Die elfjährige Hannah mit ihren mittlerweile 1000 Freilandhühnern ist die Hoffnung des Weiherhofes. Dank der Hühnermobile können die Tiere immer wieder zu frischem Gras gefahren werden.
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Die elfjährige Hannah mit ihren mittlerweile 1000 Freilandhühnern ist die Hoffnung des Weiherhofes. Dank der Hühnermobile können die Tiere immer wieder zu frischem Gras gefahren werden.

Wie im Märchen

Hannah und die 1000 Hühner: Wie ein Mädchen aus Limburg den Hof der Eltern rettet

  • vonRobin Klöppel
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Ein Schicksalsschlag hat den Weiherhof bei Limburg finanzielle in die Not gestürzt. Dann hatte ein elfjähriges Mädchen die rettende Idee.

Limburg -Die elfjährige Hannah Ullius aus Staffel ist ein besonderes Mädchen: empathisch, verantwortungsbewusst und sehr fleißig. Mit ihrer Geschäftsidee "Hannah's Freilandeier" und nach einem Jahr schon 1000 Hühnern hat die Elfjährige dafür gesorgt, dass ihre Eltern Gerhard und Tamara Ullius wahrscheinlich eine gute Altersabsicherung haben werden. Die Fünftklässlerin der Freien Waldorfschule Diez ist auf dem Weiherhof im Schirlinger Feld in Staffel das einzige Kind.

Plötzlich schwer krank: Mädchen rettet mit Idee Hof der Eltern bei Limburg

Ihre Eltern hatten von Rindviehhaltung neben der Feldbewirtschaftung und Einstellpferden gelebt, bis Gerhard Ullius plötzlich erhebliche gesundheitliche Probleme bekam. Zwei Schlaganfälle, ein Arm ist bis heute gelähmt. Auch Tamara Ullius ist seit Kindertagen behindert und muss mit nur einem Arm die schwere Landarbeit verrichten.

Rindviehhaltung ging seit Gerhard Ullius' Schlaganfällen nicht mehr. "Wir würden ja jemanden für den Hof einstellen", sagt Tamara Ullius. Doch offenbar sei den Leuten die Arbeit zu schwer. Denn es lasse sich niemand finden. Aber das Ehepaar macht trotzdem weiter, weil sie Hannah haben. "Ich möchte diesen Hof übernehmen, weil es mein Leben ist", sagt die Elfjährige. Sie ist fokussiert darauf, ihren Eltern beim Überleben zu helfen.

"Eier, Eier, wir brauchen Eier", hatte Bayern-Torwart Oliver Kahn in einer kritischen Phase mal in ein Fernsehmikro geschrien. Ähnlich dachte auch Hannah 2019 auf dem Weiherhof. "Als ich fünf Jahre alt war, habe ich mir zu Weihnachten bereits die ersten Hühner gewünscht", erinnert sich die Elfjährige. "Ich habe Vögel schon immer geliebt. Hühner zu betreuen, macht einfach eine Menge Spaß." Sie schaue ihnen gerne zu, wie sie mit den Flügeln schlagen oder Fliegen jagen , sagt Hannah.

Warum sie nach der Schule Landwirtin lernen will? "Man ist viel draußen. Außerdem liebe ich Tiere und Traktor fahren", sagt die Schülerin. Vor sechs Jahren hatte die Familie Ullius die ersten 40 angeschafften Hühner noch frei auf ihrem Gelände laufen. Keine gute Idee, denn im Schirlinger Feld gibt es Füchse. Darum hatte sich das mit den Hühnern irgendwann wieder erledigt.

Zauberhaft: Mädchen aus Limburg rettet mit Geschäftsidee den Hof ihrer Eltern

Als die Familie Ullius sich aber plötzlich umorientieren musste, dachte Hannah wieder an ihre alte Leidenschaft. Vor genau einem Jahr fing es mit 248 Hühnern der legefreudigen Lohmann-Rasse und einem Hühnermobil mit "Hannah's Freilandeier" an. Der Vorteil eines Hühnermobils ist, dass es von einer zur nächsten Wiese umgesetzt werden kann, so dass die Hühner stets frisches Gras zur Verfügung haben.

"Den Unterschied der Eier merkt man sofort am deutlich gelberen Dotter", sagt Tamara Ullius. Die Betreiberin des Weiherhofes sagt, dass sie keine größeren Hühnermobile anschaffen könne, weil man damit im engen Schirlinger Feld nicht rangieren könne. Die kleineren Mobile bieten aber "nur" Platz für 477 Hühner, so dass mit zunehmender Nachfrage ein zweites nötig wurde. "Ein solches Hühnermobil kostet 80 000 Euro", sagt Tamara Ullius: Folglich habe die Familie sie finanzieren müssen.

Happy End auf dem Weiherhof: Besucher können sich Eier an einem Automaten ziehen

Die Investitionen haben sich gelohnt. Im Schirlinger Feld sind an schönen Tagen viele Radfahrer und Spaziergänger unterwegs, die schnell auf die Hühnerschar aufmerksam wurden. Tamara und Tochter Hannah Ullius sind mehrfach am Tag draußen und sagen den Neugierigen, dass es am Weiherhof einen Automaten gibt, wo sie die Eier ziehen können.

So wurde die Nachfrage größer und größer. Für diese war die Corona-Pandemie, wie Tamara Ullius verrät, sogar ein Segen. "Die Leute wollen ihre Eier nun mehr denn je kontaktlos und regional kaufen", sagt sie. Dass sie aus Freilufthaltung kämen, könnten die vorbeikommenden Menschen ja direkt sehen. Hatte die Familie Ullius vor Corona immer noch Eier der vergangenen Tage auf Vorrat, um den leeren Automaten immer wieder neu auffüllen zu können, ist trotz im Schnitt 800 Eiern pro Tag mittlerweile am späten Nachmittag die Morgenware schon komplett wieder weg.

Limburger Märchen: Wie ein Kind den Hof der Eltern rettet

Folglich überlegt Familie Ullius, die Hühnerzahl noch einmal zu erhöhen. Die Hühner bleiben immer 15 Monate auf dem Weiherhof. Hannah ist das Wohl der Tiere sehr wichtig. Die ausgemusterten Hühner gehen nicht zum Schlachthof, sondern an Bürger, bei denen sie noch weiterleben und ein glückliches Leben führen können. Wenn die neuen Hühner kommen, bleiben sie erst einmal einige Tage im Hühnermobil, um sich daran zu gewöhnen. Dann hat jedes Huhn darin auch seinen festen Schlafplatz. Mit Gipseiern werden sie an den Eierlegeplatz im Mobil gewöhnt.

Wenn die Hühner tagsüber draußen sind, werden sie von den Pyrenäen-Berghunden Odin und Jalzane bewacht. Das funktioniert bisher glänzend. Im ersten Jahr war noch kein Verlust durch Füchse oder Greifvögel feststellbar. Die Hühner müssen aber alle geimpft werden und brauchen Kraftfutter zum Gras dazu. Das bedeutet, dass solange die Hühnermobile nicht voll abbezahlt sind, Kosten und Einnahmen sich trotz des deutlich gesteigerten Umsatzes noch die Waage halten. Zehn Eier kosten übrigens 3,90 Euro. Wenn Hannah ausgelernt hat und die Mobile ausfinanziert sind, sollen sie genug Gewinn abwerfen, dass Hannah ein gutes Zusatzeinkommen und ihre Eltern ein Altersabsicherung haben. "Wir hoffen, dass die Hühnermobile 30 Jahre halten", sagt Tamara Ullius.

Robin Klöppel

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