Aufgrund von Problemen mit einem Obdachlosen hat die Stadt die Sitzbank am Bushalt bei den Pallottinern abgebaut.
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Aufgrund von Problemen mit einem Obdachlosen hat die Stadt die Sitzbank am Bushalt bei den Pallottinern abgebaut.

Alkoholprobleme

Obdachloser erregt Aufmerksamkeit und lehnt jede Hilfe ab

  • vonRobin Klöppel
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Günter K. schläft in Buswartehäuschen. Hilfe von Stadt und Caritas hat der 47-Jährige abgelehnt. Vor allem mit Alkohol hat der Obdachlose zu kämpfen.

Limburg - Viele Bürger sind in den vergangenen Wochen auf einen Obdachlosen in Limburg aufmerksam geworden, der meistens an der Bushaltestelle bei den Pallottinern an der Frankfurter-/Ecke Wiesbadener Straße schläft. Einige hielten es für herzlos, dass die Stadt die Sitzbank im Buswartehäuschen abgebaut hat, um den Mann von dort fernzuhalten. Sie fragten sich, warum dem Mann keiner in seiner Not hilft und wandten sich auch an die NNP.

Nachfragen bei der Stadt Limburg und der Caritas haben aber ergeben, dass beide Stellen die Geschichte von Günter K. sehr gut kennen und immer wieder vergeblich versucht haben, ihm zu helfen und den Schritt in eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Dazu gehörten das Angebot für ein Einzelzimmer in der Gemeinschaftsunterkunft der Stadt in der Rudolf-Schuy-Straße und eine fachliche Betreuung, die in einem Alkoholentzug mit Nachbetreuung hätte enden können. Der Betroffene habe Hilfe aber immer abgelehnt, wie Stadtsprecher Johannes Laubach berichtet. Harry Fenzl, Fachdienstleiter der Limburger Caritas Wohnungslosenhilfe, versichert: "Wir bleiben an dem Fall dran. Herrn K. stehen unsere Türen immer offen."

Die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem 47-Jährigen ergab sich, als er mal wieder neben dem Eingang des Rewe-Marktes in der Nähe saß. Sich fotografieren lassen wollte der Betroffene aber nicht, weil er sich schämte, in schäbigen Klamotten abgebildet zu werden.

Limburg: Obdachloser nach Sturz im Krankenhaus

Wer sich wundert, dass der Obdachlose aktuell nicht mehr vor dem Supermarkt oder an der Bushaltestelle sitzt: Einen Tag nach dem Gespräch soll K. abends unter starker Alkoholeinwirkung in der Innenstadt schwer gestürzt sein und sich einen komplizierten Bruch zugezogen haben. Dadurch ist er nun im Krankenhaus untergebracht. Vielleicht ist das auch eine Chance für den Obdachlosen, vom Alkohol wegzukommen.

Am Tag vor dem Unfall hatte K. noch stolz berichtet, dass er seit vier Tagen keinen Alkohol mehr angerührt habe. Allerdings hatte er auch da den Reporter schon darum gebeten, abends an die Bushaltestelle so "drei bis vier Bier vorbeizubringen". Er habe Lust darauf. Das Bier hat er aber im Gegensatz zu einem heißen Kaffee und einem belegten Brötchen nicht bekommen.

Vor dem Rewe darf sich K. auch nur unter der Bedingung aufhalten, dass er dort keinen Alkohol trinkt und keine Kunden animiert, ihm im Markt alkoholische Getränke zu kaufen.

Der gebürtige Limburger hat, wie er sagt, früher ganz normal als Automechaniker gearbeitet. Doch die Probleme begannen nach eigenen Angaben, als er durch eine Öl-Allergie den erlernten Beruf aufgeben musste. Zwar habe es sich durch Gelegenheitsjobs als Gärtner oder Lagerarbeiter weiter über Wasser gehalten, doch immer mehr wurde der Alkohol zu seinem besten "Freund". Seinen Alkoholkonsum habe er bald schon nicht mehr unter Kontrolle gehabt, gibt K. selbst zu.

Betrunken habe er sein Auto wegrollen lassen und dann den Führerschein verloren. Auch seine Wohnung verlor er, weil er, betrunken den Nachbarn viel zu laut gewesen sei. Das war auch der Grund, warum K. schon aus dem Limburger Obdachlosentreffpunkt der Caritas flog. In Gemeinschaftsunterkünften schläft K, wie er sagt, nicht gerne. Dort komme es häufiger zu Aggressionen - und dort sei er auch schon bestohlen worden.

Der 47-Jährige hat auch schon nachts im Bahnhof übernachtet. Aber auch der Bahnhofsvorplatz ist ihm zu unsicher geworden. Aufgrund eines Hüftschadens könne er nicht schnell aufstehen. Das hätten andere aus der Szene ausgenutzt und ihn mehrfach bestohlen. Also verdrückte sich K. dahin, wo er alleine war, an die Bushaltestelle. K. sagt: "Ich würde gerne wieder ein normales Leben führen und hätte gerne eine Wohnung." Er schaffe es mittlerweile schon, weniger zu trinken. Allerdings brauche er mal eine länger stationäre Entgiftung, glaubt er. Vier Mal sei er nur kurz in der Klinik gewesen und dann immer rückfällig geworden.

Limburg: Obdachloser teilweise eine Gefahr für sich und andere

Stadtsprecher Laubach berührt das Schicksal des 47-Jährigen auch. Allerdings sei dieser in alkoholisiertem Zustand teilweise eine Gefahr für sich und andere. Zahlreiche Anwohner hätten sich über sein Verhalten beschwert, Schulkinder nicht mehr an ihm vorbeigehen wollen. Laubach sagt, dass es ein großes Problem sei, dass sich einige Zeitgenossen mit dem Alkoholiker noch einen Spaß machten und ihn abends bewusst mit Schnaps abfüllten.

Auch dem Leiter der Pallottiner, Pater Alexander Holzbach, ist K. schon aufgefallen. Leider gebe es bei den Pallottinern aber nicht mehr die Möglichkeit, Fremde dort essen und übernachten zu lassen. Wenn der Obdachlose im kalten Winter aber immer noch da liegen würde, müsse er sich etwas überlegen.

Harry Fenzl wertet es als gutes Zeichen, dass Bürger auf K. aufmerksam geworden seien und ihm helfen wollten. Der Betroffene sei dabei sehr pfiffig und habe sich schon ein kleines Unterstützungsnetzwerk aufgebaut. Laut Fenzl könne K. weiter mit Hilfe der Caritas rechnen, müsse aber auch selbst bereit sein, sie anzunehmen und etwas an seinem Leben zu verändern.

"In Limburg muss kein Mensch unter freiem Himmel übernachten"

Wie sieht die Lage der Obdachlosen in der Stadt aus? Harry Fenzl versichert: "Die Caritas-Wohnungslosenhilfe ist in Limburg gut aufgestellt und vernetzt." Die Hilfen erreichten auch einen Großteil der Wohnungslosen. Trotzdem begegneten ihm auch Menschen, die aufgrund ihrer sozialen und gesundheitlichen Schwierigkeiten nicht in der Lage seien, die angebotenen Hilfen zu nutzen und anzunehmen.

Bei diesen Menschen liege häufig eine Suchtproblematik in Verbindung mit tiefen seelischen bis hin zu psychischen Erkrankungen vor, sagt der Fachdienstleiter der Limburger Caritas Wohnungslosenhilfe. Wenn keine Einsicht und Behandlungsbereitschaft vorliege, komme das Hilfesystem schnell an seine Grenzen. "Wir fühlen uns auch in diesen Grenzerfahrungen verantwortlich und bleiben dran", sagt Fenzl.

Stadtsprecher Johannes Laubach betont: "In unserer Stadt muss kein Mensch unter freiem Himmel übernachten." Allerdings müssten die Betroffenen auch bereit sein, Hilfe anzunehmen. Zu dem von Günter K. angesprochenen Thema Angst vor Gewalt in Obdachlosen-Gemeinschaftsunterkünften sagt Laubach, dass es in der Schuy-Straße mit 38 Plätzen im Frühjahr Probleme gegeben habe, weil die Einrichtung gewachsen sei und neue Bewohner teilweise das Zusammenleben nachhaltig gestört hätten. Dieses Problem habe die Stadt aber mittlerweile durch die Einrichtung eines Sicherheitsdienstes in den Griff bekommen.

Wer Obdachloser ist oder Betroffene kennt, die Hilfe brauchen, erreicht Harry Fenzl im Büro unter Telefon (0 64 31) 94 82-14 oder per E-Mail an h.fenzl@caritas-limburg.de.

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