trägt, ist keine Zukunft beschieden. Wie das Bauamt der Diözese im November vorigen Jahres mitgeteilt hat, weist die Bausubstanz massive konstruktive, brandschutztechnische und energetische Defizite auf. Deshalb sei das Haus in großen Teilen sanierungsbedürftig. Auch die technischen Anlagen seien veraltet, so dass es in einem Fünfjahresplan zugunsten eines neuen Verwaltungsgebäudes abgebrochen werden soll.

Dieter Fluck

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare