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Mit 67 Jahren ist Gerhard Schmelz zwar in den Ruhestand gegangen, aber der Professor wird weiter Lehraufträge annehmen und Polizisten in Wiesbaden unterrichten.

Fortschritte beim Sicherheitsgefühl

Gibt es bald eine Waffenverbotszone auf dem Bahnhofsplatz in Limburg?

Kriminalpolizist Professor Gerhard Schmelz setzt sich für eine Waffenverbotszone auf dem Bahnhofsplatz in Limburg ein.

Limburg/Ennerich - Wenn jemand weiß, wie zufrieden (oder unzufrieden) die Limburger Bürger mit ihrer Polizei sind und an welchen Orten in der Stadt sie sich (noch) unsicher fühlen, dann ist es Professor Gerhard Schmelz, der in Ennerich wohnt. Er hat mit seinen Polizeistudenten in Wiesbaden im Frühjahr vergangenen Jahres eine repräsentative Studie über das subjektive Sicherheitsgefühl der Limburger Bürger vorgelegt.

Das Ergebnis sorgte für Aufsehen, weil sich sehr viele Bürger unsicher fühlen. Und das wiederum hat deutliche Konsequenzen: Stadt, Landes- und Bundespolizei reagierten und reagieren, weil die Studie belegt: In der Stadt stimmt etwas nicht, vor allem am Bahnhofsplatz, der bei der Befragung im Herbst 2017 als ein Raum wahrgenommen wurde, der vielen Angst macht. Nachdem Schmelz 21 Jahre lang für die Kriminalpolizei tätig war und er 1993 die Stelle eines Fachhochschullehrers für Kriminalistik und Kriminologie an der Verwaltungsfachhochschule in Wiesbaden angetreten hatte, geht er im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand.

Blick auf den Bahnhofsplatz in Limburg zwischen zwei Lamellen des Kirchturms der evangelischen Kirche. Die Stadt prüft am Bahnhof die Errichtung einer Waffenverbotszone.

Trotzdem will er weiter beruflich aktiv bleiben: Für Gerhard Schmelz kommt im nächsten Jahr auch eine Tätigkeit als Senior-Berater für das Bundeskriminalamt in frage. Dabei gehe es um die Unterstützung der Polizei in anderen Ländern durch das BKA, zum Beispiel in Marokko oder in Albanien, um im Laufe von zwei Jahren die Polizeiorganisation technisch und organisatorisch weiterzuentwickeln und auf rechtsstaatliche Grundsätze hinzuweisen.

Im nächsten Wintersemester wird er erneut Kurse für angehende Polizisten in Wiesbaden geben und ihnen alles beibringen, was er als Kriminalist weiß. Es werden dann vermutlich auch wieder Studenten darunter sein, mit deren Hilfe er in vielleicht zwei oder drei Jahren erneut die Limburger nach ihrem Sicherheitsgefühl befragen könnte.

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Das dürfte schon deshalb Sinn machen um herauszufinden, ob die Konsequenzen, die Stadt, Landes- und Bundespolizei aus der Studie gezogen haben, auch erfolgreich sind. Die bisher getroffenen Maßnahmen bewertet Schmelz positiv. "Die Landespolizei hält den Polizeiposten am Bahnhof endlich bis in die Abendstunden hinein besetzt, die Bundespolizei zeigt endlich die lange vermisste Präsenz im Bahnhof, und die Stadt hat für das Ordnungsamt mehr Mitarbeiter eingestellt, die auch nachts nach dem Rechten schauen", sagt er.

Professor Gerhard Schmelz bewertet jüngste Polizeistatistik skeptisch

Skeptisch bewertet er allerdings die jüngste Polizeistatistik, nach der die Kriminalität auf dem Bahnhofsplatz, auf dem es regelmäßig Personenkontrollen gibt, rückläufig sein soll. Nur wenn die Zahl der Kontrollen gleich hoch bleibe, könne es verlässliche Aussagen über einen tatsächlichen Rückgang an Kriminalität geben, sagt er. "Wenn ich weniger Menschen kontrolliere, habe ich automatisch weniger Delikte." Trotzdem ist er überzeugt, dass die ergriffenen Maßnahmen dazu beitragen werden, dass sich die Limburger wieder sicherer fühlen.

Die vom Magistrat geprüfte Einführung einer Waffenverbotszone auf dem Bahnhofsplatz wird von Schmelz ausdrücklich begrüßt. "Wenn bei Kontrollen jemand ein Küchenmesser dabei hat, kann in einer Waffenverbotszone dieses Messer nicht nur beschlagnahmt werden - der Besitzer muss auch mit einer Geldbuße rechnen."

Wesentlich zurückhaltender bewertet er jedoch die von der CDU-Fraktion in Limburg geforderte Möglichkeit, nach einer entsprechenden Gesetzesänderung in Hessen, auf dem Bahnhofsplatz eine Alkoholverbotszone einzuführen. "So etwas wäre zwar ein Zeichen für die Bevölkerung. Aber man sollte nur Gesetze einführen, deren Einhaltung sich kontrollieren lässt." Es brauche doch nur jemand, seinen Alkohol in eine Flasche mit Saft vermischen, schon sei der öffentliche Alkoholkonsum unsichtbar.

Schmelz ist zwar kein großer Freund von Krimis im Fernsehen, weil sie ihm viel zu unrealistisch sind, dennoch steht er für einen aus ebensolchen Krimis bekannten Typus des pensionierten Polizisten, den ein Mordfall nicht loslässt. Ihn beschäftigt bis heute ein ungesühntes Verbrechen aus dem Jahr 1985.

Ungesühnter Mordfall: Drei Menschen tot, Verdächtiger wird freigesprochen

Drei Menschen waren in einem Dorf in der Nähe von Alsfeld ermordet worden - Großmutter, Mutter und die minderjährige Tochter. Schmelz war damals stellvertretender Leiter der Sonderkommission, die den Fall aufklären sollte. Er ist bis heute überzeugt davon, mit seinen Kollegen den Mörder gefunden zu haben. Doch der damals 23 Jahre alte Verdächtige, der die Familie sehr gut kannte, weil er mit einer älteren Tochter liiert war, wurde vor Gericht freigesprochen.

Schmelz saß dem Mann auch im Vernehmungsraum gegenüber und merkte, wie er in Mimik und Gestik immer zurückhaltender wurde, je konkreter es um den dreifachen Mord ging. Er hörte schließlich den entscheidenden Satz: "Wenn meine Fußabdrücke am Tatort waren, muss ich es wohl gewesen sein."

Dieses Geständnis widerrief der junge Mann später. Und obwohl die am Tatort gefundenen Fußabdrücke des Täters - er war mit Strümpfen durch Blut gelaufen - mit denen des Verdächtigen verblüffend übereinstimmten, konnte das Gericht nicht von der Schuld des Mannes überzeugt werden. Ein von der Polizei in Wiesbaden ausfindig gemachter Experte wollte sich nur zu 90 bis 95 Prozent festlegen. Das reichte nicht aus, um den letzten Zweifel zu beseitigen. "Leider gab es damals noch keine Möglichkeit, den Täter mit DNA-Spuren zu überführen", sagt Schmelz.

Und das mögliche Motiv? Der dringend Tatverdächtige habe damals Geldsorgen gehabt und gewusst, dass die Bauernfamilie nach dem Verkauf eines Traktors eine hohe Bargeldsumme im Haus hatte, die er wohl suchte - aber nicht fand. Ein Polizeipsychologe habe zudem die Theorie geäußert, beim Mörder könne es auch einen sexuellen Hintergrund für die Tat geben, weil er die Leichen auf ungewöhnliche Weise drapiert hatte. 

Von Stefan Dickmann

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