Die Grünen kämpfen gegen aus ihrer Sicht zu hohen Flächenverbrauch durch die Schaffung zweier großer Neubaugebiete am südlichen Stadtrand von Limburg und luden interessierte Bürger zu einem Termin vor Ort ein: (von links) Ursula Weiß, Frauke Ebel-Leither, Fraktionssprecher Dr. Sebastian Schaub, Ortsbeiratsmitglied Barbara Sylla-Belok und Elisabeth Knossalla.
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Die Grünen kämpfen gegen aus ihrer Sicht zu hohen Flächenverbrauch durch die Schaffung zweier großer Neubaugebiete am südlichen Stadtrand von Limburg und luden interessierte Bürger zu einem Termin vor Ort ein: (von links) Ursula Weiß, Frauke Ebel-Leither, Fraktionssprecher Dr. Sebastian Schaub, Ortsbeiratsmitglied Barbara Sylla-Belok und Elisabeth Knossalla.

Noch viele Fragen offen

Limburg: Wie groß darf Blumenrod werden?

  • vonRobin Klöppel
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Grüne wehren sich gegen geplante Ausweitung von 25 Hektar Bauland

Limburg -Braucht Limburg die Neubaugebiete Blumenrod V und VI auf 25 Hektar Fläche mit rund 650 Wohneinheiten und 1200 bis 1800 neuen Bewohnern? Diese Frage stellen sich die Limburger Grünen und luden am Mittwochabend interessierte Bürger zu einem Ortstermin ein.

Vor allem fordern die Grünen, dass die Stadt vor der endgültigen Entscheidung in den städtischen Gremien über die Entwicklung der Blumenröder Neubaugebiete noch einmal eine Bürgerversammlung durchführt. "Es gibt noch einige zu klärende dringende Fragen", sagte Fraktionschef Dr. Sebastian Schaub. Habe Limburg wirklich einen solch hohen Eigenbedarf an zusätzlichen Wohnungen, oder gehe es auch eine Nummer kleiner? Oder würden bewusst nur hochpreisige Wohnungen für Leute aus dem Frankfurter Speckgürtel geschafft, die mit ihrer täglichen Pendelei die ohnehin schon verkehrlich überlastete Stadt noch mehr belasten?

Eine Südumgehung "durch die Hintertür"?

Die Grünen haben aber noch weitere Fragen: Werden die Neubaugebiete über die vorhandenen, engen Straßen Breites Driesch und Gutenbergring angebunden, oder werde "durch die Hintertür" mal schnell die umstrittene Südumgehung durchgewunken? Und müsse man wirklich Natur und weitere wertvolle Äcker in Blumenrod opfern, wenn möglicherweise im Innenstadtbereich noch Baulücken vorhanden seien, die man für den Wohnungsbau nutzen könne?

Natürlich sehen auch die Grünen, dass alleinstehende Menschen und Familien in Limburg Wohnraum brauchen. Die entscheidende Frage sei aber, ob Blumenrod wirklich so schnell wachsen müsse, dass das gewachsene soziale Gefüge aus Sicht der Grünen überfordert wird?

Schaub befürchtet, dass Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) und auch die CDU das alles schnell durchwinken wollen, um im Wahlkampf etwas vorweisen zu können. Corona könne, so der Grünen-Fraktionschef, aber keine Ausrede sein, dass wichtige städtische Themen vor endgültigen Entscheidungen nicht ausreichend von allen Seiten beleuchtet würden. "Es gab ja schon einmal eine Bürgerinformation, aber da blieben leider viele Dinge ungeklärt", sagte Ortsbeiratsmitglied Barbara Sylla-Belok (Grüne). Das fange damit an, dass nicht gesagt worden sei, wo die Baustraßen geschaffen werden sollten. Denn wenn man nicht durch die bestehenden beiden Wohnstraßen zur Baustelle fahren wolle, müsste man laut ihr Baustraßen mit hohem Aufwand über den Acker legen. Sylla-Belok sieht es kritisch, einen faktischen Stadtteil mit 4000 Einwohnern wie Blumenrod auf einen Schlag um mehr als 1000 weitere Einwohner zu vergrößern. Schaub ergänzte, dass hier Ein- wie Mehrfamilienhäuser geschaffen werden sollten. "Es gibt hier einen Bedarf für kleine Wohnungen und nicht so teure Wohnungen, aber brauchen wir wirklich 25 Hektar?", fragte der Grünen-Fraktionsvorsitzende.

Kritik an hohem Landverbrauch

Schaub wies darauf hin, dass die Limburger Straßen schon jetzt klar überlastet seien und durch ein solch riesiges neues Wohnviertel in Blumenrod zusätzlicher und erheblicher Verkehr in die Stadt gezogen werde.

Die frühere Landtagsabgeordnete Senta Seip kritisierte, dass die Stadt Limburg zu viel Land unnötig verbrauche. In der Innenstadt seien nicht unerhebliche Leerstände, aber es werde immer weiter gebaut. Sylla-Belok ärgert sich, dass demnächst in der Stadtverordnetenversammlung über die Bauleitplanung für Blumenrod V und VI entschieden werden solle, die Stadt sich aber gegenüber Mandatsträgern und Bürgern in eine "Mauer des Schweigens" hülle. "Wir reden hier immerhin über eine heftig große Erweiterung", sagte Sylla-Belok.

Schaub mahnte, sehr wachsam zu sein. Denn er befürchtet, dass am Ende des Tages argumentiert werde, in diesem Bereich werde eine neue Straßenführung nötig, die nahezu der umstrittenen Südumgehung entspreche. "Die Stadt muss nun Klartext sprechen, was sie genau plant", sagte Sylla-Belok. Denn eine neue Verbindungsstraße könne möglicherweise genau an den Wohngebieten vorbeigeführt werden, deren Bewohner sich gegen die Südumgehung heftig gewehrt hätten.

Ein Bürger bezeichnete die vorhandenen Straßen Breites Driesch und Gutenbergring als ungeeignet, Blumenrod V und VI allein anzubinden. Dafür brauche es breitere Straßen, wo auch Rettungsfahrzeuge durchkommen könnten.

Sylla-Belok findet es zudem schade, wenn immer gesagt worden sei, Limburg brauche einen Marktanteil von 30 Prozent an bezahlbaren Wohnungen, doch über Jahre seien nur hochpreisige Projekte entstanden. Es sei ebenso bedauerlich, dass die Stadtteile keine Mehrfamilienhäuser wollten und wie selbstverständlich erwartet werde, dass Blumenrod allein die Belastung für ganz Limburg trage. Robin Klöppel

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