Der Angeklagte Brunhold S. sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal neben seinem Anwalt, Oliver Guski (links), und verdeckt sein Gesicht mit einer schwarzen Computerschutzhülle.
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Der Angeklagte Brunhold S. sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal neben seinem Anwalt, Oliver Guski (links), und verdeckt sein Gesicht mit einer schwarzen Computerschutzhülle.

Prozess in Limburg

Mord und Aufforderung zum Suizid: „Für mich klang er vertrauenswürdig“

Brunhold S. ist in Limburg angeklagt, Frauen in den Suizid getrieben zu haben. Eine Zeugin erinnert sich vor Gericht, wie sie sich unter seiner Anleitung fast das Leben nahm.

Limburg - Der vor dem Limburger Landgericht geführte Mordprozess gegen den 63-jährigen Brunold S. aus Löhnberg ist bis in den Januar hinein mit mehreren Verhandlungstagen pro Woche angesetzt. Doch statt der geplanten vier Prozesstage fand vergangene Woche nur einer statt. Man gehe auf Nummer sicher, so der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Janisch. Einerseits wegen möglicher Krankheitsfälle, andererseits weil Vernehmungen ohne Druck zu führen seien: Die Zeuginnen müssten sich in eine schwierige Zeit zurückversetzen.

Dem Angeklagten, wird vorgeworfen, unter verschiedenen Identitäten psychisch labile Frauen in Online-Foren nicht nur in ihrer Selbstmordabsicht bestärkt, sondern sie so weit manipuliert zu haben, dass sie sich sogar von ihm selbst töten lassen wollten. Eine 25-jährige Frau aus Baden-Württemberg berichtete, dass sie im Frühjahr 2012 eine gerichtlich auferlegte Drogenentzugstherapie abgebrochen hatte und fürchtete, wieder in Haft genommen zu werden. Deshalb schluckte sie Schlaftabletten. Ehe diese wirkten, schaffte die Jugendliche es in ein Krankenhaus, wo sie stationär behandelt wurde. Über den Laptop einer Mitpatientin fand sie ein Internet-Forum, in dem sich Menschen über Suizidgedanken austauschen.

Mordprozess in Limburg: Angeklagter soll Frauen bedrängt haben, Suizid zu begehen

„Bernd“, bei dem es sich vermutlich um den angeklagten Brunold S. handelte, habe sich im Chat nach der Ernsthaftigkeit ihrer Todessehnsucht erkundigt und Hilfe angeboten. Mehrfach rief er sie auf dem Patiententelefon an und unterbreitete Vorschläge, wie sie schnell und schmerzlos aus dem Leben scheiden könne. Weil sie Angst hatte, dies allein zu tun, habe „Bernd“ sich als Mörder angeboten. „Für mich klang er wirklich vertrauenswürdig“, erinnert sich die Geschädigte. Einer der Vorschläge sei gewesen, dass er ihr beim Sex das Genick breche, ein anderer, dass er sie kopfüber aufhänge und ihre Kehle durchschneide. Auf jeden Fall wollte „Bernd“ vor der Tat Sex mit der Jugendlichen. „Er wollte mir das Gefühl geben, dass ich gebraucht und geliebt werde“, erläuterte die Zeugin. Nach Entlassung aus dem Krankenhaus wurde ein Treffen in Koblenz ins Auge gefasst.

Zu der Reise kam es nicht, denn die Mutter der Zeugin erwischte sie bei dem Telefonat mit „Bernd“ und stellte sie zur Rede. Die junge Frau gestand, dass sie sich töten lasse wolle. Daraufhin erstattete die Mutter Anzeige. „Das Verfahren wurde eingestellt“, erzählte sie in einer Verhandlungspause. Und dass sie froh sei, dass der Fall nun - fast zehn Jahre später - vor Gericht komme.

Mordprozess in Limburg: Anwalt stellt Glaubwürdigkeit der Zeugin infrage

Strafverteidiger Oliver Guski bezweifelte die Glaubwürdigkeit der Zeugin und führte deren psychische Erkrankungen und kriminelle Vergangenheit ins Feld. Schließlich habe die Frau im Tatzeitraum unter Drogen gestanden und sei nur zu einer eingeschränkten Wahrnehmung fähig gewesen. Seinem Antrag, die Krankenakten beizuziehen, wurde von Richter Janisch abgelehnt. Die gesetzliche Betreuerin der Geschädigten beschreibt die Frau als „Borderlinerin, wie sie im Buche steht“. Seit 2013 sei sie clean. „Sie hat sich sehr positiv entwickelt, ist verheiratet und geht einer geregelten Arbeit nach“, so die Betreuerin. Der Prozess wird am 25.Oktober 2021 fortgesetzt.

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