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Unser Mitarbeiter Dieter Fluck auf Testfahrt mit dem Fahrrad durch Limburg. Dabei gilt es einige Klippen zu umfahren.

Verkehr

Mit dem Rad durch die Stadt: Nichts für schwache Nerven

Ein Test: Wer mit dem Drahtesel in Limburg unterwegs ist, trifft auf viele Hindernisse.

Limburg – Das Radfahren gilt als einer der Heilsbringer in der Umweltpolitik. In Limburg soll es dazu beitragen, Diesel-Fahrverbote zu verhindern. Doch wie ist die Situation auf den Straßen der Domstadt? Unser Mitarbeiter Dieter Fluck hat es ausprobiert:

Ich zähle mich nicht zu den Profis der Fahrradfahrer und mit meinen Pedalen werde ich nicht das ökologische Gleichgewicht in der Welt wieder herstellen. Da ich nur dann und wann einmal auf meinem „Pegasus“ ohne Schadstoffausstoß und elektrischen Antrieb unterwegs bin, vielleicht fällt mir gerade deshalb noch auf, was Vielfahrer gar nicht mehr registrieren, da es für sie zum Alltagserleben gehört.

Fehlende Fahrradwege - Testfahrt mit dem Fahrrad durch Limburg startet holprig

Es ist ein ganz normaler Montag. Mein Ziel ist der Hauptfriedhof am Schafsberg. Um aus der Südstadt vom markierten Fahrradweg der Holzheimer Straße auf den Rad- und Fußweg entlang der Industriestraße zu gelangen, radle ich die Verbindungsstraße „Im großen Rohr“ abwärts in Richtung Diez. Da es an dieser stark und besonders schnell befahrenen Straße keinen Fahrradweg gibt, fahre ich am rechten Rand über den geteerten Flickenteppich der ehemals aufgerissenen Fahrbahn und habe am Ende ein durchmassiertes Hinterteil und in den Armen die Symptome einer Schüttellähmung. Ein mutiger Testlauf. Ich wundere mich, was ein Fahrrad doch alles aushalten kann.

Dafür werde ich nun mit einem breiten Rad- und Gehweg super entschädigt. Nach etwa 300 Metern Industriestraße steht ein roter Pkw in Fahrtrichtung Limburg auf der ganzen Breite meines Weges. Die Frau am Steuer schaut mich entgeistert an als wolle sie sagen: „Was will der denn hier?“ Ich rufe in die offene Seitenscheibe: „Das ist ein Rad- und Gehweg!“ Dann komme ich an den Diezer Kreisverkehr, wo ich die Fahrbahn queren muss, weil der Fahrradweg auf der Gegenseite fortgesetzt wird. Wenige Meter hinter dem Kreisel tauchen Autos von der Werner-von-Siemens-Straße aus der unübersichtlichen Kurve mit respektablem Tempo vor mir auf. Wenn man meint, jetzt geht‘s, ist plötzlich wieder einer da. Mit Glück und Geschick gelingt es mir, mit dem Rad auf der Übergangshilfe für Fußgänger anzukommen, wo eine Pkw-Fahrerin in Richtung Diez mit Tempo vor mir vorbeirauscht.

Mit dem Rad durch Limburg - Autos und Fußgänger auf dem Fahrradweg

Froh, auch diese Klippe unbeschadet gemeistert zu haben, führt mein Radweg unter der Eisenbahnstrecke hindurch in die Limburger Straße. Auf dem großzügig ausgebauten, für Fußgänger und Radfahrer deutlich markierten und ausgeschilderten Kombi-Weg spaziert entlang der JVA ein älterer Herr mit prall gefüllter Einkaufstasche mitten auf dem Fahrradweg. Ich überhole ihn über den Fußgängerweg und rufe ihm zu: „Sie sind auf dem Radweg!“ In der Limburger Straße aufwärts steht mitten auf dem Radweg eine große graue Mülltonne, die es zu umkurven gilt. Dem Besitzer scheint der Standort egal zu sein. Am Friedhofseingang angekommen: Kein Fahrradständer. Das Radfahren auf dem Friedhof ist untersagt, also schiebe ich.

Meine Rückfahrt in die Südstadt führt abwärts vom Schafsberg über die Adelheidstraße. Kurz hinter dem Kreisverkehr geht es in die Parkstraße. Dort werden Fahrradfahrer mit einem Pfeil in eine schmale Spur neben dem Bürgersteig geleitet und stehen dann vor dort abgestellten Autos. „Merkwürdig“, denke ich und weiche auf die Einbahnstraße aus, die Radfahrer im Gegenverkehr befahren dürfen. Gott sei Dank, dieses Mal kommt keiner aus der Walderdorffstraße, wo einem Autofahrer sonst in einem großen Bogen entgegenkommen. Kurz darauf muss ich absteigen. Die Fahrbahn ist durch beidseitig stehende Autos so eng, dass mir ein Lieferwagen die Weiterfahrt unmöglich macht.

In der Fußgängerunterführung am Bahnhof ist Absteigen angeordnet. Ich schiebe mein Rad die Rampe an der Südseite hoch, die auch von Eltern mit Kinderwagen und Senioren mit Rollatoren genutzt wird, als zwei flotte Radfahrer von hinten Schwung nehmen, um die Steigung zu meistern. Das dortige Fahrverbot schert sie nicht.

Gefahr für Fahrradfahrer in Limburg: Lastwagen benutzen die Fahrradwege mit

Nun stehe ich an der markierten Fahrradspur „Im Schlenkert“. Als mich zwei große Lkw passieren, die hintereinander die Fahrradspur mitnutzen, um sich mit dem Gegenverkehr zu arrangieren, ist mir der Mut vergangen, mich dort auf diese schmale Spur zu begeben. Ich denke mir, die Gefahr, dort von einem Lkw gestreift zu werden und auf die Fahrbahn zu stürzen, ist um ein Vielfaches größer als auf dem Neumarkt vom herunterfallenden Ast einer Platane getroffen zu werden.

Also schiebe ich mein Rad auf dem Bürgersteig über den Schlenkert und wähne mich glücklich, endlich fernab von Lärm und Abgasen das erholsame Grün des Tal Josaphats genießen zu können. Zwei Drittel im Tal entspannt geradelt, düst ein Pkw von hinten heran. Ein Anwohner hatte es hörbar eilig. Auf dem engen Weg bleibt mir keine andere Wahl als am Rand zwischen den Bäumen abzusteigen.

Mit dem Fahrrad durch Limburg - Mit der Rücksicht der Autofahrer kann man nicht rechnen

Endlich, nach gefühlten Minuten, ist es möglich, vom Tal Josaphat über die Wiesbadener Straße den gegenüberliegenden Geh- und Fahrradweg zu erreichen, der mich ungestört bis hinter das Linterer Ortsschild führt. Ich muss eine Vollbremsung machen und absteigen. An der Ausfahrt der Tankstelle übersieht mich eine Autofahrerin, die sichtlich erschreckt. Dank meiner schnellen Reaktion ist alles noch einmal gut gegangen.

Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern, als ich in Linter vom Radweg nach rechts in die Grabenstraße einbiege. Ein Auto taucht plötzlich auf meiner Fahrbahn auf. In der unübersichtlichen Kurve umfährt der Fahrer zwei dort abgestellte Pkw. Macht ja nix, ich kann ja aufpassen und bremsen und muss einmal mehr schnell absteigen. Nach einer Weile erreiche ich die Felder von Linter. Zurück in der Südstadt stelle ich fest, dass es mir unter Einsatz meines Lebens gelungen ist, einen kleinen aber feinen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes geleistet zu haben. (Dieter Fluck)

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