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In Gewerkschaftskluft: Viktoria Spiegelberg-Kamens und Herbert Helferich hoffen auf viele Teilnehmer bei der Demonstration und der Kundgebung des DGB am morgigen 1. Mai. Foto: Tobias Ketter

DGB

1.-Mai-Kundgebungen: Mehr Familie, weniger Arbeitskampf

Wie sich die 1.-Mai-Kundgebungen des DGB verändert haben - Zahl der Teilnehmer soll weiter wachsen. Früher kamen Tausende am Tag der Arbeit, um für ihre Rechte zu kämpfen. Doch dann wären die Kundgebungen in Limburg sogar fast beerdigt worden. Mit neuem Konzept sieht sich der DGB nun auf einem guten Weg.

Limburg - Viele Menschen nutzen den morgigen Feiertag, um diesen mit ihren Familien und Freunden zu verbringen. Wanderungen, Grillpartys und Dorffeste erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch der Tag der Arbeit kann auch in seinem ursprünglichen Sinn genutzt werden. Der Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und die Limburger Gewerkschaften rufen zu einer Demonstration und einer Kundgebung auf dem Kaufland-Gelände an der Westerwaldstraße in Limburg auf. Die Demo startet um 10 Uhr am Bahnhofsvorplatz, die Kundgebung mit zahlreichen Rednern beginnt um 11.30 Uhr.

Unter diesen ist auch die DGB-Kreisvorsitzende Viktoria Spiegelberg-Kamens. "Die Anwesenden sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass regionale Themen und internationale Aspekte eng miteinander verbunden sind", sagt sie mit Blick auf das Motto: "Europa. Jetzt aber richtig!" Vorträge zur Gesundheitsförderung, zur Klimaproblematik und zur anstehenden Europawahl seien geplant.

Programm für Kinder

Außerdem werde die Band der Lebenshilfe für die passende musikalische Untermalung sorgen. "Es wird auch etwas für die jüngste Generation geboten. Eine Hüpfburg und ein Waffelstand werden aufgebaut und es gibt ein Kinderschminken", sagt Herbert Helferich, stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Limburg-Weilburg der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und Mitglied des DGB-Kreisvorstands.

In der Vergangenheit habe der 1. Mai im Zeichen des Arbeitskampfes gestanden. Nun möchte man auf die erreichten sozialen Errungenschaften für Arbeitnehmer hinweisen, die keinesfalls als selbstverständlich gelten sollten. Außerdem müsse auf aktuelle Missstände aufmerksam gemacht werden, um diese beheben zu können. "Mit Blick auf die anstehende Europawahl ist es besonders wichtig hervorzuheben, dass rechtspopulistische Parteien nichts für die Arbeitnehmer tun, sondern deren Rechte weiter verringern wollen. Diese Bewegungen, die aktuell in vielen Ländern Europas aufkommen, dürfen deshalb keinesfalls unterstützt werden", sagt Helferich.

"Leider ist in den vergangenen Jahren die Resonanz bei Demonstrationen und Kundgebungen der Gewerkschaften zurückgegangen. Deshalb haben wir seit 2018 das Konzept der 1.-Mai-Veranstaltung etwas geändert", sagt Spiegelberg-Kamens. Grußworte von Politikern gebe es nun nicht mehr. Dadurch könne die Plattform nicht für Wahlkampfzwecke missbraucht werden. Stattdessen gebe es Vorträge von Gewerkschaftsmitgliedern. "Wir legen großen Wert darauf, junge Menschen zu Wort kommen zu lassen. Dadurch erhoffen wir uns, dass mehr Personen der neuen Generation auf Missstände aufmerksam werden und sich an der Arbeit der Gewerkschaften beteiligen", so die DGB-Kreisvorsitzende. Das neue Konzept zeige bereits erste Erfolge. Im vergangenen Jahr seien 300 Leute zur Kundgebung gekommen. Damit habe sich die Zahl der Anwesenden im Vergleich zu 2017 verdoppelt.

Laut Stefan Schneider, Vorsitzender des Ver.di-Ortsvereins Limburg-Weilburg, habe sich die Art der Kundgebungen und Demonstrationen in den vergangenen Jahrzehnten sehr gewandelt. "Vor 30 bis 40 Jahren nahmen mehrere Tausend Menschen an den Gewerkschaftsveranstaltungen in Limburg und Umgebung teil. Am 1. Mai 1960 gab es im näheren Umkreis insgesamt zwölf Aktionen, an denen 3960 Leute beteiligt waren", sagt er. Die Gestaltung der Events sei weitaus weniger aufwendig gewesen. Allerdings habe die Bevölkerung ihre Ideen und Forderungen sehr kämpferisch durchsetzen wollen.

Idee wieder verworfen

"Man hatte gemeinsame Ziele, wie beispielsweise die Einführung des 8-Stunden-Tages. Um diese Ziele zu erreichen, machten sich die Leute lautstark auf der Straße bemerkbar", sagt Schneider. Diese kämpferische Einstellung habe in den 1990er Jahren stark abgenommen, so dass es sogar die Überlegung gab, die 1.-Mai-Kundgebung in Limburg abzusagen und stattdessen Busse nach Wiesbaden zu organisieren. "Diese Idee wurde allerdings verworfen, da seit dem Jahr 2001 die Besucherzahlen wieder etwas gestiegen sind." Auch in den kommenden Jahren möchte der Kreisvorstand des DGB die Kundgebung in Limburg durchführen. "Wir müssen sie noch mehr in den Blickpunkt der gesamten Öffentlichkeit setzen. Deshalb besteht die Überlegung, die Aktion künftig auf den Marktplatz zu verlegen", sagen die Organisatoren. Es sei aktuell nicht vorstellbar, dass die Veranstaltung in den nächsten Jahren aussterbe, denn der Kreisvorstand des DGB ist stolz darauf, sie in einer Kleinstadt wie Limburg ausrichten zu können. In den Städten der näheren Umgebung gebe es derartiges nicht. "Wir möchten den 1. Mai von einem Arbeitskampftag zu einem Familientag umwandeln, bei dem aber wichtige Themen für Arbeitnehmer debattiert werden", sagt Spiegelberg-Kamens.

VON TOBIAS KETTER

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