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Der Neumarkt in Limburg aus der Vogelperspektive. Ausnahmsweise mal mit vollen Baumkronen, was mittlerweile selten ist.

Planungsbüros aus Saarbrücken

Das sind die fünf Vorschläge für die Neugestaltung des Limburger Neumarkts

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Die geplante Neugestaltung des Neumarkts geht in seine finale Phase. Einer von fünf Vorschlägen von Planungsbüros soll die Grundlage für eine Neugestaltung werden. Dabei handelt es sich um den Vorschlag, den bereits der Magistrat als Favoriten auserkoren hatte. Weitere Vorschläge, auch von Bürgern, sind ausdrücklich erwünscht.

Limburg - Fünf Konzepte zum Neumarkt liegen vor. Welche es sind, wissen spätestens seit gestern Abend auch die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und des Ortsbeirats Limburg. Die beiden Gremien waren in einer Sondersitzung im kleinen Saal der Stadthalle zusammengekommen, um sich die fünf Vorschläge von den jeweiligen Planungsbüros vorstellen zu lassen.

CDU und SPD sind sich einig darin, einen der Vorschläge als Basis zu nutzen, um weitere Ideen zu entwickeln. Es ist der Vorschlag eines Planungsbüros aus Saarbrücken, den der Magistrat zuvor als Favoriten erkoren hatte.

Vertreter von CDU und SPD machten in der Sitzung gestern Abend allerdings deutlich, ihnen fehle bei diesem Vorschlag noch ein „belebendes Element“ in der Mitte des Platzes, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Paul-Josef Hagen (SPD) schlug zum Beispiel ein Wasserspiel vor, das schon am Europaplatz sehr gut funktioniere. Ähnlich äußerte sich Stadtverordnetenvorsteher Stefan Muth (CDU). In dem vom Magistrat ausgewählten Favoriten erkennt er durchaus gute Ansätze wie „grüne Inseln“, aber auch eine Schwäche: dass die Mitte des Platzes frei bleiben soll. Aus seiner Sicht ist es aber wichtig, dass der Neumarkt auch im „Normalbetrieb“ mehr Menschen anzieht als bisher, und zwar Familien mit Kindern.

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SPD-Fraktionschef Peter Rompf hat noch einige Fragen zur Gestaltung des Kiosks und des Imbisses. Auf Vorschlag der SPD sollen die Bürger noch vor einem Beschluss der Stadtverordneten eingebunden werden, um Ideen äußern zu können.

Kritik von FDP und Grünen

Deutliche Kritik äußerten hingegen die Vertreter von FDP und Grünen an den fünf Vorschlägen zum Neumarkt. Dr. Sebastian Schaub (Grüne) zeigte sich enttäuscht von allen fünf Ideen. Jeder dieser Ideen liege weit hinter den Gestaltungsvorschlägen der Fraktionen von CDU, FDP und Grünen. Nichts von diesen Ideen sei aufgegriffen worden. Marion Schardt-Sauer (FDP) zeigte sich grundsätzlich skeptisch, auch was den Favoriten betrifft. Die aufgerufene Investitionssumme in Höhe von 2,5 Millionen Euro sei schon sehr hoch. Da erscheine es fast schon als sinnvoller, erstmal nichts zu machen.

Kai-Hagen Maiwald (Linke) sprach sich für den Entwurf eines Landschaftsarchitekten aus Kassel aus. Alle Platanen würden stehen bleiben, und es kämen noch zusätzlich grüne Inseln hinzu. Auch die vielen Sitzmöglichkeiten seien zu begrüßen. Was noch fehle, seien Spielmöglichkeiten für Kinder.

Die fünf Vorschläge 

  • Der Favorit des Magistrats stammt vom Planungsbüro Dutt & Kist aus Saarbrücken, mit veranschlagten Kosten von knapp 2,4 Millionen Euro der teuerste Vorschlag. Das Leitmotiv ist ein „rostrotes Band“ zwischen den Bäumen am Rand des Neumarkts. Um einige der Platanen sollen Sitzmöglichkeiten entstehen und „urbane“ Spielgeräte aufgestellt werden. Die Pavillons (Kiosk und Imbiss) sollen neu gebaut werden. Vier der insgesamt 20 Platanen sollen gefällt werden, um eine „höhere Flexibilität“ zu ermöglichen.
  • Der zweite Vorschlag stammt vom Planungsbüro „landschaftsarchitektur“ aus Solingen (Kosten knapp 1,9 Millionen Euro). Die Platzmitte soll „als ruhige Insel“ (mit einer wassergebundenen Decke) wahrgenommen werden, mit freier Bestuhlung. Am Georgsbrunnen ist ein Wasserspiel vorgesehen. Die beiden Pavillons sollen neu geplant werden. Außerdem wird eine „zeitlose Seilbeleuchtung ohne störende Maste“ empfohlen.
  • Den Georgsbrunnen durch ein flaches Wasserelement zu erweitern, schlägt das Planungsbüro Ramboll Studio Dreiseitl aus Überlingen vor. Für eine Investitionssumme von gut 1,5 Millionen Euro sollen auf dem Neumarkt Sitzelemente und „Fahrradparkblöcke“ verstreut werden, „schwebende Lichtpunkte“ die Platzmitte betonen und drei Bereiche geschaffen werden (Umrandung, zentrale Platzfläche und Kopfsteinpflasterbereiche). 
  • Den Neumarkt durch Zierkirschen zu ergänzen, die irgendwann die Platanen ersetzen sollen, schlägt das Planungsbüro Mann Landschaftsarchitektur aus Fulda vor. Mit geplanten Kosten von knapp 1,2 Millionen Euro sollen die Pavillons verschwinden, unter den Bäumen eine helle wassergebundene Decke geschaffen werden mit Sitzbänken, Trinkbrunnen und Spielgeräten. Damit die Hauptfläche frei bleibt, empfiehlt das Büro eine Kombination aus Mast- und Pendelleuchten.
  • Den günstigsten Vorschlag (knapp eine Million Euro) macht Landschaftsarchitekt Michael Triebswetter aus Kassel. Er empfiehlt fünf grüne Inseln mit Stauden und Gräsern. Der innere Bereich soll einen gefärbten Asphalt erhalten. Einzelne Platanen sollen nachts angestrahlt, die grünen Inseln von unten angeleuchtet werden. Ein Lesewürfel wird vorgeschlagen. Kiosk und Toiletten sollen neu geplant und mit einem grünen Dach versehen werden.

von Stefan Dickmann

Machen sie mit!

Haben Sie Vorschläge zum Neumarkt? Dann machen Sie mit, liebe Leserinnen und Leser, und schreiben Sie uns, was Sie sich auf dem Neumarkt in Limburg wünschen. Morgen stellen wir die fünf Planskizzen vor. Welcher Vorschlag sagt Ihnen zu? Ihre Vorschläge und Meinungen schicken Sie uns bitte per E-Mail an nnp-limburg@fnp.de

Kommentar: Bürger müssen jetzt ihre Ideen vorlegen können

Im Augenblick fühlt sich fast jeder Limburger berufen, eine Skizze zum Neumarkt zu entwerfen. Das zeigt zum einen die große Lust, diesen Platz zu gestalten, zum anderen aber auch den großen Frust, der sich aufgestaut hat, weil zu lange nichts passiert ist. Jetzt müssen endlich politische Entscheidungen getroffen werden. Der Neumarkt soll ein Platz für alle Bürger sein. Umso wichtiger ist es, die Bürger jetzt anzuhören. Nach einer fertigen Planung in eine „Diskussion“ einzusteigen, wie der Magistrat sich das vorstellt, macht überhaupt keinen Sinn. Was insgesamt erstaunt, ist der seltsame Umgang mit den Platanen auf dem Neumarkt. Die sind fester Bestandteil in den Planungen. CDU, Grüne und Linke haben das so vorgegeben. Dazu ein Satz für die Ewigkeit: Neu zu schaffende Pflanzflächen auf dem Neumarkt sollen „dem Grün der Baumkronen ein blühendes Pendant auf Fußgängerebene zur Seite stellen“. So steht es wörtlich im favorisierten Planungskonzept. Wenn Sie sich jetzt fragen, welches Grün, stellen Sie die richtige Frage. Es gibt kein Grün auf dem Neumarkt. Weil die Platanen alle zwei Jahre komplett zurückgeschnitten werden. Dass bisschen Grün, das ausschlägt, schafft es nicht mal, Schatten zu werfen. Im Augenblick sehen die Platanen aus wie das Mahnmal für den unbekannten Baum, der beim Kettensägenmassaker gefallen ist.

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