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Limburg: Geflüchtete danken ihren Helfern

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Von: Joachim Heidersdorf

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Geflüchtete, Helfer, Vermieter und Dolmetscherin vereint: Rechts Theo Speier von der Max-Stillger-Stiftung, daneben Judith und Axel Kunz, Tatiana Lisovska und Julia Champaert.
Geflüchtete, Helfer, Vermieter und Dolmetscherin vereint: Rechts Theo Speier von der Max-Stillger-Stiftung, daneben Judith und Axel Kunz, Tatiana Lisovska und Julia Champaert. © Privat

Max-Stillger-Stiftung und Summerfield-Kids-Foundation bringen Ukrainer zusammen - Zwölf Arbeitsplätze vermittelt

„Danke“: Das war das Wort des Tages. Bei einem „Dankeschönfest“ nicht so überraschend - und doch war es außergewöhnlich, wie oft und wie herzlich es fiel. Von Älteren und Kindern, Frauen und Männern, Geflüchteten und Helfern, Vermietern und Arbeitgebern. Die Max-Stillger-Stiftung und die Summerfield-Kids-Foundation von Matthias Distel wollten die Ukrainer in der Region zusammenbringen und sich bei allen bedanken, die bei ihrer Aufnahme und Integration mitgewirkt haben. Den Gästen aus dem vom Krieg geschundenen Land war es ein Bedürfnis, endlich auch einmal den Menschen Danke zu sagen, die sie in Sicherheit gebracht und sich in der Region um sie gekümmert haben.

Rund 120 Besucher erlebten nun im Vereinsheim der „Blauen Funker“ in Limburg gesellige und abwechslungsreiche Stunden. „Das sind für uns genau die Momente und Begegnungen, die uns in unserer Stiftungsarbeit bestärken und für die sich das Weitermachen lohnt“, so Max Stillger.

Etwa 100 Menschen werden noch betreut

Mit seiner Unterstützung hatte Matthias Distel (alias Ikke Hüftgold) vor einem halben Jahr mit 17 Bussen insgesamt 750 Menschen von der polnischen Grenze ins Nassauer Land geholt. Um rund 300, die länger in den Kreisen Limburg-Weilburg, Westerwald und Rhein-Lahn blieben, kümmerte sich die Max-Stillger-Stiftung; besorgte ihnen eine Unterkunft, die Grundausstattung Lebensmittel, Kleidung und eine Anschubfinanzierung, hielt Kontakt mit den Behörden und engagierte Dolmetscher. Inzwischen betreut Vorstandsmitglied Theo Speier noch etwa 100 Ukrainer. Die Stiftung hat laut Stillger rund 150 000 Euro an Spenden eingenommen und davon 120 000 Euro direkt weitergeleitet. Hinzu kommt eine sechsstellige Spendensumme bei der Summerfield-Kids-Foundation.

Als eine der herausragendsten Leistungen seit Bestehen der Stiftung bezeichnet Stillger die Vermittlung von zwölf Arbeitsplätzen durch Theo Speier und Thorsten Wörsdörfer, beide Vorstandsmitglieder der Stiftung. „Das ist gelebte Integration“, betonte der Unternehmer. „Wir geben diesen Menschen einen neuen Lebenssinn, eröffnen ihnen Perspektiven und entlasten nebenbei noch die Sozialkassen.“

Beim Fest erzählten die Ukrainer immer noch mitgenommen von ihrem Schicksal und erleichtert von der Hilfsbereitschaft in der Region. Zum Beispiel Tatiana Lisovska. Die 40-Jährige ist am 25. März mit ihrem Sohn Volodymyr (5) und ihrer Mutter Raisa Sobko (81) in Heiligenroth angekommen. „Wir wurden von einer Gastfamilie aufgenommen. In der Nacht erlitt meine Mutter einen Schlaganfall und musste ins Krankenhaus nach Wiesbaden eingeliefert werden. Ohne die Unterstützung der Max-Stillger-Stiftung und der Dolmetscherin wäre ich total überfordert gewesen. Ich bin der Stiftung unendlich dankbar, dass sie uns bei allen Behördengängen, bei der Wohnungssuche und am Anfang mit Lebensmittelgutscheinen so toll unterstützt hat“, sagte sie.

Die 34-jährige Ohla schilderte bewegt ihre Flucht aus Kiew: „Als am 24. Februar die Bomben fielen sagte mein Mann, ich solle mich und unsere Kinder Vika (8) und Sophia (10) in Sicherheit bringen. Wir sind zu meinen Eltern Ludmilla und Nicolai gefahren, die etwa 80 Kilometer von Kiew entfernt wohnen. Die Lage war chaotisch. Tausende auf den Straßen, alle mit nur einem Ziel - fliehen. Raus aus Kiew, weg vom Krieg. Ich stellte mich mitten auf die Straße und stoppte ein Auto. Doch auch am Wohnort meiner Eltern wütete nach wenigen Tagen der Krieg. Nur 500 Meter neben mir schlug auf dem Marktplatz eine Bombe ein und zerstörte vier Häuser. Auf dem Weg nach Polen hatten wir große Probleme. Als wir endlich mit dem Zug da waren, konnten wir mit der Summerfield-Kids-Foundation weiter in den Westerwald fahren. Dort fanden wir im Privathaus von Thorsten Wörsdörfer eine Unterkunft. Ohne sein großartiges Engagement hätten wir es nicht geschafft. Seit dem 1. April leben wir im Westerwald bei unserer tollen Gastgeberin Ursula Uhing. Sie steht uns mit Rat und Tat zur Seite und hilft uns beim Ausfüllen von Anträgen. Mittlerweile gehen die Kinder in die Schule und sind gut in die Gemeinschaft integriert. Wir sind so glücklich, dass wir hier in Sicherheit leben dürfen.“

Thorsten Wörsdörfer setzte auch alle Hebel in Bewegung, um Ohla und ihre Kinder wieder mit den ebenfalls geflohenen Eltern und Großeltern Ludmilla und Nicolai zusammenzubringen. Das Wiedersehen schildern die Beteiligten als einen „Moment, so emotional, dass er nicht in Worte zu fassen ist.“

Warum Familien Geflüchtete aufgenommen haben, erläuterte unter anderem Judith Kunz aus Runkel. „Es war uns ein Bedürfnis, Menschen in der Not zu helfen. Nach reiflicher Überlegung und langen Gesprächen, was auf uns zukommt, haben wir dann den Entschluss gefasst. Die räumliche Voraussetzung war bei uns gegeben.“ Die Kinder spielten wunderbar zusammen und die Erwachsenen hätten eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut.

Als größtes Problem nennt Judith Kunz den durch die Bürokratie bedingten riesigen Zeitaufwand. „Die Vielfalt und Komplexität der Formulare und Anträge sind für eine nicht Deutsch sprechende Person unmöglich zu bewältigen“, sagt die Vermieterin. Mit der Betreuung durch die Max-Stillger-Stiftung sei sie ebenso wie die Ukrainer sehr zufrieden.

Sieben arbeiten in einer Backstube, vier in einem Hotel

Bei „Schäfer Dein Bäcker“ arbeiten inzwischen sieben Ukrainer in Vollzeit, ein Jugendlicher hat einen 450-Euro-Job. Betriebsleiter Michael Stein sagte auf Nachfrage, dass die Firma bislang gute Erfahrungen mit den neuen Mitarbeitern gemacht hat. „Wir sind sehr zufrieden.“ Die ersten haben zum 1. Juni angefangen. Alle sind zunächst für ein Jahr befristet in der Backstube im neuen Werk im Limburger ICE-Gebiet beschäftigt, wo sie vor allem Snacks für die insgesamt 151 Fachgeschäfte zubereiten: Mehrere Frauen, ein älterer Mann, und ein 18-Jähriger, der dreimal in der Woche kommt und in der restlichen Zeit einen Deutsch-Kurs absolviert. Er strebt im nächsten Jahr eine Ausbildung bei Schäfer an.

„Theo Speier sucht die richtigen Leute aus“, sagt Stein. Speiers Vorstandskollege Thorsten Wörsdörfer hat zudem vier Teilzeitkräfte ins Westerburger Hotel Deynique vermittelt.

Max Stillger freut sich vor allem für die Menschen, die durch den Beruf das Gefühl hätten, „hier angekommen zu sein“ und etwas leisten zu können. Der Unternehmer sieht aber auch die finanziellen Aspekte für den Staat. Allein für die sieben Vollzeitstellen würden jährlich etwa 112 000 Euro in die Sozialkassen fließen (bei einem Bruttogehalt von 40 000 Euro und 20 Prozent Arbeitgeber-Anteil). Und bei sieben Familien könne der Staat sich Zuschüsse in mindestens der gleichen Größenordnung sparen.

„Ich danke Theo Speier und Thorsten Wörsdörfer für ihr großes Engagement ebenso wie Schäfer Dein Bäcker und dem Hotel Deynique. Prima, dass Sie den Ukrainern die Chance geben, sich hier am Arbeitsmarkt zu beweisen“, sagt Stillger.

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