Ein knappes Dutzend: Das Team der Bike Villa aus Limburg.
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Ein knappes Dutzend: Das Team der Bike Villa aus Limburg.

Hohe Nachfrage

Fahrrad-Boom hält auch 2021 an – Händler kämpfen mit Liefer-Engpässen

  • vonTobias Ketter
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Fahrräder sind weiterhin extrem beliebt. Die Pandemie hat den Trend weiter befeuert. Das stellt die Händler aber auch vor große Probleme.

Limburg - Strahlender Sonnenschein und Temperaturen von bis zu 20 Grad. An dem ein oder anderen Tag hat der Frühling in den vergangenen Wochen seine schöne Seite gezeigt. Bei vielen Bürgern steigt dadurch die Lust auf Aktivitäten im Freien. Zahlreiche Menschen schwingen sich bei gutem Wetter nun wieder auf ihr Fahrrad, um die schönen Flecken der Region zu erkunden. Radfahren liegt zweifelsohne im Trend. Die Händler und Werkstätten können sich vor Anfragen kaum retten. Doch wie läuft der Verkauf trotz Kontaktbeschränkungen in Zeiten der Corona-Krise? Und wie sehen die Zukunftsaussichten der Branche aus? Diese Zeitung hat mit vier Händlern aus dem Landkreis Limburg-Weilburg gesprochen.

Fahrrad-Boom: Nachfrage größer als das Angebot

Bike Villa in Limburg: "Die Nachfrage ist deutlich größer als das derzeitige Angebot", sagt Sascha Haußmann, Geschäftsführer der Bike Villa in Limburg. Aufgrund der Corona-Einschränkungen können in dem Geschäft jedoch bestellte Fahrräder momentan nur nach Terminvereinbarung abgeholt werden. Die Verkaufsfläche des Ladens ist wegen des Lockdowns geschlossen. Deshalb findet aktuell auch kein Zubehörverkauf statt. Die Werkstatt der Bike Villa ist hingegen geöffnet. Sie sei derzeit stark ausgelastet. Wer sein Fahrrad wegen einer Reparatur dort vorbeibringen will oder eine Inspektion machen lassen möchte, muss zuvor einen Termin vereinbaren. "Trotz der Pandemie beraten wir unsere Kunden darüber hinaus natürlich so gut wir können", sagt Haußmann. Die Gespräche finden per Telefon oder in Videokonferenzen statt. Auch über einen Smartphone-Messenger können Fragen rund um das Fahrrad an die 25 Mitarbeiter der Bike Villa gestellt werden.

"Die Lieferfähigkeit ist momentan katastrophal", klagt der Geschäftsführer. Die Hersteller kämen unter anderem mit der Lieferung von Schaltwerken und Bremsen nicht nach. Haußmann rechnet damit, dass der "Mangelzustand" noch mindestens bis Mitte 2022 anhalten wird. Deshalb müssen die Kunden mit Wartezeiten rechnen. "Von der Bestellung eines Fahrrades, bis zu Lieferung kann es schon mal einige Monate dauern", so Haußmann. Die meisten Menschen hätten dafür aber Verständnis. Allerdings seien besonders ältere Personen manchmal ungeduldig.

Fahrrad-Händler: E-Bikes besonders beliebt

Laut dem Geschäftsführer der Bike-Villa seien nach wie vor E-Bikes besonders beliebt. Sechs bis zwölf dieser Räder, die zuvor bestellt wurden, werden in dem Limburger Geschäft pro Woche von den Kunden abgeholt. "Trotz der Krise sind die Leute auch weiterhin bereit, Geld auszugeben", sagt Haußmann. Er begründet den Fahrrad-Boom unter anderem mit den derzeit kaum vorhanden Alternativen. "Die Leute fahren wegen Corona nicht in den Urlaub und sie suchen sich dann andere Beschäftigungen wie das Radfahren." Auch das Berufspendeln mit dem Fahrrad habe "extrem zugenommen". Haußmann rechnet damit, dass das Interesse am Radsport auch nach der Pandemie anhalten wird. "Eventuell gibt es zwar ab 2023 einen kleinen Nachfrageeinbruch, aber das Fahrrad bleibt auch nach der Krise im Trend", prophezeit der Geschäftsführer.

Martins Radl Werkstatt in Bad Camberg: In dem Laden gibt es jede Menge zu tun. Der Fahrrad-Boom sei durch die E-Bike-Entwicklung ausgelöstet worden, berichtet Inhaber Martin Uhl. Die Corona-Krise habe den Aufschwung der Branche dann noch weiter beflügelt. Besonders Pedelecs, Mountainbikes und Trekking-Räder seien gefragt. Uhl verkaufe nach eigenen Angaben rund zehn E-Bikes pro Woche.

"In meinem Laden werden die gesetzlichen Corona-Bestimmungen strikt eingehalten", betont er. Beratungen gebe es nur per Telefon und Kunden könnten sich auf der Homepage detailliert informieren. "Da Fahrradläden als systemrelevant gelten, hat unsere Werkstatt aber auf", erklärt der Geschäftsführer.

Radsport liegt weltweit im Trend

Uhl hat auch mit Lieferproblemen zu kämpfen. "Weil der Radsport weltweit im Trend liegt und die Nachfrage überall steigt, können Ersatzteile mitunter nicht schnell genug produziert werden", sagt er. Derzeit sei sein Laden noch gut aufgestellt und Reparaturen könnten zügig erledigt werden. "Aber ab August wird es eng, weil dann die einige Teil ausgehen", befürchtet Uhl. Er tausche benötigte Ersatzteile mit anderen Händlern aus. So könne der gute Service noch gewährleistet werden. Mit einer Entspannung der Liefersituation rechnet der Inhaber von Martins Radl Werkstatt erst ab dem Jahr 2023. Deshalb müssten alle Kunden in den kommenden Monaten viel Geduld mitbringen.

Insgesamt fünf Mitarbeiter beschäftigt Uhl in seinem Laden. "Natürlich fällt durch die hohe Nachfrage etwas Mehrarbeit an, aber die Überstunden halten sich noch im Rahmen", sagt er. "Der viele Stress wird wahrscheinlich etwas nachlassen, sobald die Menschen wieder reisen dürfen."

Fachhändler nicht auf den Corona-Ansturm vorbereitet

Radsport Gläser in Niederbrechen: Auch im Radsportgeschäft Gläser gibt es viel Arbeit. Der Druck habe in den vergangenen Monaten enorm zugenommen, da man nicht auf den "Corona-Ansturm" vorbereitet gewesen sei, sagt Junior-Chef Marius Gläser. Die vier Mitarbeiter hätten allerhand zu tun und die Geschäftsführung mache nahezu täglich Überstunden.

"Bereits zu Beginn dieses Jahres haben viele Leute ein Fahrrad gekauft, weil sie schlichtweg in 2020 keines mehr bekommen haben", so Gläser. Er ist der Meinung, dass die Entwicklung der E-Bikes hauptverantwortlich für die hohe Nachfrage sei. "Die Produkte sind nun technisch ausgereift und bringen jede Menge Spaß." Die Corona-Krise habe freilich wie ein "zusätzlicher Brandbeschleuniger" gewirkt. "Mittlerweile kaufen bei uns Kunden jeder Altersklasse", sagt der Junior-Chef.

Beim Radkauf ist Geduld gefragt

Marius Gläser halte sich nach eigenen Angaben genauestens an die Pandemie-Bestimmungen. Informationen rund um das Fahrrad können Kunden per Telefon und im Internet einholen. Die Werkstatt des Radsportladens Gläser hat geöffnet. Vor einer Reparatur müssen die Kunden allerdings auch dort einen Termin vereinbaren.

Aufgrund von langen Lieferzeiten ist Geduld gefragt. "Die Wartezeit bei einem Radkauf hängt von dem gewählten Modell ab", sagt Marius Gläser. Wer dieses Jahr noch mit einem neuen Fahrrad unterwegs sein möchte, müsse sich aber sofort um den Erwerb kümmern. Gläser ist davon überzeugt, dass die Branche auch nach Corona eine sehr gute Perspektive habe. "Die Art der Mobilität verändert sich immer weiter. Die Leute werden zukünftig vermehrt zum Rad greifen", sagt er.

Fahrrad-Boom: Auch Kinderräder hoch im Kurs

2-Rad-Völker in Schadeck: Fahrradhändler Alexander Völker setzt auf "Klasse statt Masse". Er betreibt den Laden 2-Rad-Völker im Runkeler Stadtteil Schadeck. "Wir nehmen uns trotz der hohen Nachfrage viel Zeit für die Kunden und verkaufen nur spezielle Markenprodukte", sagt der Geschäftsführer. Deshalb reiche sein Kundenstamm sogar bis nach Koblenz und Bad Schwalbach. Fünf bis zehn Räder verkaufe er pro Monat. Neben E-Bikes seien auch Kinderräder gefragt.

Kunden, die ihr Fahrrad reparieren lassen wollen, müssen sich zuvor anmelden. "Wir vergeben dann die Termine in großzügigen Abständen, so dass es nicht zu Überschneidungen kommt", erklärt der Inhaber. Die Maßnahme will er auch nach der Pandemie beibehalten. "Dadurch können wir uns mehr Zeit für die Kunden nehmen und einen besseren Service bieten."

Die Auswahl bei 2-Rad-Völker sei derzeit wegen der Lieferengpässe begrenzt. "Wir haben kein Mehraufwand, weil kaum Material verfügbar ist", sagt Völker. Dennoch gebe es in der Werkstatt des kleinen Betriebes einiges zu tun. Der Fahrrad-Boom halte zweifelsohne auch in diesem Jahr an. "Bereits im Februar war die Hölle los", so der Geschäftsführer. Wer sein Fahrrad jetzt für den Sommer fit machen lassen will oder einen Inspektionstermin vereinbaren möchte, müsse mit einer Wartezeit von bis zu sechs Wochen rechnen. (Tobias Ketter)

Radfahren in Limburg ist nicht immer ein Vergnügen. Das ist bei einem Selbsttest im Stadtgebiet von Limburg deutlich geworden.

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