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Awet Berhane (19) wohnt derzeit in einer Jugendhilfeeinrichtung. Spätestens bis zu seinem 21. Geburtstag muss er dort raus. Die Suche nach einer eigenen Wohnung gestaltet sich als schwierig.

Ausländer findet keine Bleibe

„An Neger vermieten wir nicht“: Junger Eritreer sucht verzweifelt eine Wohnung in Limburg

Der junge Eritreer Awet Berhane sucht seit Monaten erfolglos nach einer Wohnung in Limburg – obwohl er eine Arbeit hat und schon recht gut Deutsch spricht. Er hat das Gefühl, dass er immer wieder abgewiesen wird, weil er Ausländer ist.

Limburg - Awet Berhane sucht verzweifelt eine Wohnung. Derzeit ist der 19-Jährige in einer Limburger Jugendhilfeeinrichtung untergebracht. Awet Berhane arbeitet im Senioren-Zentrum St. Georg, hat dort vor wenigen Wochen eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer begonnen. Zuvor hat er an der Adolf-Reichwein-Schule seinen Hauptschulabschluss gemacht. Der junge Mann geht also regelmäßig arbeiten, verdient Geld und besucht Volkshochschulkurse, um sein Deutsch zu verbessern.

Limburg: „Die Vermieter weisen mich wegen meiner Nationalität ab“

Eigentlich keine schlechte Ausgangslage, um sich für eine Wohnung zu bewerben. Trotzdem hat Awet Berhane bisher nur Absagen kassiert. „Die Vermieter weisen mich wegen meiner Nationalität ab“, sagt der 19-Jährige, der vor vier Jahren aus Eritrea flüchtete und im Landkreis Limburg-Weilburg landete. Zunächst lebte er in einer Unterkunft in Niederselters, anschließend bekam er ein Zimmer in der Limburger Einrichtung. Eine eigene Wohnung sucht er, wie er sagt, seit mehreren Monaten – ohne Erfolg. Ihm ist es bereits gelungen einen Hauptschulabschluss an der Adolf-Reichwein-Schule zu erhalten. Außerdem hat der junge Mann Sprachkurse an der Volkshochschule belegt. Auch beruflich scheint durchaus eine Perspektive vorhanden zu sein, denn Awet Berhane arbeitet im Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum St. Georg in Limburg. Dort begann er vor wenigen Wochen eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer.

Vorurteile vieler Vermieter: „Ihr stinkt doch“

Er ist sich sicher, dass viele Vermieter Vorurteile wegen seiner Hautfarbe haben, die sie noch nicht einmal zu verstecken suchten. „An Neger vermieten wir nicht“, habe er sich bereits mehrmals anhören müssen, erzählt Berhane. Und: „Ihr stinkt doch bis zum Himmel.“ Einige hätten ihn erst gar nicht zu einer Wohnungsbesichtigung eingeladen, sobald sie von seinem Migrationshintergrund erfahren hätten. „Ich war auch schon bei Sammelbesichtigungen“, erzählt der junge Mann. Auch dort sei er mehrmals direkt abgewiesen worden. Und das, obwohl ein Vermieter mit dem jungen Eritreer kein finanzielles Risiko eingehen würde. „Die Jugendeinrichtung, in der ich zurzeit lebe, würde sich um die Bezahlung der Wohnung kümmern“, sagt Berhane. Außerdem habe er Betreuer, die ihn noch mindestens weitere sechs Monate unter anderem beim Ausfüllen von Formularen unterstützen.

Emotionale Belastung für jungen Eritreer

Berhane sucht eine Wohnung in der näheren Umgebung von Limburg, von der aus er seine Arbeitsstelle gut erreichen kann. „Ich fange in dem Seniorenheim meistens um sechs Uhr morgens an“, sagt der 19-Jährige. Da die Mobilität zu dieser frühen Stunde an viele Orten recht eingeschränkt ist, muss ich eigentlich ein zu Hause in Limburg finden, um immer pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen“, erklärt er. Seine schwierige Wohnsituation belaste ihn emotional. „Ich denke ständig darüber nach, wie es weitergeht.“ Dies wirke sich auch negativ auf seine Konzentration bei der Arbeit aus. Mit seinem 21. Geburtstag endet die Unterstützung durch die Jugendhilfeeinrichtung. „Sollte ich bis dahin keine eigene Wohnung haben, muss ich in einer Gemeinschaftseinrichtung leben. Das möchte ich auf keinen Fall“, sagt Berhane.

Der Caritasverband kennt viele Fälle von Menschen mit Migrationshintergrund, die große Probleme haben, eine Wohnung zu finden. Vermieter führten allerdings meistens viele Kinder oder den Bezug von Sozialleistungen ins Feld. Von eindeutig rassistischen Bemerkungen höre der Verband nur selten. Dies könnte allerdings auch daran liegen, dass Wohnungssuchende sich zu sehr schämen, um von solchen Vorfällen zu berichten, vermutet Sebastian Schneider von der Migrationsberatung des Caritasverbands. Derzeit sei es insgesamt sehr schwierig für Ausländer, eine Wohnung im Kreis Limburg-Weilburg zu finden. „Nicht umsonst lebt eine größere Anzahl von Flüchtlingen auch nach der Anerkennung noch in Gemeinschaftsunterkünften, obwohl sie eigentlich ausziehen müssten“, sagt Schneider.

Riesengroße Warteliste

Auch Johannes Laubach, Sprecher der Stadt Limburg, verweist auf die generelle Wohnungsnot im Landkreis. Ihm ist jedoch auch bekannt, dass es immer wieder klare Anfeindungen von Vermietern gegenüber ausländischen Wohnungssuchenden gibt. „Selbst Mitarbeiter der Stadt, die bei der Suche helfend zur Seite stehen, sind schon beschimpft worden“, berichtet er. Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen würden dabei auch eine Rolle spielen. Trotzdem seien Sozialarbeiter der Stadt weiterhin bemüht, Wohnungen an Menschen mit Migrationshintergrund zu vermitteln, was auch des Öfteren gelinge. Die Stadt allerdings könne Wohnungssuchenden, die eine Bleibe für sich alleine suchen, nur bedingt helfen. „Wir selbst haben im Besitz der Stadt nur wenige Wohnungen, die von der Größe her für eine einzelne Personen geeignet sind. Diese sind alle vergeben. Bei Wohnungen, die nicht im Besitz der Stadt sind, bei denen die Stadt jedoch Belegungsrecht hat, ist nichts frei und auch nichts in Aussicht“, sagt Laubach. Die Nachfrage sei extrem hoch und die Warteliste riesengroß.

von Tobias Ketter

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