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Frau auf offener Straße getötet

Wegen Körperverletzung angezeigt

Imad musste Sana fern bleiben - Keine Anfrage beim Einwohnermeldeamt

Der Mann, der am Freitag vergangener Woche in Limburg seine Frau ermordet hat, durfte sich der 31-Jährigen laut Gerichtsbeschluss nicht mehr nähern. Die in ein Frauenhaus geflohene Tunesierin hatte ihn wegen Körperverletzungen angezeigt.

Limburg - Hätte der Mord verhindert werden können? Wie kam Imad an die streng geheime Adresse seiner Frau, die ihn Ende Juli mit den beiden Kindern verlassen hatte? Diese Fragen sind müßig, weil die Antworten die Frau nicht mehr lebendig machen, aber trotzdem wichtig, um daraus gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen.

Hätte, Wenn und Aber helfen Sana nicht mehr. Tatsache ist, dass sie, die Leitung des Frauenhauses und die Polizei die vom ihrem Ehemann ausgehende Gefahr erkannt haben. Weil Imad und mehrere Verwandte wiederholt vor dem Frauenhaus aufgetaucht waren, sollte die 31-Jährige in einer Einrichtung in einer anderen Stadt untergebracht werden. Dies hatte diese Zeitung vor einer Woche geschrieben; gestern ist es aus sicherer Quelle bestätigt worden. Der Umzug stand demnach unmittelbar bevor.

Limburg: Imad A. hatte Kontaktverbot zu Sana

Ob Imad das ebenfalls gewusst hat? Er lieh sich jedenfalls einen schweren Audi A 6 Avant, um Sana damit zu töten. Das Paar war seit sechs Jahren verheiratet.

Nach Informationen dieser Zeitung war der in Deutschland geborene Mann mit tunesischen Wurzeln in der Ehe gewalttätig. Seine Frau hatte ihn wegen wiederholter Körperverletzungen angezeigt.

Staatsanwalt Manuel Jung bestätigte gestern auf Anfrage dieser Zeitung, dass es deswegen zunächst ein sogenanntes Annäherungsverbot gab. Imad hätte sich seiner Partnerin nicht mehr nähern und auch nicht mit ihr telefonieren dürfen. Dagegen habe der Mann verstoßen und somit eine Straftat begangen. Laut Jung ordnete das Amtsgericht daraufhin ein Gewaltschutzverfahren an; im Polizeijargon ist vom "Gefährdungslage-Management" die Rede. Mit der "Gewaltexplosion" habe niemand gerechnet, sagte Polizeichef Frank Göbel gestern dieser Zeitung. Er verwahrte sich energisch gegen Schuldzuweisungen an Frauenhaus und Polizei.

Der schriftliche Obduktionsbericht liegt immer noch nicht vor. "Es kommt nur noch auf die Details an", sagte Manuel Jung. "Dass es vorsätzlicher Mord war, ist klar." Wie die Schläge mit der Axt auf die tot am Boden liegende Frau juristisch gewertet würden, sei nebensächlich. Die Anklage werde sich auf die Tötungsabsicht mit dem Auto beziehen.

Limburg: Keine Anfrage beim Einwohnermeldeamt

Zur Diskussion um die Frage, wie der Mörder seine Frau in Limburg aufspürte, hat die Stadt gestern mitgeteilt, dass es beim Limburger Einwohnermeldeamt keine entsprechende Anfrage gegeben hat. Die getötete Frau war mit ihrem Umzug ins Limburger Frauenhaus bei der Verwaltung gemeldet worden. Diese Meldung sei sofort mit einem entsprechenden Sperrvermerk versehen worden, wonach der Aufenthaltsort nicht mitzuteilen ist. Grundsätzlich informiere das Einwohnermeldeamt der aufnehmenden Kommune das Einwohnermeldeamt der abgebenden Kommune über den Umzug und gegebenenfalls auch über einen entsprechenden Sperrvermerk.

Zum Hintergrund: Anfragen an das Einwohnermeldeamt sind grundsätzlich schriftlich zu stellen, zudem ist das Auskunftsersuchen zu begründen. Mit der Auskunft ist zudem eine Gebühr verbunden. Dies alles werde natürlich auch dokumentiert, so die Stadt gestern.

Unterdessen soll das Bistum Limburg saniert werden. Ein entsprechender Fünfjahresplan wird derzeit entworfen, die Sanierung droht jedoch sehr kostspielig zu werden.

Von Joachim Heidersdorf

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