Bibliotheksleiterin Silvia Kremer freut sich: Andelina Biskic, Zeynep Duygu und Alpha-Omar Bah haben mit anderen Jugendlichen das Schaufenster gestaltet.
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Bibliotheksleiterin Silvia Kremer freut sich: Andelina Biskic, Zeynep Duygu und Alpha-Omar Bah haben mit anderen Jugendlichen das Schaufenster gestaltet.

Kulturelle Angebote

Limburg: Gegenseitige Toleranz schweißt sie zusammen

  • vonRobin Klöppel
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Erfolgreiche Kooperation von Dombibliothek und Wortwerkstatt in der Jugendarbeit

Limburg -Hinschauen lohnt sich die nächsten vier Wochen beim Vorbeigehen an der Limburger Dombibliothek, denn das Schaufenster der öffentlichen Bücherei in der Frankfurter Str. 2 wird sich nach und nach verändern.

"Ich sehe Menschen, die keine Kunden bei uns sind, aber vor dem Schaufenster stehen bleiben und sogar aufmerksam lesen, was dort steht", sagt Dombibliotheks-Leiterin Silvia Kremer. Auch die Autofahrer, die in der Frankfurter Straße kurz hinter der Post an der Ampel Richtung Grabenstraße stehen, würden interessiert rüberschauen. Kremer sagt: "Das wollten wir erreichen, dass die Menschen stehen bleiben, hinschauen, ins Nachdenken kommen oder einfach nur lächeln." Das Fenster schafft es, die Menschen auf Kultur und die Dombibliothek aufmerksam zu machen. Die aktiven Jugendlichen des Projektes Wortwerkstatt, das Annie Vollmers leitet, werden das Fenster in den kommenden Wochen immer weiter umgestalten.

Die Wortwerkstatt ist seit nunmehr elf Jahren Teil der Kulturenwerkstatt, einer gemeinnützigen Einrichtung, die sich zum Ziel gemacht hat, durch anspruchsvolle kulturelle Aktivangebote die Teilhabe junger Menschen zu fördern. Limburger Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Schichten kommen hier zusammen, um sich gemeinsam kulturell zu betätigen und sich besser zu verstehen. Da spielt es keine Rolle, ob jemand eine kroatische Katholikin, eine türkischstämmige Muslimin oder ein Flüchtlingsjunge aus Guinea ist.

Das Projekt hat nichts mit Annie Vollmers Beruf als Lehrerin an der Limburger Adolf-Reichwein-Schule zu tun, wie sie berichtet. Und doch ist dieser auch für die Wortwerkstatt Gold wert, um neue junge Leute für die kulturelle Arbeit zu begeistern. "Mir ist jemand lieber, der Comics liest als gar nicht", sagt die Projektleiterin. Sie findet es klasse, wie respektvoll die Jugendlichen miteinander umgehen. Sie würde sich das bei allen Menschen in Limburg und Umgebung wünschen, in einer Gesellschaft, in der der Umgangston aggressiver geworden sei.

Kostenlos schmökern

Für Annie Vollmers ist bei ihrem Wirken die Dombibliothek seit Jahren ein wichtiger Partner. Es sei klasse, dass es diese Einrichtung gebe, denn sie animiere Menschen dazu, zu lesen. In der Dombibliothek müsse sich niemand ein Buch kaufen: Hier könne man kostenlos schmökern. Und das sei wichtig, dass theoretisch jedes Kind die Chance habe, ohne Geld an Literatur und damit an Wissen zu kommen. Wer viel lese, verstehe die Welt und die Menschen verschiedener Kulturen besser. Annie Vollmers ist überzeugt davon, dass die Welt wieder besser würde, wenn nur möglichst viele Menschen viel lesen würden.

In Corona-Zeiten ist natürlich auch die Arbeit der Wortwerkstatt erschwert. Zum Glück gibt es weitere gemeinsame Betätigungen über Videoschalten. Aber natürlich ist es viel schöner und inspirierender, sich persönlich zu treffen, so wie in kleiner Runde bei der Schaufenstergestaltung in der Dombibliothek.

Annie Vollmers widerspricht heftig, wenn andere die Jugendlichen von heute als "verlorene Generation" bezeichneten.

Die Jugendlichen, mit denen sie zu tun habe, die würden sich auch in Corona-Zeiten aus eigenem Antrieb weiterbilden. Eine der Projektteilnehmerinnen ab 14 Jahren ist die Kroatin Andelina Biskic. Die 19-Jährige hat Annie Vollmers als Schülerin der Goetheschule kennengelernt. Seit sechs Jahren nimmt sie nun an der Lesewerkstatt teil, weil ihr die Vielfalt der kreativen Arbeit viel Spaß macht, sie dort aber auch viele unterschiedliche Menschen und ihre Kulturen kennenlernt. Andelina sagt: "Ich habe hier viel Spaß, aber ich lerne auch sehr viel beim Nachdenken über mich und über Deutschland." Alpha-Omar Bah ist ebenfalls 19, lebt als Flüchtling aus Guinea aber erst seit zwei Jahren in Limburg. Ihn hat Vollmers als seine Lehrerin in der Reichwein-Schule animiert, mal bei der Wortwerkstatt vorbeizukommen: "Ich war motiviert, weil ich hier neue Leute kennenlernen will. Ich habe hier viele nette Menschen getroffen. Das ist hier alles perfekt", so Alpha-Omar. Zeynep Duygu ist 18 und vor zwei Jahren ebenfalls über ihre Klassenlehrerin Vollmers dazugekommen. Zu dem Projekt sagt sie: "Wir sprechen über viele Themen, haben auch mal unterschiedliche Meinungen. Aber wir unterstützen uns alle untereinander. Wir sind eine von gegenseitiger Toleranz geprägte Gruppe. Wir sind verschieden, aber eine Gemeinschaft und voller Toleranz." Das strahlt auch das aktuelle Bild der Teilnehmer im Schaufenster der Dombibliothek aus.

Jugendliche, die künftig auch bei dem Projekt dabei sein wollen, sollen Annie Vollmers einfach über die Facebook- oder Instagram-Seite der Wortwerkstatt kontaktieren.

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