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Max Stillger ist auch in Sachen DFB wieder guter Laune.

Kein Ausschluss, keine deftigen Kommentare

Stillger schließt Frieden mit DFB

Grindel ist weg, Stillger wieder da: Nach dem Rückzug des ungeliebten DFB-Präsidenten hat der Limburger Edelfan wieder Frieden mit dem Deutschen Fußball-Bund geschlossen – und umgekehrt. Er wird nun doch nicht aus dem Kreis der „Freunde der Nationalmannschaft“ ausgeschlossen und will im Gegenzug auf deftige Kommentare verzichten.

Limburg - Max Stillger hat sein Ziel erreicht. Der Limburger Unternehmer, der sich selbst als „Chef-Kritiker“ von Reinhard Grindel bezeichnete und mit seinen heftigen Angriffen gegen den DFB-Präsidenten bundesweit Schlagzeilen machte, ist in der Diskussion um den Deutschen Fußball-Bund plötzlich ganz zahm. Nachdem Grindel alle Posten, auch im Europa- und im Weltverband geräumt hat, hat Stillger nicht „nachgetreten“. Das hat viele überrascht – aber einen guten Grund.

Der 56-Jährige hat Frieden mit dem DFB geschlossen. Alle haben sich nun wieder lieb. Die „Freunde der Nationalmannschaft“ (FdN), die Stillger im Dezember wegen seiner „wiederholten öffentlichen und persönlichen Verunglimpfung und beleidigenden Herabwürdigung des DFB-Präsidenten“ hochkant rausgeworfen hatten, verzichten auf den Ausschluss. Der Vorstand gibt dem langjährigen Mitglied jetzt „eine letzte Chance“. So steht es in einer Vereinbarung, die beide Seiten in dieser Woche unterzeichnet haben.

Kein Maulkorb

Max Stillger verpflichtet sich darin, „zukünftig schmähhafte, beleidigende oder in sonstiger Weise herabwürdigende Äußerungen mit Bezug auf den DFB, seine Repräsentanten und die Nationalmannschaft zu unterlassen“. Oha – ob er das tatsächlich schafft, werden sich alle fragen, die den impulsiven Mann und seine spontanen und häufig deftigen Kommentare in den sozialen Medien auch zu anderen Themen kennen.

„Kein Problem“, meint Stillger. „Ich habe mich ja eigentlich nur über Grindel so tierisch aufgeregt“, sagte er gestern dieser Zeitung. Der Fußballfan und -experte sieht sich durch den mehr oder weniger erzwungen Rücktritt des Präsidenten bestätigt und rehabilitiert. Der Zeitpunkt entlockt ihm noch heute Schadenfreude. In einem Aprilscherz dieser Zeitung hatte Stillger angekündigt, Grindel „abschießen“ und beim nächsten DFB-Bundestag im September selbst als Präsident kandidieren zu wollen. Am nächsten Tag war das Thema erledigt.

Die Vereinbarung empfindet der Unternehmer nicht als Maulkorb. „Ich werde mich bei Bedarf in der Sache weiter kritisch zu Wort melden, aber diplomatischer und im gemäßigten Ton“, verspricht er.

Im vergangenen Sommer hatte ihn zunächst die verkorkste Fußball-WM in Russland in Rage gebracht – und später das Verhalten Grindels. Auf seinen offenen Brief mit einer schonungslosen Abrechnung mit dem Team und den Funktionären erhielt Stillger im weltweiten Netz 20 614 positive Rückmeldungen. Auf Facebook postete er unter anderem: „Der Fisch stinkt ganz oben am Kopf... Ich kann die Visage dieses grinsenden Hinterbänkler-Politikers nicht mehr sehen.“

Gelbe und rote Karte

Die „Freunde der Nationalmannschaft“ zeigten Stillger am 17. September in Form einer schriftlichen Abmahnung die gelbe Karte. Sie blieb ohne Wirkung, Stillger leistete sich weitere verbale Fouls. Am 2. Dezember schrieb er als Reaktion auf die Skandale in der UEFA und der FIFA: „Die ganze Fußball-Welt wird momentan auf den Kopf gestellt. Und wir – Fußball-Deutschland – werden von einem drittklassigen Politiker vertreten, der durch äußerst unglückliche Umstände an die Spitze des weltgrößten Sportverbands DFB gespült wurde. Der weiß gerade mal erst seit drei Jahren, dass kein Frosch im Ball ist... Ich möchte einen Fußball-Fachmann in dieser Position sehen.“

Das reichte den DFB-Oberen. Am 12. Dezember zückten sie die rote Karte und schlossen den Limburger Edelfan nach 21-jähriger Mitgliedschaft aus dem elitären Kreis der „Freunde der Nationalmannschaft“ aus.

150 Länderspiele

In dieser Zeit hat Stillger nach eigenen Angaben immer freiwillig mehr als den Jahresbeitrag von 1000 Euro gezahlt, rund 150 Länderspiele und alle großen Turniere weltweit besucht.

Im Rahmen einer Anhörung erklärte Stillger im Frühjahr, dass er seine Wortwahl und die erneuten Äußerungen bedauere und gelobte Besserung.

Der FDN-Vorstand gab sich damit nicht zufrieden, beriet eingehend, befürchtete Wiederholungsgefahr und bestand auf einer schriftlichen Vereinbarung, um die Ernsthaftigkeit der Zusage sicherzustellen.

von Joachim Heidersdorf

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