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Sie wissen um die Not der pflegenden Angehörigen, deshalb wollen Othmar Hicking (links) und Max Prümm auch eine Einrichtung mit Kurzzeitpflegeplätzen schaffen.

Pflege

Hoffnung auf Kurzzeitpflegeplätze - Caritas plant eine neue Einrichtung im Landkreis

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In einer Serie widmeten wir uns dem Thema Pflege in allen Facetten. Heute, zum Abschluss, geht es um die Frage, warum der Urlaub von der Pflege so ein großes Problem ist.

Auf dem Papier ist es ganz einfach: Pflegende Angehörige haben Anspruch auf Urlaub von der Pflege. Vier Wochen im Jahr sollen sie sich erholen können, durchschlafen, mal auf andere Gedanken kommen; die Pflegekasse übernimmt die Kosten. In der Wirklichkeit ist das ein Problem, zumindest im Landkreis Limburg-Weilburg: Wer Glück hat, findet vielleicht sogar ein Pflegeheim, in dem er Mutter, Vater oder Partner für ein paar Tage sicher aufgehoben weiß. Aber planen lässt sich das nicht. Und was ist mit dem Rechtsanspruch auf Urlaub?

„Es ist unzumutbar, dass Angehörige keine Planungssicherheit haben“, sagt Max Prümm, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Bezirk Limburg. Und: „Wir tun alles, was machbar ist, um das Problem zu lösen.“

Aber so einfach ist das eben nicht. Nicht einmal für die Caritas, einen der größten Anbieter in Sachen Pflege. Und das, obwohl die Caritas ein Anbieter ist, der keine großen Gewinne mit seinen Einrichtungen macht, der keine Dividenden ausschütten muss.

Wirtschaftlich arbeiten

„Wir müssen den Inflationsausgleich erreichen“, sagt Max Prümm. Mehr nicht. Und trotzdem scheitert der Urlaub von der Pflege für die Angehörigen am Geld. Denn auch die Caritas muss manchmal wirtschaftlich arbeiten. Mit Kirchensteuern könnten Einrichtungen wie Pflegeheime oder Sozialstationen nicht rechnen, auf diese Feststellung legt Max Prümm großen Wert. „Die müssen sich selbst tragen!“ Und Pflegeheime, in denen Zimmer für die Kurzzeitpflege freigehalten werden, rechnen sich nun mal nicht.

Im Mutter-Theresa-Haus in Niederbrechen hatte die Caritas bis vor ein paar Jahren neun Kurzzeitpflegeplätze und 36 vollstationäre Plätze. „Das ist mit Knirschen gut gegangen“, sagt Othmar Hicking, der Abteilungsleiter Seniorendienste beim Caritasverband Limburg. Aber auch nur deshalb, weil die Plätze in nachfrageschwachen Zeiten, also zum Beispiel nicht im Hochsommer, auch vollstationär belegt werden konnten. Doch damit war Schluss, als die Pflegekassen mit der Kündigung der Versorgungsverträge drohten – wenn die neun Plätze nicht ständig für die Kurzzeitpflege freigehalten werden. Doch das sei gar nicht möglich gewesen, sagt Othmar Hicking. Schließlich gebe es noch eine andere Vorschrift: dass die Einrichtung zu mindestens 98 Prozent belegt ist. „Und Kurzzeitpflege zu 98 Prozent auszulasten, ist faktisch unmöglich.“ Also musste Schluss sein mit der flexiblen Nutzung und damit mit den eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen im Mutter-Theresa-Haus.

Kompromiss bis Jahresende

Damit die Not der Angehörigen nicht noch größer wird, gibt es bis zum Ende dieses Jahres eine Art Kompromiss: Fünf der neun Kurzzeitpflegeplätze sind vollstationäre Plätze geworden, vier können als Kurzzeitpflegeplätze genutzt werden. „Aber in der Realität kommt das so gut wie nie vor.“ Denn auch der Bedarf an vollstationären Plätzen ist groß. „Das Mutter-Theresa-Haus ist permanent ausgelastet“, sagt Max Prümm.

Es gebe eigentlich nur eine Möglichkeit, dieser „klaren Fehlentwicklung in Sachen Bedarf“ zu begegnen: mit einer „solitären Kurzzeitpflege-Einrichtung“, also einer Einrichtung, die nur Kurzzeitpflegeplätze anbietet – und zwar zu besonderen Konditionen.

Eine Einrichtung, die zur Kurzzeitpflege-Einrichtung werden könnte, haben Max Prümm und Othmar Hicking auch schon im Blick. Welche das ist, wollen sie noch nicht verraten. Schließlich stehen die Verhandlungen mit den Pflegekassen noch aus. „Aber wir wären grundsätzlich bereit, eine Kurzzeitpflege-Einrichtung im Kreis zu schaffen“, sagt Max Prümm.

Zeitpunkt günstig

Und der Zeitpunkt ist günstig: „Wir stehen vor einer Umstrukturierungsphase unseres Heimverbundes.“ Insgesamt fünf Pflegeheime betreibt die Caritas in der Region, mit insgesamt 230 Plätzen, und gleich mehrere Einrichtungen müssten sowieso bald saniert werden. Eines dieser Häuser könnte dann eine neue Bestimmung bekommen, „wenn es für uns wirtschaftlich machbar wäre“. Davon hätten dann alle was, wenn auch erst frühestens in anderthalb Jahren: die pflegenden Angehörigen, die ihren Urlaub von der Pflege planen, wollen und auch die Caritas. „Wir wollen die ganze Palette darstellen“, sagt Prümm: mit stationärer Pflege, Tagespflege, ambulanter Pflege und ambulantem Palliativdienst. Da sei so eine Kurzzeitpflege-Einrichtung doch auch eine gute Werbung – für die Einrichtungen der Caritas, für das Pflege- und Betreuungskonzept. Natürlich seien die geplanten 27 Plätze bei Weitem nicht genug, sagt der Caritas-Geschäftsführer. „Aber wir sind ja nicht die einzigen Player im Kreis“, die anderen Anbieter seien genauso in der Verantwortung. Und auch sie wüssten ja um die Not der pflegenden Angehörigen.

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