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Blick auf den Bahnhofsplatz und die Taxi-Stände. Hier lockt angeblich seit Frühsommer vergangenen Jahres eine Gruppe von Männern potenzielle Taxi-Kunden in ihre privaten oder gemieteten Autos, um sie zu Dumpingpreisen illegal zu befördern.

Polizei ermittelt

Organisierte Kriminalität in Limburg? Taxifahrer fürchten illegale Konkurrenz

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Seit Anfang des Jahres ermittelt die Polizei gegen eine Gruppe von Männern, die im Verdacht steht, in Limburg illegale „Taxi“-Fahrdienste anzubieten. 

Limburg - In den frühen Morgenstunden am vergangenen Sonntag wartete ein Taxifahrer vor der Discothek „Musikpark“ in Staffel auf Fahrgäste. Drei junge Leute, eine Frau und zwei Männer, stiegen um 5.38 Uhr in sein Taxi, wie er später notierte. Sie wollten sich nach Hadamar fahren lassen. Als er gerade losfahren wollte, näherte sich nach seinen Angaben ein Mietauto der EVL. Einer der Fahrgäste rief den Vornamen des Autofahrers im Mietauto, die drei stiegen plötzlich wieder aus und ließen sich von dem anderen Mann nach Hadamar fahren.

Es war nicht nur ein Bekannter, der einen zufällig mitnimmt, sondern nach monatelangen Beobachtungen Limburger Taxifahrer ein Fahrer, der zu einer Gruppe von circa zehn Männern gehören soll, die seit Frühsommer 2018 mutmaßlich illegale Fahrdienste anbieten. Ohne offizielle Erlaubnis, günstiger als ein Taxi, mit einem Verdienst, der brutto wie netto ausfallen dürfte.

Illegaler Taxidienst in Limburg? 

Seit Anfang des Jahres ermittelt die Limburger Polizei gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen des illegalen Fahrdienstes, wie Polizeisprecherin Claudia Schäfer-Simrock auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. Die Stadt habe die Polizei darauf aufmerksam gemacht. Die wiederum war in der zweiten Jahreshälfte von mehreren Taxifahrern auf das illegale Treiben angesprochen worden – offenbar mehrfach. „Das wird immer schlimmer“, sagt ein zweiter Taxifahrer; beide wollen anonym bleiben. Die Sorge ist groß, dass die Gruppe der illegalen Anbieter ihr selbst ernanntes Revier notfalls mit Gewalt gegen die Taxifahrer verteidigen.

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Offen über das Problem spricht dagegen der Chef des größten Taxiunternehmens in der Region, Axel Schmidt von Taxi Addi. „Das ist ein Riesen-Thema“, sagt er. Denn mit den illegalen Fahrdiensten einher gingen Straftaten wie mutmaßliche Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug sowie Fahren ohne Versicherungsschutz und ohne Führerschein, weil die erforderliche Lizenz fehlt, Personen gewerblich fahren zu dürfen. „Das ist denen, die mitfahren, gar nicht bewusst“, sagt Schmidt.

Limburg: Taxifahrer fürchten Gewalt

Die beiden Taxifahrer betonen, sie müssten ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, um ihren Beruf ausüben zu dürfen, sich regelmäßig gesundheitlich untersuchen lassen und ihre Taxis alle zwölf Monate beim TÜV vorführen. Wer als Kunde die illegalen Fahrdienste nutze, habe diese Sicherheit nicht und im Falle eines Verkehrsunfalls auch keinen Versicherungsschutz.

Nach Beobachtung der beiden Taxifahrer sind die meisten Fahrgästen eher jung, manche von ihnen auch betrunken. Die Gruppe der illegalen „Taxifahrer“ sei vor allem in der Nacht zum Samstag und in der Nacht zum Sonntag aktiv. Die „Kunden“ würden auf dem Bahnhofsplatz direkt angesprochen oder vor der Discothek „Musikpark“ und im Bereich der Innenstadt, wo die Kneipen und das Kino sind.

„Die unterbieten die Taxifahrer-Preise deutlich“, sagt Schmidt. Nach seiner Beobachtung nutzt die Gruppe nicht nur Privatfahrzeuge, sondern auch Mietautos der EVL. „Das ist der Stadt bekannt“, sagt Schmidt, „auch schriftlich.“

Taxidienst in Limburg: Mindestens acht Fahrzeuge sind illegal unterwegs

Nach den Mitteilungen seiner Mitarbeiter sind drei bis sechs Fahrzeuge für die illegalen Fahrdienste im Einsatz, die beiden Taxifahrer kommen auf mindestens acht Fahrzeuge. Ein Taxifahrer hat sich allein sieben Kennzeichen aufgeschrieben von Fahrern, die illegal Personen befördern, darunter fünf LM-Kennzeichen, ein DIZ-Kennzeichen und ein RÜD-Kennzeichen; dazu kämen die Kennzeichen von den Mietautos der EVL, von denen zwei am Bahnhofsplatz stehen. „Das läuft organisiert ab“, sagt Schmidt. Die beiden Taxifahrer benutzen sogar das Wort „organisierte Kriminalität“.

Nach Angaben der Polizei ist das illegale gewerbliche Befördern von Personen zunächst einmal „nur“ eine Ordnungswidrigkeit, weil es sich um einen Verstoß gegen das Personenförderungsgesetz handelt. Dagegen müsste demnach die Stadt selbst vorgehen.

Taxi-Chef Schmidt und die beiden Fahrer wollen die Menschen sensibilisieren, die illegalen Fahrdienste nicht mehr zu nutzen. „Wenn das Schule macht, und es passiert etwas, dann ist das Geschrei groß“, sagt Schmidt. Die beiden Taxifahrer bitten darum, die Polizei über Fahrzeug, Kennzeichen und Personen zu informieren, die ihre illegalen Fahrdienste anbieten. Die Vorgehensweise dieser Gruppe – nach Beobachtung der Taxifahrer Menschen mit Migrationshintergrund – werde zunehmend aggressiver. Deren Angst, der Staat werde dagegen massiv einschreiten, scheint sich in Grenzen zu halten.

Und die illegalen Fahrdienste sind mittlerweile so bekannt, dass einer der Taxifahrer nachts in Kneipen schon angesprochen wird: „Bist Du Privat-Taxi?“ Er dreht sich dann um und geht – ohne Fahrgast.

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