Winfried Klein (rechts) zeigte den Gästen die Aumenauer Lachsaufzuchtstation. Foto: Klöppel

Ärger über Bundeswasserstraßen

IG Lahn will Anzeige erstatten

Die Interessengemeinschaft (IG) Lahn leistet viel für den Naturschutz. Vorsitzender Winfried Klein ärgert sich aber, dass zu wenig für die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie getan wird.

Limburg/Weilburg – Bei der Renaturierung der kleineren Gewässer sei in der Region in den vergangenen Jahren einiges verbessert worden, sagte Klein am Samstag in der Jahreshauptversammlung des Vereins im Aumenauer Schützenhaus. Dafür habe es ja auch 85 Prozent Zuschuss des Landes gegeben. Bei den größeren Gewässern sei aber kaum etwas geschehen, bei den Bundeswasserstraßen null. Laut Klein sei die letzte Frist zur Umsetzung aller Maßnahmen Ende 2027. Wenn die nicht eingehalten werden, werde die IG Lahn bei der Europäischen Union (EU) in Brüssel Anzeige erstatten.

Für den Vorsitzenden ist das neue Projekt LiLa (Living Lahn) eine Farce, da es mehr um die Interessen von Kraftwerksbetreibern und Bootsfahrern als um eine naturnahe Gestaltung des Flusses gehe. "Das alles ist sehr kontraproduktiv zu den Zielen der Wasserrahmenrichtlinie. Mit den vorhandenen 16 Millionen Euro hätte man wesentlich mehr erreichen können", sagte Klein.

Stauhaltungen für die Bootsfahrer führen nach seinen Aussagen durch Algenbildung zu extrem schwankenden Sauerstoffbedingungen. Tagsüber sei eine Übersättigung von bis zu 200 Prozent möglich, die den Jungfischen die Kiemen verbrenne. Nachts könne es zu Sauerstoffmangel kommen. Durch Bootsverkehr komme Faulschlamm auf den Fischlaich und zerstöre ihn. Die Boote wirbelten außerdem Kleinfische in die Luft und töteten sie, erläuterte Klein. Der Rhein sei für die Bootsfahrt breit genug, die Lahn eben nicht.

Der Vorsitzende hatte aber auch positive Nachrichten parat. Das Lachsprojekt an der Lahn laufe weiterhin mit hohem Engagement. Im Herbst würden die zurückkehrenden großen Lachse gefangen, der Laich abgestreift und in die Brutschränke in Aumenau gesteckt. 10 000 Lachse würden aktuell in Aumenau aufgezogen. Bald würden sie wieder in Weil, Emsbach und Dill ausgesetzt, Richtung Grönland ziehen und dann hoffentlich nach vier Jahren zum Laichen zurückkehren.

Lahn: Wiederansiedlung von Tieren 

Die IG Lahn setzt sich in der Region auch für die Wiederansiedlung von Bachmuscheln ein, berichtete Klein. Im Emsbach seien Fische vor zwei Jahren eingesetzt worden und mittlerweile bereits Jungmuscheln gefunden worden. Die Muscheln sind laut Klein sehr wichtig im Wasser, weil eine einzige pro Tag 400 bis 600 Liter Wasser filtern könne.

Auch Aale werden, so der Vorsitzende der IG weiter, jedes Jahr in der Lahn ausgesetzt, um den Bestand für die kommenden 20 bis 25 Jahre zu sichern. Das große Problem seien aber nach wie vor die Wasserkraftanlagen, die einen großen Teil der Fische bei der Abwanderung Richtung Rhein töteten. Die größeren Tiere verendeten im Rechen, die kleineren in den Turbinen. Folglich kämen nur wenige Fische in die Sargassosee, einen Bereich des Atlantiks nahe der Bahamas.

Winfried Klein sagte, dass es Ziel der EU sei, das frühere Artenspektrum in Flüssen durch Wiederansiedlungsprojekte wiederherzustellen. In der Lahn habe aber der Bestand fast aller Arten trotz aller Bemühungen abgenommen. Die Lahn brauche neben guter Wasserqualität in erster Linie durchgehende Durchlässigkeit.

IG Lahn: Junge Helfer gesucht

Nach seinen Angaben müssen weitere Unfälle verhindert werden, damit kein Gas aus Biogasanlagen in die Lahn dringe. Das größere Problem seien aber nicht funktionierende Fischaufstiege. Jede müsse untersucht und bei Bedarf umgebaut werden.

Winfried Klein sagte, dass die IG Lahn dringend junge Helfer brauche, die Lust hätten, in Zukunft den Verein bei der Umsetzung seiner Wiederansiedlungsprojekte zu unterstützen und damit etwas für das wichtige Thema Artenschutz zu tun.

Infos auf der Webseite www.ig-lahn.de. 

rok

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