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Der Limburger Dom gestern Mittag im Sonnenlicht: Eine ungewöhnliche Perspektive aus dem Pfarrgarten. Links die Westfassade mit den beiden Haupttürmen (der bekannte Blick von vorne), hinten der Vierungsturm, mit 60 Metern der höchste der insgesamt sieben Türme. So viele hat keine andere Kirche in Deutschland.

Fertigstellung bis 2023

Millionen für Sanierung des Limburger Domes: Darum ist die Restaurierung so wichtig 

Der Dom in Limburg muss restauriert und saniert werden - und das wird nicht billig.

Limburg - Im Januar mussten Fassadenkletterer große Löcher im Mittelturm reparieren, weil es auf den Altar regnete. Nun wird der Limburger Dom ein neues Dach bekommen. Die Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten sollen im Sommer des nächsten Jahres beginnen und bis Ende 2023 abgeschlossen sein.

Das wird eine außergewöhnliche Baustelle - und eine sehr anspruchsvolle: Am Limburger Dom müssen etwa 3200 Quadratmeter Dachflächen mit Schiefer neu eingedeckt und für die Arbeiten rund 12.000 Quadratmeter Gerüste aufgebaut werden. Um sieben Türme herum und bis in 60 Meter Höhe. Eine Aufgabe für Spezialisten, weil ein großer Teil der fast 800 Jahre alten Bausubstanz noch im Originalzustand ist und erhalten werden soll.

Sanierung des Limburger Doms: Viele Fragezeichen

Deshalb steht hinter dem genauen Termin für den Startschuss noch ein Fragezeichen. "Das kann nicht jeder, und wir wissen ja, dass Fachkräfte Mangelware sind", sagte Projektleiter Karl Heinz Waschkowitz gestern in Limburg. Er hofft, dass Handwerker "diesen Hochkaräter" als Referenzobjekt betrachten und sich deshalb dem Wettbewerb stellen.

Projektleiter Karl Heinz Waschkowitz erläuterte gestern die Pläne für die Sanierungsarbeiten.

Die Fassadenkletterer, die im Januar große Löcher im Vierungsturm stopften, werden laut Waschkowitz nicht mehr gebraucht. "Das war eine eilige Notreparatur, um größeren Schaden an dem Kulturdenkmal zu vermeiden", erläuterte er. Nachdem diese Zeitung über den spektakulären Einsatz berichtet und auf die bevorstehende Gesamtmaßnahme hingewiesen hatte, gaben der verantwortliche Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) und das Bistum Limburg am Donnerstag in der Michaelskapelle die Details und die Kosten bekannt.

Sanierung des Limburger Doms: Für die nächsten Jahrzehnte

Die Arbeiten sollen Mitte des nächsten Jahres beginnen und bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Nach heutigem Stand wird das für das Bauwerk verantwortliche Land Hessen rund 8,2 Millionen Euro für die Restaurierung und Sanierung ausgeben. Wie wichtig diese "Investition für die nächsten Jahrzehnte" ist, erklärten neben den LBIH-Verantwortlichen auch Diözesanbaumeister Stefan Muth und Architekt Andreas Müller vom Diözesanbauamt sowie Dr. Georg Manten vom Kultusministerium, das in der Landesregierung die Baulastverpflichtungen betreut.

"Der Limburger Georgsdom ist ein bedeutendes Wahrzeichen und ein Anziehungs- und Identifikationspunkt für viele Gläubige im Bistum", betonte Muth. "Wir freuen uns, dass unser 800 Jahre altes Gotteshaus bald in neuem Glanz erstrahlen wird." Karl Heinz Waschkowitz sagte, der Limburger Dom sei "in vielerlei Hinsicht einzigartig". Über sieben Türme verfüge keine andere Kirche in Deutschland, die Dimensionen dieses Sanierungsprojekts seien beeindruckend. Beide hoben die enge und gute Zusammenarbeit der beteiligten Stellen hervor, auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Im Winter klafften große Löcher im Dach.

Aussehen des Limburger Doms unverändert

Am Aussehen des in vergangenen Zeiten mehrfach umgestalteten Bauwerks soll sich nichts ändern. Der in den 1970er Jahren festgelegte Farbton bleibt gleich, der Naturschiefer wird zwangsläufig etwas dunkler, weil der bisherige hellgraue nicht mehr zu bekommen ist. Der historische Dachstuhl aus fast 800 Jahre alten Nadelhölzern wird instandgesetzt und komplett neu eingedeckt. An den Fassaden sind teils Putzreparaturen, Reinigungsarbeiten sowie ergänzende Verfugungen und Anstriche geplant. Auch die Blitzschutzanlage wird erneuert. 

Die exponierte Lage auf dem Domberg stellt nach Angaben Waschkowitzs bei den Arbeiten eine Herausforderung dar. So sei etwa der Materialtransport wegen der schmalen Gassen in der Altstadt kompliziert; außerdem gebe es kaum Lagerflächen.

Vier Bauabschnitte bei Sanierung des Limburger Doms

Die Maßnahme soll in vier Abschnitten durchgeführt werden. Mit dem schwierigsten geht es los: Der 60 Meter hohe Vierungsturm in der Mitte ist besonders schwierig einzurüsten. Danach geht es an den vier Flankentürmen (je zwei an der Nord- und an der Südseite) und im dritten Teil hinten an der Ostseite weiter. Die Westfassade mit den beiden Haupttürmen, die "Schokoladenseite", so Waschkowitz, bildet den Abschluss. "Wir wollen diesen Teil am Domplatz so lange wie möglich frei halten", sagte er.

Wesentliche Einschränkungen in der Nutzung der Bistumskirche werde es nicht geben - außer unvermeidbaren Lärmbelästigungen. Darauf müssen sich neben den Besuchern wohl auch die Anwohner einstellen.

Der Großbrand von Notre-Dame hat keine Auswirkungen auf die Limburger Pläne. "Wir haben bereits 2011 eine Brandmeldeanlage installiert. Die Feuerwehr kann schnell erkennen, wo es brennt, und übt regelmäßig am Dom", sagte Waschkowitz. "Wir sind besser aufgestellt als in Paris." Beide Gebäude seien aber auch überhaupt nicht miteinander zu vergleichen.

Limburger Dom: Warum das Land Hessen die Kosten übernimmt

Die Arbeiten für die Kathedrale auf dem Lahnfelsen hoch über der Altstadt haben etwa 1180 begonnen; im Jahr 1235 ist der Limburger Dom geweiht worden. Er gilt als gelungene Verschmelzung romanischer und frühgotischer Baukunst.

Dass das Land Hessen die Kosten für den Erhalt des Doms übernimmt, beruht auf einem Vertrag des Landes mit den katholischen Bistümern aus dem Jahr 1963. Die gleiche Regelung gilt für den Dom in Fulda sowie (aufgrund eines Vertrags mit den Evangelischen Landeskirchen von 1960) für die Elisabethkirche und die Universitätskirche in Marburg.

In der Landesregierung werden die Baulastverpflichtungen für diese vier Gotteshäuser - allesamt Baudenkmäler allerhöchsten Ranges - im Kultusministerium betreut. Das Kultusministerium ist für die Regelung der Rechtsbeziehungen zwischen Staat und Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zuständig. Alle übrigen ehemaligen Baulastverpflichtungen des Landes Hessen an kirchlichen Gebäuden sind seit 1960 bzw. 1963 abgelöst.

von Joachim Heidersdorf

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