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Museumsdirektor Professor Matthias Kloft (links) zeigt Besuchern den Touchscreen, mit dem die 130 Exponate im wandfüllenden Regal im ehemaligen Arbeitszimmer ausgewählt werden können.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Ehemalige Residenz von Franz-Peter Tebartz-van Elst: Museum in Bischofswohnung eröffnet 

Mehr als 200 Gäste waren dabei, als Bischof Georg Bätzing die Räume im Erdgeschoss der ehemaligen Bischofswohnung an das Diözesanmuseum übergab. Außerdem eröffnete er eine neue Sonderausstellung zum Thema Katharina Kasper.

Limburg - „Alle Räume des Bischofshauses sind nun gut genutzt“, sagte Georg Bätzing. Ein besonderes Anliegen sei es ihm gewesen, dass die frühere Privatkapelle im Bischofshaus über die neuen Räume des Museums nun für die Öffentlichkeit zugänglich ist. „Sie ist ein Ort des Gebetes, ein Ort der Stille und der Besinnung“, sagte der Bischof.

Museumsdirektor Professor Matthias Kloft erläuterte den mehr als 200 Gästen die neue Dauerausstellung zur Bistumsgeschichte, die im ehemaligen Wohn-/Esszimmer sowie im Arbeitszimmer von Franz-Peter Tebartz-van Elst untergebracht ist. „Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht“, sagte er. Mit der Vorgabe, möglichst wenig umzubauen, werde etwa das wandfüllende Bücherregal als Ausstellungsfläche genutzt. Die insgesamt 130 Fächer zeigen 130 Exponate aus fast 200 Jahren Bistumsgeschichte. Im kombinierten Wohn-/Esszimmer mit verglastem Kamin stehen Heiligen-Skulpturen. An der Wand gegenüber ist Tebartz in einer Galerie der 13 Limburger Bischöfe mit einem Porträtfoto zu sehen – so als wäre er hier in diesen Räumen nur einer von vielen.

Katharina Kasper in Rom Heilig gesprochen – Ausstellung im Diözesanmuseum

Nebenan im Diözesanmuseum gibt es als Nachklang der Heiligsprechung von Katharina Kasper eine Sonderausstellung mit dem Titel „Katharina Kasper und die Armut im Westerwald“. „Es freut mich sehr, dass ihr Lebenszeugnis und Lebensbild auch heute noch Menschen zum Glauben bringt“, sagte der Bischof.

Die Schau ist bis zum 30. Juni zu sehen. Gezeigt werden viele und vielsagende Exponate – darunter selbstgestrickte Strümpfe, ein erstaunlicher Tagebuch-Eintrag und immer wieder geflickte Hausschuhe.

Katharina Kasper war modern, fromm, intelligent und emanzipiert

Armut im Westerwald im 19. Jahrhundert bedeutete Hungersnöte, schwere Krankheiten und keine soziale Absicherung. Konkret heiße das, so der Museumsdirektor Professor Matthias Kloft, Schuhe immer wieder zu reparieren, sich als „Landgänger“ mit Musik oder als Landwirt neben seinem Beruf etwas dazuverdienen zu müssen. Katharina Kasper, geboren 1820, selbst aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen, ohne große Schulbildung, trat diesen Problemen entgegen.

„Katharina war modern, fromm, intelligent und emanzipiert. Sie war aufgeschlossen gegenüber Neuem und hatte einen Blick für die Menschen“, umreißt der Museumsdirektor die Persönlichkeit Kaspers. Und sie habe gehandelt, auf die Not reagiert.

Katharina Kasper setzte sich für die Bildung von Mädchen ein

Ihrem Arbeitsethos entsprach es auch, dass sie den 30 Kilometer langen Fußmarsch zum Bischof nach Limburg nutzte, um zu stricken. Deshalb zeige die Schau ihren Strickkorb und von ihr gestrickte Strümpfe. „Ihr wichtigstes Vermächtnis ist sicher die Bildung für Mädchen“, sagte Kloft. Aber auch auf dem Gebiet der Krankenpflege, der Sorge um Alte, Kinder und Waisen habe sie viel geleistet.

Dankbar zeigte sich Schwester Gonzalo Vakasseril, Generaloberin der Dernbacher Schwestern: „Es ist für uns eine große Freude, dass Katharina durch die Ausstellung weiter bekannt gemacht wird und ihr Zeugnis weitergeben wird“. Für sie sei Katharina ein großes Vorbild.

oh

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