E-Bus eCitaro und (von links): Michael Wolf, Hicham Azzou, Dirk Plate, Michael Rinnert, Timo Medenbach und Erster Stadtrat Michael Stanke.
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Gemeinsame Testfahrt des vollelektrischen Mercedes-Benz eCitaro in Limburg am ZOB am Hauptbahnhof (von links): Michael Wolf, Hicham Azzou, Dirk Plate, Michael Rinnert, Timo Medenbach und Erster Stadtrat Michael Stanke.

E-Mobilität

E-Bus in Limburg getestet - Reichweite noch nicht ausreichend

In Limburg wurde erstmals ein vollelektrischer Stadtlinienbus getestet. Beim Test mit dem E-Bus im Stadtverkehr bereitet die Reichweite allerdings noch Sorgen.

Limburg - Das regionale Busunternehmen Medenbach Traffic und die Verkehrsgesellschaft Lahn-Dill-Weil mbH (VLDW) haben erstmals einen vollelektrischen Stadtlinienbus in und um Limburg getestet. Das Fazit aller Beteiligten ist positiv ausgefallen. Im Jahr 2024/25 wird der Limburger Stadtverkehr neu aufgestellt, weshalb umweltfreundliche Antriebe getestet werden sollen.

Doch der Reihe nach: Limburg war schon 2016 in aller Munde, war es doch die einzige Kleinstadt Deutschlands, in dem die durchschnittlichen Stickoxidemissionen von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft regelmäßig überschritten und die Grenzstadt zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz mit rund 30.000 Einwohnern zu einer der zehn "Intensivstädte" gezählt wurde. Vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof steht die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land Hessen und den von ihm erlassenen Luftreinhalteplan an, der Stadt mit vielen neuralgischen Verkehrsknotenpunkten drohte dabei immer noch ein Dieselfahrverbot.

E-Mobilität in Limburg: Erste Testfahrt noch nicht zufriedenstellend

Vor zwei Jahren wurde aufgrund dieser Situation ein "Green City Plan" beschlossen, der die Grundlage für Bundesförderungen nach dem Programm "Saubere Luft 2020" ist. Laut der Analyse dieses Dokuments ist der Busverkehr mit 18,2 Prozent "für einen signifikanten Anteil der NO2-Emissionen verantwortlich". 2017 wurde im Sinne der digitalen Verkehrsführung ein Verkehrsleitrechner in Betrieb genommen, darüber hinaus ist ein digitales Mobilitätsportal in Umsetzung. Mit hoher Priorität sieht der Plan vor, bis 2024 die Stadtlinien "vollständig mit Bussen mit alternativem Antrieb durchzuführen." Hierdurch könnten im besten Falle bis zu 1420 Kilogramm Stickstoffdioxid pro Jahr eingespart werden.

Seit 2017 verfügt Limburg als eine der wenigen Städte Deutschlands bereits über eine Wasserstofftankstelle in unmittelbarer Nähe der BAB-Anschlussstelle ICE/Limburg Süd, die aber bisher nicht für den ÖPNV genutzt wird. Den Einsatz von Elektrobussen sieht der "Green City Plan" durchaus positiv: "Das kompakte Stadtliniennetz mit zentralem Knoten- und Rendezvouspunkt (ZOB West) eignet sich auch für den Einsatz von Elektrobussen, die entweder am ZOB zwischen- oder über Nacht im Betriebshof vollständig geladen werden können."

Limburg: E-Busse auch für Überlandfahrten im Gespräch

Erster Stadtrat Michael Stanke erläuterte die Prioritäten der Stadt für den ÖPNV an Bord des Test-Busses: "Die Stadtlinie ist in der Umsetzung unserer Maßnahmen zur Luftreinhaltung eine tragende Säule, wir wollen das ÖPNV-Angebot weiter ausbauen. Ab 2024, wenn die Verkehrsleistungen für die Stadtlinie neu ausgeschrieben werden müssen, würden wir den Busverkehr gerne auf völlig neue Räder stellen. Zurzeit lässt sich jedoch noch nicht sagen, welche Technologie hier ausgeschrieben werden wird. Neben Elektrobussen sind auch Erdgas- oder Wasserstoffbusse denkbar." Auch der Einsatz weiter verbesserter Dieseltechnologie sei nicht gänzlich auszuschließen.

Erstmals wurde nun ein moderner, seit Ende 2018 auf dem Markt befindlicher Elektrobus "eCitaro" der Marke Mercedes-Benz vom VLDW und das von der Verkehrsgesellschaft beauftragten Busunternehmen Medenbach Traffic GmbH aus Weilburg-Hirschhausen getestet. Der Fokus des einwöchigen Tests lag dabei nicht nur auf dem Stadtverkehr, sondern auch auf regionalen Linien, die das Unternehmen mit seinen 100 Bussen und rund 140 Mitarbeitern an drei Standorten, darunter auch einer in Limburg-Dietkirchen, überwiegend bedient. Timo Medenbach, Prokurist bei Medenbach Traffic, erläutert den Testeinsatz: "Wir wollten auch die Praxistauglichkeit auf Überlandlinien erproben." Neben einer Testfahrt wurde das Fahrzeug auch auf der etwa 20 Kilometer langen Linie LM-68 von Weilburg nach Mengerskirchen unter normalen Praxisbedingungen mit Fahrgästen getestet. Insgesamt wurden rund 200 Kilometer mit dem Bus im Praxiseinsatz zurückgelegt. "Die anspruchsvolle Topografie war dabei zu keinem Zeitpunkt ein Problem für das Fahrzeug, zudem waren die Fahrer von der nachhaltigen Kraftentfaltung und der Geräuscharmut angetan", so Medenbach. "Die Reichweite des eingesetzten 292 kWh-Batteriepakets von rund 200 Kilometern wäre für die meisten Einsatzprofile unserer Überlandlinien leider nur bedingt ausreichend, jedoch erwarten wir hier deutliche Verbesserungen in der Zukunft." og

Auch in Offenbach kommt jetzt der erste E-Bus zum Einsatz. Dort plant man bis Ende 2021 36 E-Fahrzeuge einzusetzen. *op-online ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionszentrums.

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