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Die Zentrale Notaufnahme im St.-Vincenz-Krankenhaus.

Schlechte Verkehrs- und Parksituation

Ärztlicher Bereitschaftsdienst wird nicht mit Zentraler Notaufnahme zusammengelegt

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Die Verantwortlichen des St.-Vincenz-Krankenhauses sind überrascht und schwer enttäuscht, die Anlieger am Schafsberg dürfen sich freuen: Der Ärztliche Bereitschaftsdienst wird vorerst nicht mit der Zentralen Notaufnahme an der Klinik zusammengelegt.

Limburg - Am Montagabend war Guido Wernert noch zuversichtlich. „Die Verträge liegen seit Wochen zur Unterschrift vor. Wir sind in positiven Gesprächen, die Stimmung ist gut“, sagte der Vincenz-Geschäftsführer auf Anfrage dieser Zeitung zur geplanten Zusammenführung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes auf der Dietkircher Höhe mit der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Krankenhauses.

Nun hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) sich endlich entschieden – und ganz anders als von (fast) allen erwartet. „Wir werden den bisherigen Platz vorerst nicht verlassen“, sagte KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Als wesentlichen Grund nannte er die schlechte Verkehrs- und Parksituation rund ums Krankenhaus. Das Raumangebot spiele aber ebenfalls eine wichtige Rolle. „Wir haben im DRK-Stützpunkt in der Senefelder Straße 1 alles, was wir für die Versorgung im Bereitschaftsdienst brauchen. Das ist für uns ein sehr guter Standort“, sagte Roth. Demgegenüber wäre die vom St. Vincenz angebotene Fläche in der alten Notaufnahme (insgesamt 250 Quadratmeter, Anm. d. Red.) doch sehr beengt gewesen.

Zusammenlegung der Zentrale Notaufnahme und des Bereitschaftsdienstes sollte in diesem Sommer verwirklicht werden

Der KV-Sprecher lässt keinen Zweifel daran, dass die Vereinigung er Kassenärzte eine Zusammenlegung aus medizinischer Sicht für sinnvoll hält. „Aber halt nicht unbedingt dort“, fügt er hinzu. Die KV werde in dieser Angelegenheit weiter mit der Klinik im Gespräch bleiben.

Dieser vage Hoffnungsschimmer wird Guido Wernert kaum trösten. Die Verzahnung der ZNA mit dem Bereitschaftsdienst zählt(e) zu den drei wichtigsten Punkten in seinem Zukunftskonzept. In diesem Sommer sollte das Ziel verwirklicht werden. Wernert hatte im Mai 2017 im Gespräch mit dieser Zeitung erstmals über diesen Wunsch berichtet; gemeinsam mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden Erwin Reuhl. Anlass war ein Ortstermin im Rohbau des 30 Millionen Euro teuren Talbaus, in dem seit September 2018 die deutlich vergrößerte ZNA untergebracht ist. „Es wäre ideal, die beiden Einrichtungen zusammenzuführen“, sagte Reuhl damals.

Proteste der Anwohner ignoriert: Seit 2017 regelmäßige Verhandlungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung

Danach hagelte es wegen des zu erwartenden zusätzlichen Verkehrs Proteste von den Anliegern und der „Schafsbergwacht“, doch die Verantwortlichen des St. Vincenz ließen sich davon nicht bremsen. Seit Sommer 2017 verhandelten sie regelmäßig und intensiv mit den heimischen Vertretern der KV um Dr. Hans-Christoph Noack aus Runkel. Bei der Einweihung des Talbaus im vergangenen Sommer und zuletzt beim Neujahrsempfang Ende Januar bekräftigte Wernert den Wunsch – jeweils sehr optimistisch.

Außer der Verkehrssituation schien ja auch alles für das Krankenhaus zu sprechen. Das Bundesgesundheitsministerium und die Bundesärztekammer wollen die Notaufnahmen entlasten und mit den ärztlichen Notdiensten zusammenlegen. Das ist im Krankenhausstrukturgesetz von Anfang 2016 vorgesehen. Der Hintergrund: Die Notaufnahmen sind voll mit Patienten, die dort nichts zu suchen haben. Laut einer Studie gilt dies für ein Drittel; diese Menschen wären beim Hausarzt beziehungsweise beim Bereitschaftsdienst richtig.

Viele gehen jedoch direkt in die Klinik, weil sie den Notdienst nicht kennen. Andere, weil sie dort die Gewissheit haben, schnell und in der Regel gut versorgt zu werden.

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„Wir müssten diese Patienten eigentlich konsequent wegschicken“, sagt der Limburger ZNA-Leiter Dr. Peter Sahmer. Was er nicht sagt: Die Notärzte tun dies in den meisten Fällen nicht, um Streitereien und damit verbundenen Imageverlust zu vermeiden. Finanziell lohnt es sich definitiv nicht; pro Fall werden lediglich 32 Euro erstattet.

Lösen sollen das Problem nach dem Willen des Gesetzgebers sogenannte Portalpraxen – zentrale Anlaufstellen an den Kliniken, die den Notaufnahmen vorgeschaltet sind. „Funktionieren kann das Konzept wohl nur, wenn es direkt neben den Notaufnahmen einen ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt, am besten im gleichen Gebäude. Es ist wichtig, dass die Patienten weiterhin das Gefühl haben, im Umfeld des Krankenhauses behandelt zu werden“, heißt es in einem Gutachten des Instituts für Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (Aqua).

Zusammenlegung der Zentralen Notaufnahme und des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes: Gleich an der richtigen Stelle

Die Vertreter des St. Vincenz und der KV hatten diese Maxime im Vertragsentwurf geregelt. Die Patienten wären auf dem Schafsberg zunächst beim Bereitschaftsdienst „gelandet“ und entweder dageblieben oder ein paar Meter weiter in die ZNA geschickt worden. „Dann wären sie auf jeden Fall gleich an der richtigen Stelle gewesen“, erläutert Sahmer. Zahlen dokumentieren, was dahinter steckt: Die ZNA hatte im vergangenen Jahr 37 000 Patientenkontakte und 20 000 ambulante Patienten, der Ärztliche Bereitschaftsdienst 14 000.

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Dies zeigt freilich auch, wie viele Autos zusätzlich die Anlieger am Schafsberg belastet hätten. Guido Wernert verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die KV-„Kunden“ ja nur dann kämen, wenn in der Klinik weniger los ist – abends und nachts.

Limburgs Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD), der dem Verwaltungsrat der Krankenhausgesellschaft angehört, ist in diesem Punkt ganz anderer Meinung. „Die Stadt unterstützt alles, was für die medizinische Versorgung in Limburg wichtig ist – bis zu einem bestimmten Punkt. Wir müssen auch an die Bürger denken“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Laut Hahn soll das St. Vincenz bei der Inbetriebnahme neuer Abteilungen andere Fachbereiche mit viel Publikumsverkehr auslagern. Die Vincenz-Standorte in Diez und Hadamar böten Alternativen. Außerdem könne das Krankenhaus auch ins ICE-Gebiet ausweichen und prüfen, ob das Reha-Zentrum und das Zahnärzte-Institut IZI an der Klinik angesiedelt sein müssten.

Das St. Vincenz übernimmt das angeschlossene Gesundheitszentrum mit diesen Einrichtungen zwar Ende 2022, doch beide haben ihre Mietverträge bis 2030 verlängert.

Kommentar von Jachim Heidersdorf: Verkehrskonzept und noch ein Parkhaus überfällig

Nicht alles, was Gesetzgeber und Ärztekammer im Gesundheitswesen umsetzen wollen, erscheint sinnvoll. Die Absicht, die Notaufnahme der Kliniken mit den Ärztlichen Bereitschaftsdiensten zu verzahnen, ist jedoch ein wichtiges Anliegen. Auch, aber weniger für die beiden Institutionen, sondern vielmehr für die Patienten. Es hilft allen, wenn es für medizinische Notlagen nur eine Anlaufstelle gibt. Besonders schwierig wird es, wenn die beiden Standorte so weit auseinander liegen wie in Limburg – an den entgegengesetzten Enden der Stadt. Viele Menschen kennen den Unterschied nicht. Die meisten fahren mit einem gesundheitlichen Problem ins Krankenhaus, obwohl sie damit dort nichts zu suchen haben. Das belegen Studien und auch die Zahlen aus Limburg. Sie widerlegen das Argument, das System funktioniere gut; es könnte doch alles so bleiben wie es ist. Nur ein Grund spricht dagegen: Die Verkehrs- und Parkplatzsituation. Am DRK-Stützpunkt auf der Dietkircher Höhe stören die an- und abfahrenden Autos niemanden, und es stehen ausreichend Parkplätze zur Verfügung. 

Am St. Vincenz auf dem Schafsberg ist genau das Gegenteil der Fall. Der Hinweis der Geschäftsleitung, der zusätzliche Verkehr entstehe ja nur in den sonst ruhigen Zeiten am späten Abend und in der Nacht klingt aberwitzig. Um im Metier zu bleiben: Das ist so, als wenn der Arzt dem Patienten sagen würde, die neu diagnostizierte schwere Erkrankung sei nicht so schlimm, weil sie in der Regel dann auftrete, wenn die anderen Schmerzen nicht so stark seien. Die Klinik und die Stadt müssen endlich ein vernünftiges Verkehrs- und Parkkonzept für den Schafsberg entwickeln. Wobei: Das Adjektiv steht in diesem Fall schon für die zweite Stufe, bislang ist überhaupt noch kein Konzept erkennbar. Das St. Vincenz expandiert nicht aus Jux und Tollerei und auch nicht aus Profitgier. 

Die wirtschaftliche Basis sichert das Überleben. Davon profitieren keine Aktionäre wie in Konzernen, sondern die Menschen in der Region, die in Limburg ein weit überdurchschnittliches medizinisches Angebot vorfinden. Sicher wäre es besser gewesen, vor Jahren ein neues Krankenhaus auf der grünen Wiese zu errichten. Doch dieser Zug ist abgefahren, und es hilft nicht, immerfort zu klagen. Ein neues Parkhaus wird unumgänglich sein. Am besten am Schafsberg – auch wenn das die Anlieger verständlicher- und berechtigterweise nicht gerne hören – oder notfalls an einem anderen Platz mit durchgehenden Shuttle-Service. Die von der Stadt mal in Erwägung gezogene Seilbahn wird nicht kommen, weil die Besitzerin das dafür benötigte Grundstück nicht hergibt. Aber warum nicht weiter über innovative Ideen nachdenken? In Bern etwa wird derzeit für solche Zwecke ein selbstfahrendes Elektrofahrzeug getestet. Das Tempo, in dem in Limburg über Verkehrsprobleme diskutiert und entschieden wird, lässt viel Luft, um das Ergebnis und andere Errungenschaften der Technik abzuwarten.

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