Nur wenn er alleine im Friseursalon ist und saubermacht, kann Vittorio Demasi den Mund-Nasenschutz absetzen.
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Nur wenn er alleine im Friseursalon ist und saubermacht, kann Vittorio Demasi den Mund-Nasenschutz absetzen.

Folgen der Corona-Einschränkungen

Limburg: Friseur hat nach Wiedereröffnung alle Hände voll zu tun

Langsam kehrt im Salon wieder Normalität ein. Die Hygieneregeln aber bleiben.

Limburg -Manch dichtfreudiger Zeitgenosse sinnierte während der Corona-Anfänge mitleidig über das Schicksal der Friseure und reimte sinnig "der Friseur hats jetzt schwör...". Da hatte er sicher recht. Nachdem dem Coronavirus SARS-CoV-2 aber gerade im NNP-Land straff die Zügel angelegt wurden, hat sich diese Erkenntnis glücklicherweise schnell wieder relativiert. Die Friseure dürfen wieder arbeiten. Vorsicht und äußerste Hygienemaßnahmen sind allerdings nach wie vor das Gebot der Stunde. Das meint auch Vittorio Demasi, der 2019 in der Domstadt sein Friseurgeschäft eröffnet hat. "So langsam pendelt sich bei uns wieder Normalität ein", freut er sich.

Das wurde aber auch Zeit. Nach sechswöchiger Zwangsschließung hat er, genau wie viele, viele andere Kollegen, in den ersten beiden Wochen seit Wiedereröffnung der Friseursalons fast im Akkord gearbeitet. Jede Menge Locken waren zu bändigen, Köpfe zu scheren, Haarfarben zu erneuern, aktuelle Schnitte zu erproben und Sommerfrisuren zu zaubern. Oft hat er zehn Stunden am Tag gearbeitet - um seine manchmal auch recht ungeduldigen Kunden wieder zu verschönen.

Haare reichten meist

bis über die Ohren

Dabei gab es auch viele lustige Momente. "Manche meiner Stammkunden haben sich selbst mal ein bisschen die Haare geschnitten, vor allem Männer", schmunzelt der 43-jährige Wahl-Limburger, "da mussten wir im Endeffekt die Frisur ändern und nach Friseuralternativen suchen! Das ging aber immer gut und der Kunde und ich hatten immer viel Spaß dabei! Jedenfalls hatte fast jeder Kunde Haare, die weit über die Ohren gewachsen sind!"

Auch während der Wochen, in denen die Geschäfte schließen mussten, hatten viele Stammkunden schon Verbindung zu ihm aufgenommen. "Glücklicherweise hatte ich meine Nummer auf das Handy umgeleitet und war erreichbar", erzählt der Friseurmeister. Seine Kunden forderten ihn allerdings nicht auf, trotz des Verbots Haare zu schneiden, sondern baten schlicht um Tipps, wie sie sich selbst helfen konnten. Sie suchten beispielsweise eine passende Farbe und das richtige Mittel, um die grauen Haare zu verdecken oder baten um Tipps für Pflegeprodukte.

Natürlich muss auch der Friseurmeister aus der Diezer Straße 17 bis 19 jetzt den ganzen Tag mit Maske arbeiten. Schön ist das nicht, aber Vittorio Demasi kommt ganz gut damit zurecht. Er hat das Glück, großzügige Räumlichkeiten zur Verfügung zu haben. Dadurch muss er auch keine Trennwände aufstellen. Zudem ist die Tür fast immer geöffnet, so dass überall frische Luft ist. Und da er alleine arbeitet, ist seine Arbeit auch während Corona relativ unkompliziert. "Für viele Kollegen ist die Situation deutlich anstrengender", bedauert er, "wer kleine Räume und Personal hat, hat auch mehr Unkosten als früher. Die Arbeit unter der Maske ermüdet schon".

Bewirtung ist jetzt nicht mehr möglich, auch Zeitungen sollen nicht mehr ausgelegt werden. Vittorio Demasi hat stattdessen einen Fernseher laufen, "so können sich die Kunden wenigstens ein bisschen über die aktuelle Mode informieren", so seine Überlegung.

Zu den zahlreichen neuen Auflagen gehört auch das unbedingte Haarewaschen. Trockenschnitte sind nicht mehr möglich, Kundinnen und Kunden dürfen sich derzeit außerdem die Haare nicht selbst föhnen, um den Kontakt mit Geräten so gering wie möglich zu halten. Und natürlich muss immer wieder und wieder desinfiziert werden.

Die sogenannten "gesichtsnahen Dienstleistungen", wie Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege, sind neuerdings wieder erlaubt, allerdings nur unter denselben strengen Bedingungen wie in Kosmetikstudios, also mit Atemschutzmaske ohne Ausatemventil. Und trotzdem ist die Stimmung gut. "Ich freue mich, dass ich wieder arbeiten kann", betont der Friseurmeister und berichtet, dass viele Kunden die Einschränkungen auch mit einem Lächeln hinnehmen - Hauptsache, die Haare sitzen wieder so, wie sie es gerne haben. Anette in Concas

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