Forstarbeiten im Tal Josaphat: Revierförsterin Nadine Ströbele (von links), Jörg Ahner, Leiter des Forstamts Weilmünster, Alex Hupp und Max Felden.
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Forstarbeiten im Tal Josaphat: Revierförsterin Nadine Ströbele (von links), Jörg Ahner, Leiter des Forstamts Weilmünster, Alex Hupp und Max Felden.

Der kranke Wald

Limburg: Forstamt fällt im Tal Josaphat tote Fichten

  • vonTobias Ketter
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Bevölkerung soll geschützt werden - Dürre und Borkenkäfer bereiten Sorgen

Limburg -Laute Kettensägen, abgesperrte Wege und umfallende Bäume. Wer in den vergangenen Tagen im Limburger Tal Josaphat unterwegs war, konnte Mitarbeiter des Forstamts Weilmünster, das auch für die Kreisstadt zuständig ist, bei der Arbeit beobachten. An den Wegen zwischen dem Spielplatz und der B 8 wurden einige Bäume gefällt, um die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer weiterhin zu gewährleisten.

"Wir mussten viele Fichten und einige andere Baumarten fällen, da diese durch Dürreperioden geschwächt waren und sich der Borkenkäfer eingenistet hatte", sagt Revierförsterin Nadine Ströbele. Durch den Insektenbefall seien die betroffenen Bäume alle abgestorben. Man habe sie entfernt, da die toten Pflanzen umbrechen und Menschen in Gefahr bringen könnten. "Es zieht die Leute immer mehr in den Wald, und wir möchten sie vor möglichen Risiken schützen", sagt Jörg Ahner, Leiter des Forstamts Weilmünster. Deshalb wurden insgesamt 30 bis 40 "dicke Bäume" gefällt. Hinzu kamen noch einige besonders dürre und dünne Exemplare, die nahe des Kreuzweges, der vom Tal Josaphat zur Kreuzkapelle auf dem Greifenberg führt, standen.

Zwei Forstwirte waren in den vergangenen drei Tagen im Tal Josaphat im Einsatz. Ein weiterer Mitarbeiter des Forstamts kümmerte sich um das Verladen und den Abtransport. Die Tätigkeiten liefen allerdings nicht ohne Komplikationen ab. "In vielen Bäumen war Draht eingewachsen, der die Arbeit mit der Kettensäge erschwerte", sagt Ahner. Darüber hinaus seien immer wieder Radfahrer und Fußgänger vorbeigekommen, die trotz der Absperrungen die betroffenen Wege nutzten. "Leider begegnen wir oft Menschen, die die Sperrungen nicht ernst nehmen und sie ignorieren", klagt Ströbele. Die Mitarbeiter müssten sich laut der Revierförsterin immer wieder "Anpöbelungen" gefallen lassen. "Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist einfach sehr gering." In Gesprächen mit den Bürgern versucht das Forstamt aufzuklären und den Leuten bewusst zu machen, warum die Bäume gefällt werden müssen. Das stoße auf ein geteiltes Echo. "Manchmal verstehen sie dann, dass die Arbeiten nötig sind, aber hin und wieder wollen sie die Gründe einfach nicht wahrhaben", sagt Ströbele.

Langfristig

denken

Das Hauptziel des Forstamtes sei es, die Wälder in einem guten Zustand zu bringen. "Damit das gelingt, müssen wir langfristig denken", sagt die Revierförsterin. Es sei vor wenigen Jahren aber noch nicht abzusehen gewesen, dass sich der Klimawandel nun schon so stark bemerkbar mache. Um die Wälder in der Region vor weiteren Dürreperioden zu schützen, will das Forstamt zukünftig mit Mischbeständen aufforsten. Im Tal Josaphat gebe es dabei keine allzu strengen Auflagen, so dass dort bald Zedern und sogar Mammutbäume wachsen sollen. "An einigen Standorten werden auch Eichen angepflanzt, die mit dem Klimawandel recht gut zurecht kommen", sagt Ströbele. Außerdem seien Hainbuchen, Linden, Ulmen, Nuss- und Kastanienbäume sowie Douglasien und Thujen recht resistent gegen die Dürreperioden. "Deshalb werden auch diese Gewächse seit einiger Zeit vermehrt angepflanzt", so die Revierförsterin.

Bei der Aufforstung muss noch ein weiter Aspekt beachtet werden: "Es gibt einige Arten, die zwar mit der Dürre klarkommen, aber denen der Frost, den wir hierzulande auch noch haben, viel ausmacht", erklärt Ahner.

Forstarbeiten wie im Tal Josaphat wurden in den vergangenen Monaten an vielen Orten in Limburg und Umgebung durchgeführt. "Seit etwa einem Jahr nimmt der Verkehrssicherung besonders viel Zeit in Anspruch", sagen Ahner und Ströbele übereinstimmend. Unter anderem hat es deshalb Fällungen im Linterer Wäldchen und auf dem Schafsberg gegeben. In der kommenden Woche werden die Forstarbeiten zum Schutz der Bevölkerung im Eduard-Horn-Park fortgesetzt. Und auch an dem Radweg in Lindenholzhausen sollen abgestorbene Bäume gefällt werden.

Bei all den Arbeiten sind dem Forstamt Weilmünster drei Punkte besonders wichtig. "Zum einen darf der soziale Aspekt, also die Nutzung des Waldes, nicht zu kurz kommen", sagt Ströbele. Außerdem legen sie und ihre Mitarbeiter größten Wert auf den Naturschutz. Und auch die Wirtschaftlichkeit der Forstarbeiten müsse berücksichtigt werden. "Es ist positiv zu bewerten, dass für die Stadtverwaltung in Limburg die sozialen Aspekte und der Naturschutz Vorrang haben", freut sich die Revierförsterin. Sie ist der Meinung, dass alle Bürger etwas gegen das Waldsterben tun können. Der Mensch sei für den Klimawandel zumindest mitverantwortlich und mit einer umweltbewussten Lebensweise habe jeder die Möglichkeit, sich für die Natur einzusetzen. tobias ketter

Viele Bäume im Tal Josaphat sind mit Draht durchzogen. Das sorgt für Schwierigkeiten beim Fällen der Bäume.

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