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Im Sozialkaufhaus ist nun alles ordentlich sortiert. Betreiber Francesco Capricano mit Vorsitzendem Dr. Heinrich Richard und neuer Partnerin Jonida Dashi.rok

Komitee für Nothilfe

Gerüchte nicht bestätigt - Das Limburger Sozialkaufhaus bleibt bestehen

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Allen Gerüchten zum Trotz bleibt das Sozialkaufhaus des Limburger Komitees für Nothilfe bestehen. Das erklärte Vereinsvorsitzender Dr. Heinrich Richard bei einem Ortstermin.

Limburg - Francesco Capricano, der das Sozialkaufhaus in der Rudolf-Schuy-Straße 6 ehrenamtlich führt, ist zwar der erste Partner abgesprungen. Er hat aber mit Jonida Dashi eine neue Partnerin gefunden, mit der er die Einrichtung erfolgreich in die Zukunft führen will.

Die Albanerin lebt erst seit einigen Monaten in Deutschland und stellt sich gerne ehrenamtlich als Verkäuferin ins Sozialkaufhaus, um ihr schon beachtliches Deutsch zu verbessern. „Das Konzept kann nur funktionieren, wenn wir keine Mitarbeiter bezahlen müssen und weiterhin eine günstige Miete bekommen“, sagt Capricano. Er und Dashi würden nichts verdienen. Ziel sei es, dass das Kaufhaus null auf null laufe und so dauerhaft bestehen bleiben könne.

Gute Kleidung

Dr. Heinrich Richard, der Vorsitzende des Limburger Komitees für Nothilfe, das das Sozialkaufhaus betreibt, berichtet, dass auch die Energiekosten so weit wie möglich gesenkt worden seien. Dem Vorsitzenden ist es wichtig, dass das Sozialkaufhaus nicht geschlossen wird, „denn es gibt im Limburger Raum eine Menge armer Menschen, die es dringend brauchen“. Sie könnten hier für ein paar Euro gute Kleidung für sich und ihre Kinder bekommen, Schuhe, Spielsachen und viele andere Haushaltsgegenstände. Selbst Möbel können sozial Schwache hier für einen vertretbaren Preis erhalten.

„Wenn jemand wirklich gar nichts hat, geben wir ihm die Sachen schon einmal günstiger oder nehmen gar nichts“, sagt Capricano. Richard meint, mit ein bisschen Glück könne man hier neue oder fast neue Markenware für einen kleinen Obolus bekommen. Oft würden tolle Sachen von Leuten gespendet. Aus Platzgründen kann das Sozialkaufhaus aber nur Sachen nehmen, die noch ordentlich sind und auch nachgefragt werden. „Dafür hätten wir gar nicht den Platz und die Kapazitäten, komplette Hauseinrichtungen zu übernehmen“, sagt Capricano.

Mit einem bisschen Glück kann hier aber eine bedürftige Familie auch mal für einen zweistelligen Betrag ein Sofa im Neuwert von mehreren Tausend Euro erhalten, wie es vor kurzem wirklich den Weg in das Sozialkaufhaus gefunden hat. Capricano weiß aber auch, dass seine Kundschaft weniger Wert auf die Marke lege. Bei wirklich Bedürftigen gehe es erst einmal darum, das Nötigste fürs eigene Leben überhaupt zu bekommen. „Denen ist es egal, ob das Besteck aus Gold ist“, ergänzt Heinrich Richard: „Hauptsache, es kann gegessen werden.“

Capricano hat mit seinem Herzensprojekt eine zeitintensive Arbeit übernommen. Neben dem Beruf verbringt er den Großteil seiner Zeit in der Halle, um die Waren in den Lagerräumen zu ordnen. Im Kaufhaus selbst wurde bereits alles neu geordnet und damit viel übersichtlicher. Die Gänge des barrierefreien Kaufhauses sind mittlerweile so breit, dass man mit dem Rollstuhl durchfahren kann.

30 bis 55 Kunden pro Tag

Capricano hat mittlerweile alles nach Warengruppen sortiert und für jede Gruppe feste Preise gemacht, damit es für Käufer und Verkäufer einfach wird. Wer trotzdem einen Preis nicht zahlen kann, soll einfach mit ihm reden. Nachweisen muss die Bedürftigkeit im Sozialkaufhaus niemand, doch Capricano sagt, dass man es den Leuten schon ansehe, ob sie in Armut leben müssen. In normalen Geschäften könne sich niemand für ein paar Euro mit neuer Kleidung ausstatten, betont Richard. Zudem hält er es auch gesellschaftlich für wichtig, noch tragbare Sachen nicht wegzuwerfen, um nicht durch die überflüssige Produktion immer neuer Kleidung die Umwelt extrem zu belasten.

Capricano sagt, dass pro Tag zwischen 30 und 55 Kunden im Sozialkaufhaus vorbeischauen. Der Betreiber schätzt, „dass 80 Prozent von denen wirklich bedürftig sind“. Die Menschen kämen aber nicht nur zum Kaufen, sondern auch zur sozialen Kontaktpflege. Oft würden mehrere Leute im Sozialkaufhaus zusammensitzen und sich bei einem Kaffee ausgiebig unterhalten. „Das sind schöne Momente“, sagt Capricano, der sich bei vorhandener Zeit auch gerne mal dazu setzt.

Aktuelle Öffnungszeiten des Sozialkaufhauses sind montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 16 Uhr sowie mittwochs von 12 bis 18 Uhr.

Wer Ware spenden will, der sollte möglichst eine E-Mail an post@komitee-nothilfe-limburg.de – bei größeren Gegenständen am besten mit Foto der Ware – senden. Mehr Infos gibt es auch unter u (0 64 31) 4 52 40 oder im Internet unter www.komitee-nothilfe-limburg.de.

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